zur Navigation springen
Klasse gemacht! Vorbildliche Unternehmen in Schleswig-Holstein

19. August 2017 | 04:31 Uhr

Auch Männer wollen sich emanzipieren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ungleiche Bezahlung zwischen den Geschlechtern hindert Väter daran, mehr Verantwortung in der Familie zu übernehmen

Männer haben Muskeln und sind furchtbar stark. Darüber hat sich Herbert Grönemeyer schon vor dreißig Jahren lustig gemacht. Dieses Ideal aber gilt noch in vielen Büros und Werkshallen: Der Mann ackert bis zum Umfallen und ernährt die Familie - selbst um den Preis, dass er diese kaum zu Gesicht bekommt. „Der Mann ist Malocher“, sagt Martin Rosowski, der Vorsitzende des Bundesforums Männer. Das habe sich tief eingebrannt. Doch: Seit ein paar Jahren ändere sich das, vor allem Jüngere denken seiner Meinung nach anders. „Arbeit bedeutet für Männer längst nicht mehr das ganze Leben.“ Man könnte die Familie Mehdorn als Beleg heranziehen. Hartmut Mehdorn, einer der bekanntesten deutschen Industriemanager, musste von seinen Kindern hören: „Wir möchten nicht so leben und arbeiten wie du.“

Leben wie er, das hieß für Mehdorn, jahrelang kaum Urlaub zu machen.„In den Sommerferien habe ich die Familie ans Meer gebracht und dann weitergearbeitet“, sagte der 73-Jährige unlängst dem „Spiegel“. Sein jüngster Sohn dagegen habe sich beruflich so verändert, dass er mehr Freizeit für seine Kinder habe und seine Frau im Beruf durchstarten kann. „Ich fand das mutig.“ „Männer bewegen sich“, meint Ralf Kleindiek (SPD), Staatssekretär im Bundesfamilienministerium. Er hat „emanzipatorische Interessen“ verortet.

Männer als Emanzen? Ja, denn auch sie wollten einschränkende Rollenzuschreibungen abstreifen, etwa die des voll verfügbaren Arbeitnehmers ohne Fürsorgepflichten. 60 Prozent der jungen Väter und Mütter wollten ein Lebensmodell, in dem beide in gleichem Maße erwerbstätig sind, sagt Kleindiek. Jeder dritte Vater wolle lieber Teilzeit, mehr Männer denn je nähmen Elternzeit. „Es ist eine leise Revolution, die da stattfindet“, sagt der Politiker. „Und die Aufständischen sind oft die Männer.“ Doch wie viel davon ist Wunsch? Und wie viel Wirklichkeit? „Ich bin selber verblüfft, wie sehr alte Rollenmuster bleiben“, berichtet Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall in Berlin, Brandenburg und Sachsen. „Es gelingt nur sehr schwer, in Stahlwerken oder Metallunternehmen junge Frauen für eine Ausbildung zu gewinnen.“ Frauen strebten eher in Dienstleistungsberufe. Und diese sind oft schlechter bezahlt.

Die Lohnlücke hindert Väter aus Sicht des Familienministeriums daran, mehr Verantwortung in der Familie zu übernehmen. „Viele Paare finden sich in klassischen Rollenengagements, sobald das erste Kind geboren ist“, heißt es beim Bundesforum Männer. Der Zusammenschluss setzt sich seit fünf Jahren für Geschlechtergerechtigkeit ein - aus Männerperspektive.

70 Prozent der Mütter arbeiten laut Statistischem Bundesamt in Teilzeit, aber nur fünf Prozent der Väter. Die „Bürde des Haupternährers“ sei ein jahrhundertealtes Privileg, sagt der Männerrechtler Rosowski. „Aber was ist, wenn Männer diese Privilegierung ablehnen?“ Eine Karriere können sie sich dann jedenfalls abschminken, macht das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln klar. „Entweder - oder“, heißt es dort. „Denn Führungsverantwortung heißt auch, für Mitarbeiter und Kunden ständig erreichbar zu sein – häufig sind dafür Überstunden nötig.“

Jedoch geht das Institut davon aus, dass die Menschen sich den Job passend zu ihren Lebensentwürfen suchen - nicht umgekehrt. Deshalb seien sie damit auch zufrieden. Grönemeyer würde singen: „Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht.“

zur Startseite

von
erstellt am 21.Sep.2015 | 17:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen