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Elmshorner Nordakademie bessert Bologna-Kriterien nach

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2015 | 12:33 Uhr

Bologna, die Stadt mit der ältesten Universität Europas, im Juni 1999: Vertreter von 29 europäischen Ländern unterzeichnen die sogenannte Bologna-Erklärung. Damit wird ein zweistufiges Studiensystem (Bachelor und Master) beschlossen mit Leistungspunkten und vergleichbaren Abschlüssen für europäische Universitäten und Hochschulen. Das Ziel ist ein einheitlicher europäischer Hochschulraum mit ebenso einheitlichen Kriterien für die Anerkennung von Studienleistungen. Damit verbunden sein soll die Integration von überfachlichen Qualifikationen wie wissenschaftliche Befähigung, zivilgesellschaftliches Engagement, Persönlichkeitsentwicklung und Berufsbefähigung (Employability).

Aber: Was bis heute fehlt, sind verhaltensnahe Definitionen dafür. Aktuell legen Hochschulen in ihren Studiengängen diese Kriterien uneinheitlich aus. „Vergleiche sind jedoch für die Hochschulentwicklung besonders wichtig, denn daran können sich die Institutionen messen“, sagt David Scheffer, Professor für Personalmanagement an der Nordakademie Elmshorn.

Ein Forschungsteam der Nordakademie unter Leitung von Prof. David Scheffer hat jetzt im Rahmen des jährlichen Assessment-Centers (AC) der Hochschule die fehlenden Kriterien der Berufsbefähigung der wissenschaftlichen Befähigung, des zivilgesellschaftlichen Engagements und der Persönlichkeitsentwicklung aufgegriffen und im Ansatz erarbeitet. „Es ist erstaunlich, dass es 16 Jahre lang so gut wie keine Versuche gab, diese Kriterien genau zu definieren. Es stellte sich für unser Team daher die Frage: Was bedeuten denn eigentlich diese Kriterien und wie kann eine Hochschule sie messen und für die Entwicklung der Studierenden und der Organisation verwenden?“, erklärt Scheffer.

Das seit 15 Jahren bestehende Assessment-Center an der Nordakademie, private Hochschule der Wirtschaft, ist soweit qualifiziert, dass es alle Bologna-Kriterien beurteilen kann. Das Kriterium der Berufsbefähigung war schon immer der Kern der ganzheitlichen Kompetenzdiagnostik des AC. Denn die Übungen des AC sind realitätsnahe Herausforderungen, die in der Praxis häufig vorkommen, wie beispielsweise Präsentationen, Verhandlungen, Produktentwicklungen etc.. Aufgrund der großen Erfahrung der Beurteiler aus den Partnerunternehmen der Nordakademie kann daher die berufliche Befähigung sehr valide eingeschätzt werden. Hierzu gehören auch die Fähigkeit, die Aufgabenstellung präzise zu erkennen und fachkundig und Einsatz geeigneter Methoden zu erfüllen, aber auch sogenannte „Soft Skills“ wie die angemessen Durchsetzungs- und Kooperationsfähigkeit.

Die anderen drei Kriterien wissenschaftliche Befähigung, zivilgesellschaftliches Engagement und Persönlichkeitsentwicklung mussten dagegen neu definiert werden. Den Begriff wissenschaftliche Befähigung bestimmte das Team der Nordakademie als die Kompetenz, Problemstellungen präzise zu erkennen und zu definieren, um diese dann methodisch, logisch, systematisch und nachvollziehbar zu lösen. Wissenschaftliche Befähigung wurde also nicht als eine hochakademische Spezialisierung definiert, die sich quasi nur unter Laborbedingungen entfalten kann, sondern als eine lebenspraktische Kompetenz, die in der Praxis Probleme erkennt und löst, jedoch nicht „aus dem Bauch“ heraus, sondern methodisch und systematisch.

Zivilgesellschaftliches Engagement definierte das Team um Scheffer als die Kompetenz, soziale Aspekte als wichtig für das gedeihliche Zusammenleben zu erkennen und sich in gesellschaftliche Entwicklungen und Diskurse aktiv und mit Begeisterung einzubringen, um diese positiv und wertebezogen zu beeinflussen, als eine reflektierte Einmischung in soziale Interaktionen, um diese positiv zu entwickeln, besonders in kritischen Situationen. Persönlichkeitsentwicklung definieren die Wissenschaftler als Kompetenz, sich selbst immer besser einzuschätzen und sich zu reflektieren, Kritik anzunehmen und konstruktiv zu nutzen, dabei aber sich selbst treu zu bleiben und die eigene Persönlichkeit authentisch zu leben.

„Jetzt sind weitere Forschungen nötig, um Messungen der Bologna-Kriterien, die für die Hochschulentwicklung wichtig sind, zu optimieren“, meint Prof. David Scheffer.



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