Literatur : Jetzt wird ausgepackt: Trend zu Job-Enthüllungsbüchern

Enhüllungsbücher: «Wer eincheckt, hat verloren' von Jacob Tomsky (l) und 'Total bedient» von Anna K.  
Enhüllungsbücher: «Wer eincheckt, hat verloren" von Jacob Tomsky (l) und "Total bedient» von Anna K.  

Das Erfolgsrezept für einen Bestseller scheint derzeit denkbar einfach: Ein Job und die Bereitschaft, darüber herzuziehen. Vom Zimmermädchen bis zum Lehrer gibt es schon diverse Enthüllungsbücher über Berufe - und ein Ende ist nicht in Sicht.

shz.de von
12. November 2013, 17:16 Uhr

Was haben Zimmermädchen, Kassiererinnen, Putzfrauen, Privatdetektive und Lehrer gemeinsam? Die Antwort ist einfach: Ihre Berufe scheinen so spannend zu sein, dass sie Enthüllungsstoff für ganze Bücher bieten. Derzeit boomt das Genre der sogenannten Berufsmemoiren - und zahlreiche deutsche Verlage springen auf den Trend auf.

Beim Kölner Verlag Bastei Lübbe ist gerade etwa «Total bedient - Ein Zimmermädchen erzählt» erschienen. Der volle Name der Autorin Anna K. bleibt geheim - nicht unüblich bei den vermeintlichen Enthüllungsstorys. Auch die Bestseller-Autorin Justyna Polanska, die bei Knaur die schmutzigen Details ihres Putzfrauenjobs aufgeschrieben hat, wollte diese nur unter Pseudonym veröffentlichen.

Die Verlage setzen bei den Büchern ohnehin auf den Sog des Geheimnisvollen: «Der Reiz dieser Bücher liegt darin, dass man als Leser eine Perspektive auf die Realität bekommt, die man sonst nicht wahrnimmt», sagt Sabine Niemeier, Sachbuchleiterin bei Bastei Lübbe. «Voyeurismus ist sicherlich auch ein Aspekt, vor allem in einer Welt, die stark von Diskretion geprägt ist.» Neben geheimnisvollen Berufen wie dem des Pathologen oder Detektivs gebe das Hotelgewerbe besonders viel Stoff her.

Kein Wunder, dass bei Lübbe auch schon ein Concierge am Frankfurter Hof («Der Concierge») den Blick durchs Schlüsselloch gewehrt hat. Bei Ullstein extra packte mit Jacob Tomsky jüngst ebenfalls ein Hotelangestellter aus («Wer eincheckt, hat verloren») und plauderte über Nackte, Tote und blutige Laken.

Bei der Flut an Berufserzählungen werde sicher irgendwann der Moment kommen, wo alles auserzählt sei, sagt Niemeier. «Aber dieser Punkt ist noch nicht da.» Bereits im Dezember will der Verlag ein neues Buch auf den Markt bringen - über die Verkäuferin einer Pariser Luxusboutique.

Besonders gut läuft dort aber vor allem eine Berufsgruppe: Lehrer. Philipp Möllers Buch «Isch geh Schulhof. Unerhörtes aus dem Leben eines Grundschullehrers» hält sich - obwohl vor mehr als einem Jahr erschienen - hartnäckig auf der Spiegel-Bestsellerliste. «Ganz offensichtlich ist das Thema Schule eines, das die Menschen interessiert», sagt Niemeier.

Die Geschichten aus dem Job werden bei den Verlagen als Sachbücher geführt - weil sie nicht fiktional sind, also wahre Geschichten erzählen. Putzfrau Justyna Polanska war mit ihrer Enthüllungsstory «Unter deutschen Betten» sogar so erfolgreich, dass Knaur mit «Nicht ganz sauber» kurzerhand noch einen Nachfolger davon verlegte.

Ein Beruf, der sich nicht für ein solches Buch eigne, falle ihr spontan nicht ein, sagt Niemeier von Bastei Lübbe. «Das Feld ist relativ groß. Offensichtlich finden diese Bücher alle für sich ihre Leser.»

Literatur: 

- Anna K.: Total bedient. Bastei Lübbe, Köln, 219 Seiten, 9,99 Euro, ISBN-13: 978-3-404-60779-2 - Jürgen Carl: Der Concierge. Bastei Lübbe, Köln, 235 Seiten, 17,99 Euro, ISBN-13: 978-3-7857-2413-2 - Philipp Möller: Isch geh Schulhof. Bastei Lübbe, Köln, 366 Seiten, 8,99 Euro, ISBN-13: 978-3-404-60696-2 - Jacob Tomsky: Wer eincheckt, hat verloren. Ullstein extra. 288 Seiten, 14,99 Euro, ISBN-13: 978-3864930102 - Justyna Polanska: Unter deutschen Betten. Knaur Taschenbuch, München, 224 Seiten, Euro 8,99, ISBN-13 978-3426783979 - Justyna Polanska: Nicht ganz sauber. Knaur Taschenbuch, München, 224 Seiten, 8,99 Euro, ISBN-13: 978-3-426-78544-7

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