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Öffentliche Verwaltung : Langweiliges Aktenwälzen ade

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Eine Ausbildung in der öffentlichen Verwaltung ist vielfältig und anspruchsvoll.

Nora Kliemek und Heiko Bernhof schlendern durch die Blumenfelder im Stadtpark Norderstedt - ein ungewöhnlicher (Arbeits-)Ort für die angehende Verwaltungsfachangestellte im dritten Lehrjahr und den frisch gebackenen Stadtinspektoranwärter der fünfgrößten Stadt Schleswig-Holsteins. Neben der Stadtpark Norderstedt GmbH lernen die Azubis und dualen Studenten in den beiden Einführungswochen auch die anderen städtischen Gesellschaften, Betriebe und Ämter kennen.
Nora Kliemek hat die ersten 14 Tage für die vier neuen Verwaltungsfachangestellten und drei Stadtinspektoranwärter/innen organisiert. Gemeinsam mit Maike Ravn, Ausbildungsleiterin der Stadt Norderstedt, hat die 25-Jährige ein abwechslungsreiches Programm geplant, bei dem städtische Mitarbeiter ihre Fachbereiche präsentieren.
"Ich bin begeistert, wie vielfältig kommunale Verwaltung ist", erklärt Heiko Bernhof, der kein Neuling in der Verwaltungsbranche ist. Der 31-Jährige war zuvor acht Jahre bei der Bundeswehr. Seine Entscheidung für ein Bachelor-Studium Verwaltungsmanagement/Public Management und damit für die Laufbahngruppe 2, erstes Einstiegsamt, für den ehemals gehobenen Dienst, hat er ganz bewusst getroffen. "Ich habe bei der Bundeswehr gemerkt, dass ich gut in bürokratischen Strukturen arbeiten kann. Den Beruf des Soldaten möchte ich auf Dauer nicht ausüben, eine leitende Funktion in der Verwaltung finde ich aber sehr spannend", erklärt Heiko Bernhof.
Ohne Verwaltung geht es nicht, doch wer heute eine Laufbahn in der öffentlichen Verwaltung anstrebt, muss vor allem eines sein: am Umgang mit Menschen interessiert. Längst ist in Ämtern, Behörden und Ministerien der Dienstleistungsgedanke eingezogen. Dass in einer sich wandelnden, pluralen Gesellschaft serviceorientiert gedacht und flexibel gehandelt werden muss, lernt der Nachwuchs der Verwaltung schnell. "Den Sozialwissenschaften und der Vermittlung von Handlungskompetenz werden in der Ausbildung eine große Bedeutung beigemessen", so Ernst Halle, Studienleiter der Verwaltungsakademie Bordesholm, die am 1. Oktober ihr 100-jähriges Bestehen feiert und damit die älteste überregional tätige Ausbildungsstätte des öffentlichen Dienstes in Deutschland ist. "Daneben gilt es, den Nachwuchs auf die vielfältigen und teils sehr komplexen Aufgaben seiner beruflichen Laufbahn vorzubereiten", so der gebürtige Neumünsteraner, der seit über 30 Jahren in der Aus- und Weiterbildung der schleswig-holsteinischen Verwaltung tätig ist.
In der Verwaltungsakademie Bordesholm sind die Verwaltungsfachangestellten mit Fachrichtung Kommunalverwaltung im Rahmen ihrer dreijährigen Ausbildung insgesamt vier Monate - sechs Wochen vor der Zwischenprüfung und zehn Wochen vor ihrem Abschluss. In der verbleibenden Zeit durchlaufen sie die verschiedenen Ämter und Fachbereiche und lernen vom Ordnungsamt bis zum Personaldezernat die gesamte Bandbreite kommunaler Verwaltungsstrukturen in Theorie und Praxis kennen - in der Berufsschule und bei ihren Dienstherren.
Bundes-, Landes- und Kommunalrecht, doppelte Buchführung, Haushalts- und Wirtschaftspläne, Kommunikations- und Informationssysteme, Arbeitsprozesse und vieles mehr stehen dabei auf dem Lehrplan. Am Ende der Ausbildung weiß der Nachwuchs dann meist, wohin es für ihn gehen soll. "Ich würde gerne nach meinem Abschluss als Standesbeamtin arbeiten. Ich habe gerne mit Menschen zu tun. Als Standesbeamtin hat man einen sehr direkten Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern", so Nora Kliemeks Pläne.
Die Aussichten, nach Ausbildung oder dualem Studium von der Stadt oder Gemeinde übernommen zu werden, stehen derzeit gut. "Engagierte und fähige junge Leute werden in der modernen Verwaltung gebraucht", sagt Prof. Dr. Josef Konrad Rogosch, der seit 1. April 2012 Leiter des Ausbildungszentrums für Verwaltung ist, zu dem auch die Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Altenholz gehört.
An dieser werden nicht nur die Anwärter/innen für den gehobenen Dienst im Fachbereich Allgemeine Verwaltung ausgebildet, sondern auch die Kommissare der Landespolizei Schleswig-Holstein, die Diplom-Finanzwirte der Steuerverwaltung und an der Außenstelle in Reinfeld die Nachwuchskräfte im Fachbereich Rentenversicherung. "Eine berufliche Laufbahn im öffentlichen Dienst kann sehr unterschiedlich aussehen. Ob beim LKA oder im Rathaus einer Stadt - die verschiedenen Tätigkeitsbereiche sind vielfältig und anspruchsvoll", so Rogosch.
"Anfang der neunziger Jahre hat sich in allen Berufen des öffentlichen Dienstes ein grundlegender Wandel vollzogen, der von einer zunehmenden Service- und Zielgruppenorientierung und Europäisierung gekennzeichnet ist. Wer heute im öffentlichen Dienst in leitender Position arbeitet, muss über den Tellerrand hinausblicken können. Stabilität und Verlässlichkeit zeichnen den öffentlichen Dienst aus, aber Nachwuchskräfte, die nur einen sicheren Job und geregelte Arbeitszeiten suchen, finden hier keinen Platz mehr."
Drei Jahre dauert die Ausbildung für angehende Beamte der Allgemeinen Verwaltung an der Fachhochschule in Altenholz. Insgesamt zwei Jahre verbringen die Nachwuchskräfte im Hörsaal und Seminarraum, ein Jahr in der praktischen Ausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss übernehmen sie in Landes- oder Kommunalbehörden herausgehobene Sachbearbeitungs- und Führungsaufgaben und können sich mit einem Masterstudium, beispielsweise im Europäischen Verwaltungsmanagement, weiter qualifizieren. Voraussetzung für eine Laufbahn in der Laufbahngruppe 2, erstes Einstiegs-amt, im ehemals gehobenen Dienst, ist die Fachhochschulreife, für eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte/r in der Regel ein mittlerer Bildungsabschluss.
Doch auch wer seine Laufbahn in der Verwaltung mit einer Ausbildung beginnt - egal ob in der Bundes-, Landes- oder Kommunalverwaltung, in der Kirchenverwaltung oder bei einer Handwerks- oder Handelskammer -, kann sich weiterbilden, zum Beispiel zum Verwaltungsfachwirt. Die Möglichkeiten sind vielfältig, manche Laufbahn durchgängig, die Zukunftschancen aussichtsreich.

Weitere Informationen über eine Laufbahn in der öffentlichen Verwaltung

http://www.vab-sh.de (Internetseite der Verwaltungsakademie Bordesholm)
http://www.fhvd.de (Internetseite der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Schleswig-Holstein)
http://berufenet.arbeitsagentur.de (Onlineportal der Bundesagentur für Arbeit)
Darüber hinaus informieren u.a. Städte und Gemeinden auf ihren Internetseiten sowie auf www.youtube.de über Ausbildung und Studium in der öffentlichen Verwaltung.

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erstellt am 26.Aug.2013 | 09:34 Uhr

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