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Galvaniseure : Glänzende Berufsaussichten

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Der blitzende Kühlergrill, Teelöffel, ein edles Uhrarmband: Vieles, das uns im Alltag umgibt, ist von einer dünnen Metallschicht umgeben. Damit das Silber auf den Löffel und der Chrom auf den Kühlergrill kommt, braucht man Galvaniseure.

Für den Beruf des Oberflächenbeschichters, so die moderne Bezeichnung, muss man Spaß an der Chemie und technisches Verständnis mitbringen. Dann kann man von der kleinen Füllerfeder bis zum riesigen Airbus fast alles zum Glänzen bringen.
"Der Oberflächenbeschichter verschönert Gegenstände, schützt sie vor Korrosion und macht sie so wertbeständiger", sagt Dietmar Niedziella vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das häufigste Verfahren hierfür ist die Galvanisierung, von der sich die alte Berufsbezeichnung ableitet. Soll zum Beispiel Silber auf einen alten Nickellöffel aufgetragen werden, wird der Löffel mit einem Stück Silber in ein speziell chemisch aufbereitetes Wasserbad getaucht. Löffel und Silberstück werden an eine Stromquelle angeschlossen. Winzige Teilchen lösen sich daraufhin vom Silberstück und lagern sich auf dem Löffel an, bis dieser von einer glänzenden Schicht umgeben ist. Auch die meisten Kunststoffe können heute metallen überzogen werden.
"Der Oberflächenbeschichter überlegt sich vor dem Prozess, welche Chemikalien ins Becken kommen, in welchem Verhältnis sie gemischt werden und wie hoch die elektrische Spannung sein muss", sagt Herbert Breidenbach vom Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO). Für den Beruf sollte man daher Interesse an Chemie, Physik und Mathematik mitbringen. Mit Säure reinigt der Galvaniseur die Gegenstände von Verunreinigungen, in kleineren Betrieben schleift und schneidet er Werkstücke zurecht, bevor sie ins Überzugsbecken kommen. "Handwerkliches Geschick ist daher wichtig", sagt Breidenbach. "Wir hantieren mit teuren und teilweise gefährlichen Stoffen, da ist Tollpatschigkeit fehl am Platz."
Eine Ausbildung zum Oberflächenbeschichter bieten die rund 1500 Galvanik-Betriebe in Deutschland an, aber auch andere Unternehmen der Metall-Elektro-Industrie wie Autohersteller. Wer sich für die dreijährige Lehre bewirbt, sollte mindestens einen Hauptschulabschluss mit guten Noten in den Naturwissenschaften vorweisen. In der Berufsschule üben sich die Lehrlinge im Ausrechnen von Flächen, lernen die verschiedenen Eigenschaften von Zinn, Messing oder Kupfer kennen und setzen sich mit Stromkreisläufen und Leiterplatten auseinander. Im Betrieb hantieren die Azubis dann mit Säuren und Laugen und schwenken Gegenstände durch die verschiedenen Wannen.
"Uns ist wichtig, dass die Azubis aufmerksame Menschen sind", sagt Sabine Weyersberg, Personalmanagerin des Galvanotechnik-Betriebs BIA im nordrhein-westfälischen Solingen. Das Unternehmen beschichtet Schaltknüppel, Türgriffe und Kühlergrille für Autohersteller. "Vieles ist heute automatisiert, der Galvaniseur muss vor allem kontrollieren. Ist zu viel Kupfer in der Wanne, stimmt die Temperatur noch?" Zudem könne der Lehrling bei der Arbeit "auch mal dreckig werden". Schutzkleidung bestehend aus Handschuhen, Kittel und oft auch Schutzbrille sind bei der Arbeit mit den teilweise toxischen Chemikalien und ätzenden Säuren Pflicht.
"Daher werden Galvaniseure auch im Umweltschutz und der sicheren Entsorgung der Stoffe geschult", sagt Christoph Quante. Er ist Galvaniseurmeister bei der Lufthansa Technik in Hamburg. "Sorgfalt ist in dem Job wichtig." Für die Luftfahrt gilt dies besonders: Die Flugzeugteile, welche die Oberflächenbeschichter vor Rost schützen oder aufhübschen, hätten oft den Gegenwert von Einfamilien-Häusern.
Doch Quante sagt auch: "Man muss nicht Superman sein, um diesen Job zu machen. Der Spaß an der Technik ist entscheidend." Dazu helfen Kreativität und Selbstständigkeit. "Oft wird mir im Berufsalltag eine Aufgabe gestellt, bei der ich selbst die Lösung finden muss", sagt Quante. "Zum Beispiel eine verrostete Uhr wieder zum Glänzen zu bringen, ohne das Gehäuse zu beschädigen. Da muss man tüfteln."
Rund 17.000 Galvaniseure arbeiteten nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit im Juni 2011 in Deutschland, zehn Jahre zuvor waren es noch über 21.000 gewesen. "Das liegt an der Automatisierung, die Berufsaussichten sind trotzdem sehr gut", sagt Quante. Viele Galvaniseure gingen bald in Rente, doch der Nachwuchs fehle. Der Beruf sei zu wenig bekannt. "Dabei ist er auch für Mädchen spannend: Man muss ja nicht schwer schleppen, sondern kann auch filigrane Arbeiten machen wie Füllerfedern veredeln."
Großen Konkurrenzdruck müssen angehende Galvaniseure also nicht fürchten. "Dazu hat man den Reiz, sich auf drei Ebenen auszutoben: chemisch, elektrisch und handwerklich", sagt Quante. Wer Spaß an diesen Gebieten hat, dem könne als Galvaniseur eine buchstäblich glänzende Zukunft bevorstehen.

Galvaniseur: Klassischer Handwerker
"Jeder Galvaniseur beschichtet Oberflächen", sagt Christoph Quante. "Aber mittlerweile ist nicht jeder Oberflächenbeschichter ein Galvaniseur." Nach einer Begriffsreform durch die Bundesagentur für Arbeit werden auch Metallschleifer und Metallfärber unter den Begriff "Oberflächenbeschichter" gefasst. Dazu verstehen sich viele Galvaniseure als klassische Handwerker. "Wenn jemand in einem sehr automatisierten Betrieb arbeitet und Massenware fertigt, würde ich ihn eher als Oberflächenbeschichter denn als Galvaniseur bezeichnen."

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erstellt am 25.Aug.2012 | 10:23 Uhr

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