Rechte und Pflichten : Im Beruf: Arbeitnehmer müssen die private Handynummer in der Regel nicht angeben

Arbeitnehmer sind nicht grundsätzlich dazu verpflichtet, ihre private Mobilfunknummer beim Arbeitgeber anzugeben. David Ebener
Arbeitnehmer sind nicht grundsätzlich dazu verpflichtet, ihre private Mobilfunknummer beim Arbeitgeber anzugeben. David Ebener

Immer erreichbar zu sein, ist heute im Beruf selbstverständlich - auch nach Feierabend. Doch das darf nur in Ausnahmefällen Pflicht sein.

shz.de von
21. Mai 2018, 05:46 Uhr

Das Thüringer Landesarbeitsgericht hat entschieden: Arbeitnehmer sind grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, ihre private Mobilfunknummer beim Arbeitgeber anzugeben. Als Begründung heißt es, dass der Arbeitgeber auch auf eine andere Art und Weise sicherstellen könne, Beschäftigte im Notfall zu erreichen.

Nur in Ausnahmefällen muss man die Handynummer herausgeben

Nur unter besonderen Bedingungen und in engen Grenzen habe ein Arbeitgeber das Recht, die private Handynummer eines Beschäftigten zu kennen. Hintergrund des Prozesses, in dem dieses Urteil fiel, war die Klage von Mitarbeitern des kommunalen Gesundheitsamtes gegen den Landkreis Greiz.

Die klangenden Mitarbeiter verlangten mit Erfolg, dass eine Abmahnung aus ihrer Personalakte entfernt wird, weil sie nur ihre private Festnetznummer, nicht aber die Nummer ihres Mobiltelefons für Bereitschaftsdienste angaben. Das Landesarbeitsgericht bestätigte mit seiner Entscheidung ein Urteil des Arbeitsgerichts Gera von 2017 und machte damit deutlich, welches Gewicht der Datenschutz auch im Arbeitsleben hat.

Schutz der Persönlichkeitsrechte

Wenn ein Arbeitgeber die Handynummer eines Beschäftigten habe, sei es für ihn möglich, den Mitarbeiter fast immer und überall zu erreichen, sagte Richter Michael Holthaus. Der Arbeitnehmer könne dann nicht mehr wirklich zur Ruhe kommen. Das sei ein erheblicher Eingriff in Persönlichkeitsrechte, der nur unter ganz besonderen Umständen gegen seinen Willen hinnehmbar sei.

Diese besonderen Umstände seien zum Beispiel dann gegeben, wenn sich die Arbeitspflichten des Mitarbeiters nicht anders sinnvoll organisieren ließen. Das sei in den vorliegenden Fällen aber nicht so gewesen. Und der Thüringer Richter lässt in diesem Fall nicht mit sich verhandeln: Gegen seine Entscheidung hat das Landesarbeitsgericht keine Revision beim Bundesarbeitsgericht zugelassen. Zwar habe die Frage des Umgangs mit Handynummern grundsätzliche Bedeutung, sagte Holthaus. Allerdings gebe es in beiden Fällen einige Besonderheiten, so dass es nicht geboten scheine, die Fälle den obersten deutschen Arbeitsrichtern vorzulegen.

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