Anzeige: Unser Handwerk : Teil I: Handwerker aus der Region über ihre Erfahrungen

Handwerk ist keine Einbahnstraße: Olde Bartlefsen, Matthias Knutzen, Karina Petersen, Peter Lorenzen und Lars Gildemeister (v. l.) haben ihr Gewerk als Fundament ihrer Karrieren genutzt.

Handwerk ist keine Einbahnstraße: Olde Bartlefsen, Matthias Knutzen, Karina Petersen, Peter Lorenzen und Lars Gildemeister (v. l.) haben ihr Gewerk als Fundament ihrer Karrieren genutzt.

Erfolgsgeschichten aus dem Handwerk: Ein Reetdachdecker-, ein Fleischer- und ein Bäckermeister stellen sich vor.

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23. Mai 2021, 00:00 Uhr

Reetdachdeckermeister Olde Bartlefsen

Nordfriesland | „Ich bin Olde Bartlefsen, 32 Jahre alt und komme aus Risum-Lindholm. Hier bin ich zu Hause! Nach meinem Abschluss der mittleren Reife in Niebüll 2006 habe ich meine Ausbildung als Dachdecker bei Arnold Johannsen in Risum-Lindholm begonnen.

2009 konnte ich diese als Geselle abschließen. Meine Gesellenzeit habe ich von 2009 bis 2011 in meiner Lehrfirma absolviert. Als Freund von Weiterbildungen war es klar, dass ich die Meisterschule in Lübeck besuchen werde. Nach einem Jahr, nämlich im Juli 2012, konnte ich die Meisterprüfung ablegen. In dieser gesamten Zwischenzeit habe ich natürlich in der väterlichen Reetdachdeckerei ausgeholfen, wenn mal Not am Mann war.

Reetdachdeckermeister Olde Bartlefsen
Silke Kurtz

Reetdachdeckermeister Olde Bartlefsen

 

Seit August 2012 bin ich als Meister und auch Geschäftsführer im Betrieb Sönke Bartlefsen Reetdachdeckerei. Seitdem führe ich mit Freude den Betrieb gemeinsam mit meinem Vater. Meine gesamte Familie lebt hier auf dem Hof, was sich überwiegend positiv auf alle Arbeitsprozesse, sowohl die handwerklichen, als auch die bürokratischen, auswirkt. Wir führen alles zum Thema Weich- und Hartdach sowie sämtliche Holzarbeiten aus, speziell Häuser ab Mauerwerk zu richten und einzudecken.

Manchmal gibt es aber so schnell neue Fachregel-Änderungen, Vorschriften und Materialien, dass man oft nicht mal mehr weiß, ob es sich lohnt die spezifischen Weiterbildungen zu machen. Aber: Stillstand gibt es im Handwerk nicht und Weiterbildung ist das A und O.

Das Handwerk ist für mich gewissermaßen die Basis des Lebens. Keiner kann ohne Handwerk. Leider wird es teilweise industrialisiert. Aber nicht auf dem Dach!

Fleischermeister Matthias Knutzen

Der 37-Jährige ist in Emmelsbüll-Horsbüll aufgewachsen und tritt die Unternehmensnachfolge im elterlichen Betrieb in Niebüll an. Der gebürtige Niebüller absolvierte die Grund- die Hauptschule und schloss diese 1999 ab. Bis 2002 durchlebte er die Lehrzeit im eigenen Familienbetrieb, welcher bereits in dritter Generation geführt wird.

Für den Vater von zwei wundervollen Kindern, sieben und drei Jahre alt, ist das Fleischerhandwerk eine äußerst kreative Branche. Durch regionale Produkte und handwerkliches Können werden viele verschiedene Kreationen präsentiert und verkauft. Fleischer und Fleischerei-FachverkäuferInnen leben von und mit der Region. Man kennt die Bedürfnisse der Kunden und ist Teil deren Lebens.

Fleischermeister Matthias Knutzen
Silke Kurtz

Fleischermeister Matthias Knutzen

„Ganz klar war für mich, dass ich zur Meisterschule gehen werde, welche ich 2007 in Hamburg abgeschlossen habe“, merkt der engagierte Fleischermeister an. „Durch die Möglichkeit, einen eigenen Betrieb zu führen, haben wir großen Einfluss auf Produktangebote und können die Entwicklung unseres Handwerk maßgeblich steuern.

Die positive Seite dieses alteingesessenen Berufsbildes muss wieder klarer abgebildet werden. Durch die zahlreichen Geschäftsfelder im Fleischerhandwerk, wie etwa der mobile Verkauf, Catering, Partyservice und Lieferung an den regionalen Einzelhandel ist in dieser Branche die Arbeit ungeheuer abwechslungsreich.“

Bäckermeister Peter Lorenzen

Wer liebt ihn nicht? Diesen ganz bestimmten Geruch frischen Brotes oder knackiger Brötchen, die zum Frühstück auf den Tellern der Menschen liegen? Dafür sorgen auch heute noch ganz früh morgens, wenn (fast) alle in ihren Betten liegen, Bäcker und Bäckerinnen, die zu nachtschlafender Zeit in der Backstube werkeln.

Bäckerhandwerk hat eine jahrhundertealte Tradition und trägt seither zur Gesunderhaltung der Menschheit bei. Und noch heute gilt: Nichts geht über traditionelle, echte Handwerks-Backkunst, mit leckeren Produkten aus der heimischen Backstube.Für Peter Lorenzen ist es der Inhalt seines Lebens. Ein ganz klares Statement gibt der Betriebsleiter der „Kupferkanne“ auf Sylt ab:

„Handwerk heißt: Mit den Händen arbeiten – was aber nicht bedeutet, dass man den Kopf nicht benutzen darf. Man muss es sogar, weil nur Kreativität, Entschlossenheit und eigene Visionen den Weg nach oben ebnen. Denn der Gesellenbrief ist keine Einbahnstraße. Die Karrieremöglichkeiten im Handwerk sind vielfältig und anspruchsvoll. Neben Fachwissen sind immer mehr die vielbeschriebenen Sozialkompetenzen gefragt. Kunden möchten „abgeholt“, wertgeschätzt und wahrgenommen werden. Wer diese Serviceleistung bietet, schafft sich den Kundenstamm der Zukunft.“

Bäckermeister Peter Lorenzen
Silke Kurtz

Bäckermeister Peter Lorenzen

 

Seine Maxime ist der traditionelle Innungsspruch aller Gewerke – alt, aber immer noch aktuell: In Ehrbarkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit. „Find ich gut, nur die Formulierung ist nicht mehr zeitgemäß“, konstatiert der enthusiastische Bäcker, die Leidenschaft für seinen Beruf ins Gesicht geschrieben. „Stillstand ist Rückschritt. Den braucht keiner, der am Markt existieren und seinen Marker in dieser Welt setzen will.“

Dieser Artikel ist nur einer von vielen, der am Freitag, den 7. Mai 2021, in der Sonderbeilage „Unser Handwerk“ erschienen ist. Auf insgesamt 90 Seiten widmet sich das Magazin dem Handwerk in Nordfriesland und Umgebung. Das Themenheft wird von den Kreishandwerkerschaften in Husum und Niebüll sowie der Nord-Ostsee Sparkasse unterstützt. Ein Teil der Texte wird für alle sh:z-Leser unter shz.de/handwerk veröffentlicht.
 
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