Plattdeutsch an der Uni : Fasziniert von der "Sprache der Vorfahren"

Platt-Experte für neuen Schwerpunkt im Deutsch-Studium: Robert Langhanke.  Foto: winde
Platt-Experte für neuen Schwerpunkt im Deutsch-Studium: Robert Langhanke. Foto: winde

Robert Langhanke will zukünftige Deutschlehrer für das Niederdeutsche begeistern.

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09. Dezember 2009, 12:03 Uhr

Flensburg | Robert Langhanke ist die neue und erste "Lehrkraft für besondere Aufgaben für niederdeutsche Sprache und Kultur" an der Universität Flensburg. Eine Stelle, die in dieser Form zuvor nicht ausgeschrieben worden war. Sein Ziel: "eine auf wissenschaftlicher Forschung basierende Lehre des Niederdeutschen". "Für norddeutsche Universitäten ist es immer wichtig, Themen aus der niederdeutschen Philologie zu behandeln - allein wegen des engen regionalen Bezugs", sagt Langhanke. Die Einrichtung der Niederdeutsch-Stelle sei zudem ein Signal für die verbesserte Ausstattung der Uni, die das Institut für Germanistik lange gefordert habe, um den Zweig gleichrangig mit dem Friesischen werden zu lassen.

Der "regionale Bezug" komme natürlich daher, dass sich im hohen Norden viele mit dem Plattdeutschen auskennen, die Sprache oft von klein auf an gelernt haben. Robert Langhanke selbst ist damit kein Einzelfall - obgleich der neue Dozent nicht aus dem hohen Norden, sondern aus Detmold, Kreis Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen kommt. Dort werde fast gar nicht mehr Platt gesprochen - obwohl die ursprüngliche Grenze des Niederdeutschen noch weiter südlich liege, weiß der 29-jährige Sprachwissenschaftler. Dennoch kam er schon als Kind mit dem "Lippischen Platt" in Berührung: bei Lesewettbewerben in der Schule. Auch durch Vater und Großmutter entstanden Berührungspunkte, so dass Langhanke während seines Deutsch- und Philosophie-Studiums an der Uni Münster seinen Schwerpunkt auf das Niederdeutsche legte. Was zuerst ungewöhnlich scheint, ist für ihn "spannend": "Mich reizt es, die Sprache unserer Vorfahren, also das, was unsere Region früher ausmachte, zu erforschen."
Von der Pflicht zur Kür
Seit 2007 ist Langhanke wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Kiel, an der er derzeit auch seine Doktorarbeit schreibt. Mit dem 1. November ist er nun ganz im Norden angekommen. "Die Stelle in Flensburg ist genau mein Ding. Ich kann mich intensiv mit dem Leben und der Forschung beschäftigen, denn hier wird Niederdeutsch ja noch relativ häufig gesprochen." So hofft er auch, seine eigenen Sprachkenntnisse deutlich erweitern zu können.

Bisher waren Niederdeutsch-Kurse an der Uni Flensburg nur verpflichtend im ersten Germanistik-Semester zu wählen. Ab dem Sommersemester 2010 wird sich das ändern: Dann können Studierende zum ersten Mal einen eigenen Platt-Schwerpunkt im Deutsch-Studium setzen. Ob die Nachfrage groß sein wird? Langhanke ist zuversichtlich: "Ich bin absolut optimistisch, dass die Flensburger Studenten an Niederdeutsch interessiert sind."
Zusammenarbeit mit Kiel
Derzeit studieren im ersten Semester über 150 Studenten Germanistik, Veranstaltungen im Niederdeutschen zu belegen ist Pflicht. "Ziel ist es, dass die Lehrer, die wir hier ausbilden, ihr Wissen in den Schulen weitergeben", sagt Langhanke. Thematische Schwerpunkte seien künftig die Vielfalt des niederdeutschen Raums zu erforschen, der Umgang mit niederdeutscher Literatur, das Kennenlernen der Sprachgeschichte des Niederdeutschen und die Einführung in das Niederdeutsche. Um die plattdeutsche Sprache an der Uni weiter zu stärken, werde zurzeit eine Kooperation mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vorbereitet: Beide Hochschulen wollen ihre Lehrveranstaltungen gegenseitig anrechnen.

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