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Vertrag, Vergütung, Verpflichtungen? : Die häufigsten Fragen von Azubis

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Wenn für zehntausende Jugendliche die Ausbildung in ihrem Lehrberuf beginnt, stehen sie vor ganz neuen Aufgaben und Herausforderungen. Da ist es wichtig, seine Rechte, aber auch Pflichten zu kennen. Hier die wichtigsten im Überblick.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2013 | 10:46 Uhr

Wann erhalte ich einen Lehrvertrag?
Gleich zu Beginn der Berufs-Ausbildung. Azubi/Azubine und Ausbildungsbetrieb unterzeichnen diesen Vertrag. Bei noch nicht volljährigen Jugendlichen müssen zudem auch die Eltern unterschreiben.
Was steht denn in diesem Vertrag?
Er sollte folgende Aspekte klar benennen:
- Ziel und Gliederung der Ausbildung und den angestrebten Beruf.
- Starttermin, Dauer und Ort der Lehre sowie die tägliche Arbeitszeit.
- All jene Ausbildungsanteile, die der Unterricht an einer Berufsschule vermitteln soll.
- Fehlen dürfen auch nicht die Angaben zur Länge der Probezeit (minimal ein Monat, maximal vier Monate), zur Vergütung, über die Zahl der Urlaubstage und Fragen zur Kündigung sowie Tarif- und Betriebsvereinbarungen.
Erhalte ich auch ein Lehrlingsgeld?
Selbstverständlich. Die sogenannte Ausbildungsvergütung ist gesetzlich vorgeschrieben. Azubis müssen laut § 17 Berufsbildungsgesetz eine angemessene Ausbildungsvergütung erhalten, die mit den Lehrjahren ansteigt. Ein Richtwert: 2008 betrug sie im Bundesdurchschnitt 642 Euro im Monat. Die Vergütung wird bei den meisten Auszubildenden durch Tarifverträge
festgelegt, welche die Arbeitgeber mit den Gewerkschaften - zum Beispiel der IG Metall - abschließen.
Und wenn es keinen Tarifvertrag gibt?
Wenn kein Tarifvertrag für einen Azubi gilt und auch für die Branche kein Tarifvertrag existiert, legen die zuständigen Kammern, zum Beispiel die IHK, Ausbildungsvergütungen fest, die als Richtwerte gelten. In diesem Fall kann man bei der zuständigen Stelle - zum Beispiel bei der IHK - nachfragen, wie hoch der Richtwert für die Ausbildungsvergütung ist.
Darf man mir Überstunden "aufbrummen"?
Nein. Einzige Ausnahme sind absolute Notfälle! Dann kann der Arbeitgeber Überstunden anordnen. Fehlendes Personal gilt nicht als Notfall. Allerdings ist es auch nicht ratsam, quasi mit der "Stechuhr" die Arbeit zu beenden. Gelegentliche Mehrarbeit zeugt auch vom Engagement des Azubis. Allerdings gelten für Azubis gesetzliche Höchstarbeitszeiten: Für Minderjährige gilt laut Jugendarbeitsschutzgesetz eine maximale Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche, bei Volljährigen laut Arbeitszeitgesetz eine maximale Arbeitszeit von regelmäßig 48 Stunden wöchentlich.
Darf ich auch Urlaub nehmen?
Selbstverständlich. Der Urlaubsanspruch richtet sich aber nach dem Alter des auszubildenden. Laut § 19 Jugendarbeitsschutzgesetz haben Minderjährige folgenden Urlaubs-Anspruch:
- Mindestens 30 Werktage, wenn der Azubi zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 ist;
- mindestens 27 Werktage, wenn er zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 ist;
- mindestens 25 Werktage, wenn der Lehrling zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 ist.
- für Volljährige Azubis gilt ein Mindesturlaubsanspruch von 24 Werktagen.
Aufgepasst: Wird der Urlaubsanspruch im Arbeitsvertrag in Arbeitstagen angegeben, so gelten folgende Umrechnungen:
25 Arbeitstage = 30 Werktage
23 Arbeitstage = 27 Werktage
21 Arbeitstage = 25 Werktage
(Zur Erklärung: Werktage sind alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder Feiertage sind. Das bedeutet, dass für eine volle Woche Urlaub sechs Werktage benötigt werden, da der Samstag mitgerechnet wird.)
Darf mir mein Ausbilder jegliche Arbeit aufbürden?
Nein. Während der Lehre müssen Jugendliche nur Aufgaben übernehmen, die dem vereinbarten Inhalt der Ausbildung entsprechen. So genannte ausbildungsferne Aufgaben können Azubis ablehnen. Allerdings ist hier Feingefühl gefragt, denn Ausbilder prüfen damit gern Motivation und Teamfähigkeit. Vom Kaffeekochen oder Ausfegen der Werkstatt ist noch kein Lehrling zusammengebrochen.
Was geschieht mit mir, wenn mein Ausbildungsbetrieb pleite macht?
Muss eine Firma Insolvenz anmelden, darf sie ihre Lehrlinge nicht einfach entlassen. Das ist nur erlaubt, wenn der Ausbildungsbetrieb völlig stillgelegt wird. Aber nur dann besteht ein besonderes Kündigungsrecht durch den Insolvenzverwalter.
Übrigens sind Auszubildende grundsätzlich von Kurzarbeit ausgenommen und bekommen auch kein Kurzarbeitergeld. Droht Insolvenz, dann bitte so früh wie möglich bei der regionalen Agentur für Arbeit vorsprechen und nach einem alternativen Lehrbetrieb erkundigen.

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