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Studium: Triales Modell : Über drei Ecken zum Beruf

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neues triales Modell für Industriekaufleute: Abiturientin arbeitet in Marne, geht in in Itzehoe zur Berufsschule und studiert in Heide

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 10:33 Uhr

Post holen, die Kasse zählen und Rechnungen schreiben – seit einem Monat arbeitet Sabrina Schüßler in der Dithmarscher Brauerei in Marne und von Anfang an war ihr klar: „Das ist jetzt mein Job“. Nach der Schule hat sich die Abiturientin eine besondere Ausbildung ausgesucht. Sie lernt trial und spart damit bis zu zwei Jahre Ausbildungszeit – einen Job für die Semesterferien gleich inklusive.

Bei einer Recherche im Internet stieß die Berufseinsteigerin auf die neue Ausbildungsform, die in diesem Jahr erstmals in Kooperation mit der Fachhochschule Westküste in Heide und dem Regionalen Berufsbildungszentrum im Kreis Steinburg (RBZ) angeboten wird. Und sie dachte: „Das probiere ich aus“. Innerhalb von zwei Jahren möchte Sabrina Schüßler nun einen europaweit anerkannten IHK-Abschluss als Industriekauffrau erwerben und zwei Jahre später den Bachelor of Arts in Betriebswirtschaft – die Kooperation zwischen Berufschule, Betrieb und Fachhochschule macht den Schnelldurchlauf möglich. Bereits in den ersten zwei Ausbildungsjahren erwartet Schüßler am RBZ Fachhochschulstoff aus den ersten beiden Semestern eines regulären FH-Studiums.

„Viele BWLer machen vorher eine Ausbildung. Das triale Modell verbindet, macht diesen Weg kompakter und schneller“, erklärt der Prokurist der Dithmarscher Brauerei, Stephan Hansen.

Er habe bislang auch nur Gutes gehört, im Steuer- und Bankwesen sei der triale Ansatz seit Jahren ein gängiges Modell. „Wir versprechen uns auch, dass unsere Auszubildenden später in den Semesterferien weiter hier arbeiten“, nennt er einen Vorteil, von dem sowohl der Betrieb als auch die Auszubildende und spätere Studentin profitieren.

Gleichzeitig bedeutet das triale Modell für die Brauerei, die jährlich einen neuen Auszubildenden einstellt, zunächst auch eine Umstellung: „Man hat die Azubis nicht mehr so verfügbar wie bisher“, erklärt Ausbilderin Andrea Dohrn. Sie weiß: Im kommenden Monat fährt Sabrina Schüßler zum Blockunterricht nach Itzehoe, erst vier Wochen später kommt sie wieder in den Betrieb. Als Auszubildende wird sie dennoch alle Abteilungen kennenlernen, vom Rechnungswesen bis zum Controlling, versichert ihre Ausbilderin.

„Trial statt dual – das wird ein Trend, dem können wir uns nicht verwehren“, sagt auch Klaus-Peter Teske, Schulleiter des RBZ. Neun feste und eventuell eine zehnte Anmeldung sind bei ihm für das neue triale Modell eingegangen, in dem er eine Aufwertung des Schulprofils sieht. „Wir werden uns in der beruflichen Ausbildung insgesamt dahin entwickeln“, sagt er. Die Unis seien voll, es gebe einen Verdrängungswettbewerb in die Ausbildungsgänge. Darauf müsse die Berufsschule mit Angeboten reagieren, die gerade auch leistungsstärkeren Schulabgängern neue Anreize böten.

Seine Schule fährt außerdem weiterhin das herkömmliche Ausbildungsmodell. Am RBZ lernen derzeit rund 1000 Vollzeitschüler, 2400 Teilzeitschüler mit Ausbildungsvertrag und etwa 200 Schüler mit Berufsschulpflicht. Die Zahlen schwanken. Nicht immer melden sich Jugendliche ab, die im Prozess der Ausbildungs- oder Studienwahl anderswo unterkommen konnten, andere kommen mit späterem Ausbildungsbeginn später dazu, so der Schulleiter. Im Kreis Steinburg hat er jeden einzelnen Schulabgänger namentlich mit Adresse im Blick. „Da sind wir ein Musterkreis. Die Schulen hier nutzen ein einheitliches EDV-System und geben die Daten weiter“, erklärt Teske. Rund 1500 Schüler werden in dieser Woche am RBZ neu eingeschult – darunter Sabrina Schüßler. „Ich denke es wird anstrengend, weil sich die Ausbildungszeit verkürzt“, sagt sie und freut sich gleichzeitig auf den Blockunterricht und den damit verbundenen Wechsel zwischen Theorie und Praxis.

 

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