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Agentur für Arbeit : Frühzeitige Orientierung zahlt sich aus

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Berufsberaterin Sandra Boysen, Arbeitsagentur Flensburg, beantwortet Fragen zur aktuellen Ausbildungsplatzsituation in Schleswig-Holstein.

Wenn Sie die vergangenen fünf Jahre betrachten, hat sich die Ausbildungssituation für Jugendliche verändert?
"Vor fünf Jahren war der Ausbildungsmarkt geprägt durch einen Ausbildungsstellenmangel. Mittlerweile hat sich die Lage in einigen Bereichen schon gewandelt. Eine Ursache für diesen Wandel ist, dass es weniger Schulabgänger aus allgemeinbildenden Schulen gibt. In Schleswig-Holstein ist der Rückgang noch nicht so stark spürbar wie beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, in den nächsten Jahren wird sich diese Entwicklung jedoch fortsetzen und noch verstärken. Zudem besuchen mehr junge Menschen eine weiterführende Schule, um einen höheren Bildungsabschluss zu erlangen und auch die Studierneigung nimmt seit einigen Jahren zu.
Dies alles führt dazu, dass sich die Konkurrenzsituation auf dem Ausbildungsmarkt etwas entspannt - bedeutet aber nicht, dass jeder Bewerber automatisch einen Ausbildungsplatz bekommt."
Wie schätzen Sie die Lage auf dem Lehrstellenmarkt momentan ein?
"Die Anzeichen sind angesichts der veränderten Konkurrenzsituation für die Auszubildenden positiv zu bewerten. Darüber hinaus sind die Schulnoten bei vielen Betrieben nicht mehr allein ausschlaggebend für die Besetzung des Ausbildungsplatzes. Immer öfter entscheiden die so genannten Sekundärtugenden wie Disziplin, Pflichtbewusstsein, Höflichkeit, Motivation und Teamfähigkeit über den Erfolg bei der Ausbildungsplatzsuche.
Sollte es bei einer betrieblichen Ausbildung zu Problemen in der Berufsschule kommen, so finanziert und organisiert die Bundesagentur für Arbeit vor Ort die Nachhilfe in Form von ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH). Diese Leistung können die Auszubildenden bei jeder Agentur für Arbeit vor Ort beantragen."
Können Azubis davon ausgehen, auch nach der Ausbildung in Schleswig-Holstein bleiben zu können?
"Die Übernahmechancen steigen. Das Thema Fachkräftesicherung nimmt bei Betrieben einen immer höheren Stellenwert ein, da in den nächsten Jahren eine große Anzahl an Fachkräften in den Ruhestand gehen wird. Dadurch nimmt das Interesse zu, Auszubildende im Betrieb zu halten. Durch gute Leistungen während der Ausbildung kann man die Übernahmebereitschaft des Ausbildungsbetriebs auch selbst erhöhen."
Worin liegen denn die Besonderheiten Schleswig-Holsteins im Vergleich zu anderen Bundesländern?
"Als Land zwischen den Meeren spielt der Tourismus und die Dienstleistungsbranche im Vergleich zu anderen Bundesländern eine relativ große Rolle. Dadurch ist der Anteil der Ausbildungsstellen in diesem Sektor höher als in anderen Bundesländern.
Die Anzahl der kleinen und mittleren Betriebe ist in Schleswig-Holstein sehr hoch, das hat uns in Schleswig-Holstein geholfen, der letzten großen Wirtschaftskrise einigermaßen zu trotzen. Die vielfach ländlich geprägte Region erfordert von den jungen Auszubildenden teilweise jedoch bereits in der Ausbildung eine hohe Mobilität."
Welche Branchen bieten besonders viele Ausbildungsplätze und woran liegt das?
"Besonders viele Ausbildungsplätze gibt es im Tourismus und im Einzelhandel. Die große Anzahl an Ausbildungsplätzen in diesen Bereichen hängt mit Sicherheit mit der hohen touristischen Attraktivität Schleswig-Holsteins zusammen. Oftmals lohnt sich aber auch ein Blick in kleinere Branchen oder auf Ausbildungsberufe, die nicht im ganz großen Fokus stehen, etwa im Dialogmarketing und der Logistik. Da diese Ausbildungsberufe weniger bekannt sind, können sich dabei ungeahnte Möglichkeiten ergeben."
Haben Sie - ganz persönlich aus ihrer Erfahrung als Berufsberaterin gesprochen - einen Geheim-Tipp für Jugendliche? Worauf kommt es vor allem an, wenn es darum geht, einen passenden Ausbildungsplatz zu bekommen? Und worin könnte der Hauptgrund liegen, wenn es nicht so leicht klappt?
"Einen Hauptgrund gibt es nicht. Es gibt viele individuelle Gründe, warum es mit einem Ausbildungsplatz nicht geklappt hat. Wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg ins Arbeitsleben ist ein konkreter Plan.
Ein erster Schritt ist die frühzeitige Vertiefung des Themas Berufswahl und eine eigene Orientierung. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Thema sollte idealerweise zwei Jahre vor der Schulentlassung beginnen. Dadurch bleibt ausreichend Zeit, sich beispielsweise durch Praktika einen Einblick in verschiedene Berufsfelder zu verschaffen, die vorhandenen Vorstellungen mit der Wirklichkeit abzugleichen und gegebenenfalls Alternativen zu erarbeiten.
Ein gutes Zeugnis ist bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz immer von Vorteil. Sollten die Noten im Bewerbungszeugnis nicht den Erwartungen des künftigen Arbeitgebers entsprechen, muss man versuchen, dies durch andere Stärken auszugleichen. Die bereits genannten Sekundärtugenden können hier eine Hilfestellung sein. Ehrenamtliche Tätigkeiten oder ein Engagement in Vereinen kann man positiv in der Bewerbung aufführen. Freiwillige Praktika in den Schulferien helfen, die eigenen Qualitäten persönlich im Betrieb unter Beweis zu stellen."
Gibt es eine Branche, die es verdienen würde, etwas mehr im Fokus der Jugendlichen zu stehen?
"In Schleswig-Holstein ist es schwierig, die Jugendlichen für den Beruf des Gebäudereinigers zu begeistern. Dabei haben wir jedes Jahr einen guten Ausbildungsstellenmarkt für diese Branche. Es ist ein abwechslungsreicher Beruf, der sehr viel Umsicht, Sorgfalt und Flexibilität erfordert und bei dem man sehr selbständig arbeiten muss.
Die Zufriedenheit der Auszubildenden hängt stark von dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb und den dortigen Gegebenheiten ab. Branchen und deren Ausbildungsberufe grundsätzlich wegen eines schlechten Rufs auszuschließen, ist auf keinen Fall von Vorteil. Wichtig ist, dass Auszubildender und Arbeitgeber zusammenpassen und gemeinsam am erfolgreichen Abschluss der Ausbildung arbeiten."

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erstellt am 25.Aug.2012 | 10:21 Uhr

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