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Ausbildungsplatz 2016 : Tipps vom Berufsberater: Das sollten Jugendliche beachten

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Berufsfindungsphase ist für viele Jugendliche eine entscheidende Zeit, immerhin sollen die Weichen für die berufliche Zukunft gestellt werden. Worauf es dabei ankommt, berichtet ein Berufsberater im shz.de-Interview.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2016 | 05:45 Uhr

Spätestens mit den Halbjahreszeugnissen im Winter sollten sich Jugendliche, die im Sommer die Schule verlassen, für einen Ausbildungsplatz im Sommer bewerben. Ein fester Fixpunkt dafür ist häufig das erste Gespräch mit einem Berufsberater. Was ist von solch einem Termin zu erwarten? Und worauf kommt es bei der Berufswahl tatsächlich an? shz.de sprach darüber und anderen Themen mit Jens-Uwe Mentz von der Arbeitsagentur Rendsburg.

Herr Mentz, vor der ersten Bewerbung für einen Ausbildungsplatz steht die Berufswahl. Haben Jugendliche, die zum ersten Mal zu Ihnen kommen, mehrheitlich konkrete Vorstellungen von der beruflichen Zukunft oder sind sie eher ahnungslos, wohin die Reise gehen soll?

Komplett ahnungslos ist wirklich niemand, auch wenn es manchmal zu Beginn eines Beratungsgespräches behauptet wird. Die Mehrheit hat tatsächlich Vorstellungen von der persönlichen beruflichen Zukunft, bei der Konkretisierung sind Unterschiede erkennbar. Und zwar unabhängig vom Alter und vom Schulabschluss.

Welche Rolle sollten die Eltern spielen?

Eltern sind mit großem Abstand die wichtigsten Personen bei der Berufswahl - das ist wissenschaftlich belegt. Idealerweise greifen sie dann unterstützend in allen Phasen des Berufswahlprozesses ein, wenn sie feststellen, dass „etwas schiefgehen könnte“. Diese sehr individuelle und manchmal subjektiv gesteuerte Vorgehensweise ist beispielsweise auch abhängig von der Eigeninitiative des Kindes. Die Intensität der Unterstützung sollte situationsangemessen sein. Manchmal geht es nicht anders, da kommen die wesentlichen Impulse durch die Eltern.

Weitere einflussreiche Personen im Umfeld der Berufsstarter sind Lehrkräfte, Trainer, Verwandte, Freunde, Mannschaftsangehörige und vergleichbare Personen. Diese Aufzählung ist nicht vollständig!

Sind Sie als Berufsberater eigentlich für alle Berufe der richtige Ansprechpartner? Einige Arbeitgeber, etwa die Bundeswehr, haben ja auch eigene Ausbildungs- oder Karriereberater für Interessierte.

Jens-Uwe Mentz
Jens-Uwe Mentz

Berufsberater sind die neutrale Anlaufstelle bei der Berufswahl. Und verfügen über ein umfangreiches Medienangebot wie etwa „BerufeTV“, „BerufeNet“, „planet-beruf.de“ , mit dem sehr viele Fragen kompetent beantwortet werden können.  Aber Berufsberater sind nicht  allwissend und unsere Möglichkeiten der Informationseinholung nicht unbegrenzt. Deshalb ist es selbstverständlich, dass beispielsweise  bei Fragen nach Möglichkeiten bei der Bundeswehr auf die Karriereberatung der Streitkräfte verwiesen wird. Dort sind wesentlich aktuellere und umfassendere Informationen erhältlich.

In Rendsburg beispielsweise hat die Karriereberatung ein Büro im Gebäude der Agentur für Arbeit, praktischerweise zwei Türen von meinem Büro entfernt.  Das ist auch für mich vorteilhaft. Auch bei anderen „Spezialfragen“ nutzen wir unsere Netzwerke und können dadurch Hinweise zur gezielteren Informationseinholung geben.

Was halten Sie von Ausbildungsmessen und können Sie bestimmte Veranstaltungen besonders empfehlen?

Ich halte viel von regionalen Ausbildungsmessen als unkomplizierte Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zwischen den Ausbildungsinter-essierten und den Ausbildungsbetrieben.  Als Beispiel nenne ich die „BIB“ in Rendsburg, eine Berufsinformationsbörse, die seit vielen Jahren durch engagierte Menschen weitgehend ehrenamtlich organisiert wird – solche und vergleichbare Veranstaltungen gibt es auch an vielen anderen Orten. 

An dieser Stelle möchte ich auf die vielen themenspezifischen Veranstaltungen in den Berufsinformationszentren  der Agenturen für Arbeit hinweisen, die leicht erreichbar aktuelle und vertiefende Informationen für daran Interessierte anbieten.

Werden Ihnen eigentlich häufig „blöde Fragen“ gestellt – oder gibt es die gar nicht?

Der einzige, der sich im Berufsberatungsgespräch blamieren kann, ist der Berufsberater.

Was sagen Sie einem Jugendlichen, der in Ihre Beratung kommt und als Berufswunsch „Popstar“ angibt? Nehmen Sie ihm gleich den Wind aus den Segeln oder ist etwas Träumen erlaubt?

Berufsberater haben sehr gute Informationsmöglichkeiten und Medien, um auch zu diesem Thema Informationen möglichst zielgruppengerecht weitergeben zu können. Die möglichen Wege zum Popstar können aufgezeigt werden und es wird über geforderte Voraussetzungen und vorhandene Risiken informiert. Träumen ist erlaubt. Meine Erfahrung ist, dass im Beratungsgespräch auch durch den angehenden Popstar selbst nach durchaus „bodenständigeren“ Alternativen gefragt wird.

Was können Jugendliche vor einem Beratungstermin tun? Etwas Vorbereitung kann ja sicher nicht schaden, oder?

Da bin ich flexibel. Aber es stimmt: Der Einstieg ins Gespräch fällt leichter, wenn schon Vorstellungen über Berufe oder schulische Wege vorhanden sind. Und es gibt sie wirklich: Junge Menschen, die genau wissen, was sie wollen und wie sie das realisieren können – und auch die notwendigen Voraussetzungen dazu mitbringen. Darauf angesprochen, ist die Antwort häufig: ’Ich wollte auch Ihre Meinung dazu hören.’ Das sind tolle Momente im Berufsberaterleben…

Wo sehen Sie denn die Hauptschwierigkeit für Jugendliche? Was ist der häufigste Fehler?

Hauptschwierigkeit: Die verfügbaren Informationen richtig einzuordnen und zu gewichten, um dann eine da-raus resultierende Entscheidung zu treffen. Je länger ich als Berufsberater tätig bin, desto klarer wird mir der Begriff „Information overload“, der mir während des Studiums noch sehr abstrakt und theoretisch vorkam. Häufigster Fehler aus berufsberaterischer  Sicht: Sich zu früh für einen bekannten – und erhofft bequemen – Weg zu entscheiden.

Sie persönlich sind jetzt ja schon einige Jahre im Arbeitsleben. Waren Sie als Jugendlicher auch einmal bei einer Berufsberatung – und wenn ja, hat diese Ihnen weitergeholfen?

An dieser Stelle kann ich dann die vorherige Frage ergänzen: Ich war als Realschüler bei der Berufsberatung und bin dann entgegen der Hinweise des Berufsberaters den bekannten und bequemen Weg gegangen: Weiter zur Schule. Nach dem Abitur bin ich zwei Jahre zur Bundeswehr gegangen und danach wieder zur Berufsberatung, über die ich auch die Anschrift meines Ausbildungsbetriebes im Großhandel erhielt. Was hier bekannt und bequem war: Mein Ausbilder und ich waren beide auf der gleichen Schule  und kannten uns auch aus der Handballschulmannschaft. Die Ausbildung allerdings war klasse und ich war einer der Prüfungsbesten. Aber eine gut durchdachte Entscheidung für den am besten zu mir passenden Beruf war das natürlich nicht.

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen bei der Berufswahl ist einer meiner oft genutzten persönlichen Hinweise: „Seid nicht so faul und so bequem wie euer Berufsberater es in Eurer Situation war.“

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