Teamgeist im Handwerk : Solide Reetdächer für Uganda

<p>Ein gutes und inzwischen eingespieltes Team: Bosco Awas und sein Chef Hans-Hermann Ohm, Obermeister der Reetdachdecker.</p>

Ein gutes und inzwischen eingespieltes Team: Bosco Awas und sein Chef Hans-Hermann Ohm, Obermeister der Reetdachdecker.

Die Kreishandwerkerschaft Nordfriesland Süd unterstützt Hilfe zur Selbsthilfe-Projekt für Uganda.

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09. April 2018, 05:02 Uhr

Reetdachdecker sind international vernetzt. Es gibt nicht nur in Europa Reetproduzenten, sondern auch in Afrika. Im Jahr 2014 flog deshalb Obermeister Hans-Hermann Ohm aus Wesselburen-Norddeich mit einigen Berufskollegen zum ersten Mal nach Afrika, genauer gesagt nach Südafrika, zum internationalen Erfahrungsaustausch und um die Verhältnisse vor Ort besser kennenzulernen.

Reetdächer im Vergleich

Einige Unterschiede fielen auf. Viele der Hütten und Häuser, die die Handwerker sahen, waren mit Reet oder Afrikagras gedeckt. Weil viele Afrikaner Nomaden sind und oft nach wenigen Jahren weiterziehen, legen sie die Halme oft nur lose aufs Dach. Bei Regen sind die Hütten so manchmal undicht, bei starkem Wind fliegt das Dach im Extremfall sogar weg, muss neu gedeckt werden und verursacht unnötige Kosten.

Zurück in Deutschland erreichte Ohm im Juli 2015 ein Anruf von Luisa Natiwi, einer in Hamburg lebenden Uganderin. Sie berichtete von ihrem Vorhaben, für ihr Land etwas bewirken zu wollen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ - das war und ist es, was die Menschen in ihrem Geburtsland brauchen, betonte die Autorin von „Rote Erde – weißes Gras“ eindrücklich. Hans-Herrmann Ohm findet: „Jeder Mensch hat seine Heimat und möchte dort auch bleiben.“ Schließlich entstand die Idee, den Menschen mit einer Aktion zu helfen, die das Leben in ihrer Heimat lebenswerter macht.

Neue Erfahrungen

Gemeinsam mit weiteren Innungskollegen und unter Einbindung der Dachdecker-Berufsschule in Lübeck, entschloss man sich, Männer aus Uganda nach Schleswig-Holstein zu holen, damit sie die Kunst des Reetdachdeckens erlernen können. Im März 2016 startete die erste Reise in das Land, um die Ugander Bosco, Ben und Abraham zu treffen und gemeinsam den Bau einer Lagerhalle als Probeobjekt zu beginnen. Die Reeternte war bereits abgeschlossen, als das Ehepaar Ohm in der Hauptstadt Kampala ankam. Die Sichel, die Obermeister Ohm zu Lernzwecken mitgebracht hatte, wurde ungenutzt verstaut. 1.000 Bund Reet, für die Eindeckung einer Lagerhalle, wurden bestellt und geliefert. Mit einfachsten Mitteln startete der Bau. Nur ein Metallfass stand als einzig verfügbares „Baugerüst“ zur Verfügung.

Eine Ausbildung in Schleswig-Holstein

Bosco Awas war letztlich derjenige, den Hans-Hermann Ohm aufgrund seines Tatendrangs, seiner gesunden Neugierde als auch seiner großen Hilfsbereitschaft als Auszubildenden in seinen Heimatbetrieb aufnahm. Mittlerweile ist Bosco in dem 320 Einwohner kleinen Nachbarort von Wesselburen gut integriert. Seine Deutschkenntnisse und vor allem sein Fachwissen haben ihn zu einem der besten von 148 Schülern seines Ausbildungsjahrganges gemacht.

Rita und Hans-Hermann Ohm sind stolz auf ihren Azubi, der trotz bürokratischer Hürden, aber mit viel Unterstützung durch die Innung und die Kreishandwerkerschaft Nordfriesland Süd, seinen Weg in eine selbstbestimmte Zukunft geht. Das Fundament für ein eigenes Unternehmen in Uganda hat Bosco durch sein Engagement während seiner Lehre in Schleswig-Holstein überwiegend selbst gelegt.

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