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Im Interview : „Das persönliche Engagement der Handwerker macht den Unterschied“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fragen an den Experten für Berufsbildung Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft

shz.de von
erstellt am 21.09.2013 | 05:00 Uhr

Das deutsche Ausbildungssystem genießt hohes Ansehen. Welche Vorteile sprechen für eine duale Berufsausbildung?
Durch die Kombination aus praktischer Tätigkeit im Betrieb und theoretischem Wissenserwerb eignen sich Auszubildende wertvolle Berufserfahrung an. Damit können sie direkt nach dem Abschluss verantwortungsvolle Tätigkeiten übernehmen. Zudem orientiert sich die duale Berufsausbildung am Personalbedarf der Unternehmen. Es werden also vor allem dort Ausbildungsplätze angeboten, wo Beschäftigungsbedarf besteht. Deutschland hat im internationalen Vergleich eine sehr niedrige Jugendarbeitslosigkeit, weswegen aktuell viele der südeuropäischen Länder prüfen, wie sie das duale Prinzip in ihrem Berufsbildungssystem stärken können.

Hierzulande ist dagegen eher der Fachkräftemangel ein Thema. Wie können Betriebe dem Nachwuchsmangel entgegentreten?
Nachwuchssicherung ist für viele Betriebe ein zentrales Thema. Vor allem in technischen Berufen sind zunehmende Personalengpässe zu erwarten. Um dem entgegen zu wirken, sollten betriebsnahe Berufsorientierung und Praktika weiter ausgebaut werden. Hier sind neben den Betrieben vor allem die Schulen stärker gefordert, Ausbildungsreife und Berufsorientierung zu stärken.

Ausbildungsreife ist ein gutes Stichwort. Wie sieht es mit Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten aus? Werden ihnen ausreichend Möglichkeiten und Chancen geboten?
Gerade das Handwerk bietet auch bildungsfernen Jugendlichen die Möglichkeit zum Berufseinstieg und ermöglicht ihnen den Aufstieg durch Aus- und Weiterbildung. Über die vielfältigen Fortbildungsangebote steht ihnen der Weg in die Selbstständigkeit, aber auch bis zur Hochschule offen. Durch das Angebot von Einstiegsqualifizierungen und die Entwicklung von Qualifizierungsbausteinen trägt das Handwerk zur Integration leistungsschwächerer Jugendlicher bei. Doch die wichtigste Rolle spielt das persönliche Engagement der vielen ausbildenden Handwerker, die mit großem Einsatz Jugendliche für die Ausbildung begeistern und erfolgreich zur Gesellenprüfung führen.

Wie fördert das Handwerk den Werdegang seiner Beschäftigten während und nach der Ausbildung?
Seit 2007 beschreibt das Berufslaufbahnkonzept des Handwerks attraktive Karrierewege für alle Gewerke. Besonders positiv: Aus- und Weiterbildung bauen systematisch aufeinander auf und schaffen so berufliche Perspektiven bis hin zur Selbstständigkeit. Ein gutes Beispiel ist die Kfz- und Fahrzeugtechnikbranche, die vom Kfz-Mechatroniker und Kfz- Servicetechniker bis hin zum Kfz-Technikmeister und Betriebswirt des Handwerks unterschiedliche Berufslaufbahnen anbietet.

Das Handwerk selbst hat sich „Zukunft kommt von Können“ auf die Fahne geschrieben. Was sagen Sie als Experte für berufliche Bildung dazu - ist handwerkliches Können die Basis für eine erfolgreiche berufliche Zukunft?
Handwerkliches Können wird auch in Zukunft einen hohen Stellenwert haben. Hand in Hand mit der Industrie und der hohen Dienstleistungsorientierung wird das Handwerk weiterhin zum Erfolg des deutschen Geschäftsmodells beitragen. Denn die Kombination aus technologischem Potenzial und Kundenorientierung sowie internationaler Wettbewerbsfähigkeit und handwerklicher Präsenz vor Ort sichert die zukünftigen Märkte im In- und Ausland – und damit auch die Beschäftigung für Fachkräfte.
 

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