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Gemeinsames Mittagessen kann der Konzentration schaden

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Berlin (dpa) - Sandwich vor dem Bildschirm oder ausgiebiges Drei-Gänge-Menü im Restaurant um die Ecke: Wie die Mittagspause ausfällt, beeinflusst Gesundheit und Psyche. Ein gemeinsames Essen könnte laut einer Studie auch negative Folgen haben - für die Aufmerksamkeit.

Berlin (dpa) - Sandwich vor dem Bildschirm oder ausgiebiges Drei-Gänge-Menü im Restaurant um die Ecke: Wie die Mittagspause ausfällt, beeinflusst Gesundheit und Psyche. Ein gemeinsames Essen könnte laut einer Studie auch negative Folgen haben - für die Aufmerksamkeit.

Ein gemeinsames Mittagessen entspannt, könnte für die Aufmerksamkeit aber schlechter sein als eine Pause allein am Schreibtisch. Dies berichten Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität und mehrerer anderer Hochschulen in der Online-Fachzeitschrift «PLOS ONE».

«Bei einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit lässt die kognitive Kontrolle etwas nach, das heißt, man wird liberaler und nachlässiger, nimmt eigene Fehler weniger ernst», sagte der Leiter der Forschungsgruppe, der Psychologe Werner Sommer. Aus dem Experiment mit 32 Teilnehmerinnen lasse sich aber nicht schließen, wie gesund oder ungesund die Mittagspause allein im Büro sei, betonen die Experten.

Die Studie vergleicht zwei sehr verschiedene Situationen: Ein Teil der Probandinnen ging mit einer Freundin in ein Restaurant, wo sie ihr Essen frei wählen konnten und eine Stunde Zeit hatten. Die andere Gruppe aß allein im Büro, bekam die gleiche Mahlzeit - aber ohne selbst wählen zu können - und hatte nur 20 Minuten Zeit.

Wer gemeinsam zu Mittag aß, gab anschließend an, ruhiger und weniger wach zu sein als die Allein-Esser. Zugleich schnitt die Restaurant-Gruppe bei Leistungstests zur kognitiven Kontrolle schlechter ab. Messungen zeigten eine verminderte Wahrnehmung eigener Handlungsfehler, negative emotionale Gesichtsausdrücke wurden stärker wahrgenommen.

Für die Pause während der Arbeit ist die Studie nur bedingt aussagefähig - die Teilnehmerinnen mussten am Tag des Experiments nicht vor dem Essen arbeiten. «Ich würde erwarten, dass die Befunde sich in bestimmte Arbeitsverhältnisse übertragen lassen», sagte Sommer. «Wenn man effizient arbeiten möchte, ist ein gemeinsames Mittagessen eher ungünstig.» Wenn es darum gehe, kreative Lösungen zu finden, könne ein gemeinsames Essen dagegen sinnvoll sein. Dies sei jedoch nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen. Die Autoren sehen die Studie als ersten Schritt, um die psychologischen Folgen verschiedener Essens-Situationen zu untersuchen.

Gesundheitsexperten weisen regelmäßig auf die Bedeutung von Pausen bei der Arbeit hin. Nach Angaben des «Stressreports Deutschland 2012» lassen 26 Prozent der abhängig Beschäftigten ihre Pause häufig ausfallen. «Wenn wir arbeiten, verbrauchen wir mehr Energie. Deshalb ist es wichtig, zwischendurch Pausen zu machen und sich zu erholen», erläuterte die Autorin Andrea Lohmann-Haislah von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Ein Drittel der Berufstätigen in Deutschland beklagt einer Studie der Techniker Krankenkasse zufolge, dass eine gesunde Ernährung bei der Arbeit nicht möglich sei. Jeder Zweite gab an, in den Arbeitspausen auch gar nicht die Zeit zu haben, in Ruhe zu essen.

Stressreport

TK-Forsa-Studie

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erstellt am 17.Aug.2013 | 05:33 Uhr

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