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Blind und mobil: Täglich drei Stunden im Bus unterwegs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 01.Nov.2014 | 04:16 Uhr

Morgens um vier klingelt bei Jacqueline Thiele aus Flensburg der Wecker. Früh macht sich die Verwaltungsangestellte auf den Weg zur Arbeit, pendelt täglich mit dem Bus zu ihrem Arbeitsplatz im Landesförderzentrum Sehen in Schleswig. 90 Minuten hin, 90 Minuten zurück. „Das nehme ich gerne in Kauf. Ich bin so froh, nach zehn Jahren ohne Job endlich wieder Arbeit zu haben“, sagt die 32-Jährige.

Das Besondere: Jacqueline Thiele ist von Geburt an blind. Was für Sehende eine Selbstverständlichkeit ist – zum ZOB laufen, die Bus-Linie auswählen, warten, einsteigen – muss sie trainieren. Zur Seite steht ihr dabei die Mobilitätstrainerin Margarete Neuhaus. „In Flensburg selbst kam Frau Thiele ja schon gut zurecht. Wir haben vor allem am ZOB gearbeitet“, erzählt Neuhaus. Stück für Stück lernte die gebürtige Brandenburgerin, die Fahrspuren zu überqueren und mit den Busfahrern zu kommunizieren. Mittlerweile, Thiele arbeitet seit Mai letzten Jahres in Schleswig, hat sie auch die alternative Zugverbindung trainiert. „Das macht mich flexibler in der Gestaltung meiner Arbeitszeit“, sagt sie.

An ihrem Arbeitsplatz erstellt sie Unterrichtsmaterialen für sehgeschädigte Schüler, wandelt Buchtexte in Dateien oder Blindenschrift um. Denn: Das Landesförderzentrum Sehen (LFS) fördert die Inklusion junger Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit in ganz Schleswig-Holstein.

„Seit mehr als 30 Jahren unterstützten wir Sehgeschädigte von frühster Kindheit an bis zum Abschluss ihrer Ausbildung“, berichtet dessen Leiter Josef Adrian. Die Lehrkräfte des LFS arbeiten meist direkt vor Ort in den Schulen, die ihre Schüler besuchen. Mit ihrer Unterstützung und zusätzlichen Angeboten in Schleswig können sehgeschädigte Kinder und Jugendliche jeden möglichen Schulabschluss erreichen und beruflich Fuß fassen. „Mehr als 100 Berufsbilder sind möglich“, unterstreicht Adrian.
Für ihn war es im vergangenen Jahr selbstverständlich, dass die freie Stelle in der Verwaltung mit Jacqueline Thiele besetzt wurde. „Frau Thiele ist fachlich geeignet, steht mitten im Leben, ist selbstständig und selbstbewusst. Es wäre schön, wenn es auch für andere Arbeitgeber alltäglicher wird, Menschen mit Behinderung auszubilden und zu beschäftigen“, sagt Adrian nachdenklich.

Dem kann Dorit Schmidt nur zustimmen. Als Beraterin für Schwerbehinderte und Rehabilitanden in der Agentur für Arbeit Flensburg freut sie sich immer, wenn behinderte Menschen eine Chance auf Teilhabe am Arbeitsleben bekommen. „Das Beispiel von Frau Thiele zeigt, wie leistungsbereit und leistungsfähig behinderte Menschen sind“, betont sie. Darüber hinaus gebe es finanzielle Hilfen, die zusätzliche Kosten der Betriebe ausgleichen.

Kontakt für interessierte Arbeitgeber: Agentur für Arbeit Flensburg, Team Rehabilitanden und Schwerbehinderte
E-Mail: Flensburg.Reha@arbeitsagentur.de, Servicenummer für Arbeitgeber: 0800 4 5555 20


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