Interview : Persönliche Talente in der Berufswahl berücksichtigen

<p>Leseratten zum Beispiel können ihr Hobby zum Beruf machen und eine Ausbildung als Buchhändler/in in einer Buchhandlung in Betracht ziehen.<strong> </strong></p>

Leseratten zum Beispiel können ihr Hobby zum Beruf machen und eine Ausbildung als Buchhändler/in in einer Buchhandlung in Betracht ziehen.

Kerstin Harms von der Arbeitsagentur und Stefan Stolzenberger vom Jobcenter sprechen im Interview über berufliche Chancen und die Rolle der Eltern bei der Berufswahl.

shz.de von
18. Juli 2018, 04:05 Uhr

Welchen Stellenwert hat die Berufsberatung generell?

Harms: Es gibt einen schönen Satz: Wer einen Beruf hat, den er liebt, muss nie wieder arbeiten. Beruf ist gleich Berufung? So sollte es sein. Die Berufswahl ist ein wichtiger Prozess im Leben eines jungen Menschen und bei diesem möchte die Berufsberatung die Jugendlichen gerne unterstützen. Bei über 380 anerkannten Ausbildungsberufen und über 17. 000 Studiengängen ist es wichtig, einen Partner an der Seite zu haben, der sich auf dem Ausbildungs- und Studienmarkt auskennt und beim Sortieren der eigenen Ideen hilft sowie einen Überblick über die Berufswelt gibt. Häufig konzentrieren sich Jugendliche nur auf wenige bekannte Berufe, wir zeigen dann auch Alternativen auf. Wer sich breiter aufstellt, hat bessere Chancen, einen passenden Ausbildungs- oder Studienplatz zu finden. Zur Unterstützung bieten wir auch Stärken- und Interessentests an. In den Einzelgesprächen sind wir den Jugendlichen dann beim Entdecken der eigenen Wünsche und Talente behilflich, berücksichtigen aber auch Aspekte, die im Beruf eher hinderlich sind. Neben den Terminen in der Arbeitsagentur, bieten wir zusätzlich noch in allen weiterführenden Schulen Berufsorientierung und Schulsprechstunden an.
 

Lassen sich Jugendliche mit schwierigen Startchancen auch am Arbeitsmarkt vermitteln?

Stolzenberger:
Ja. Sehr viele Arbeitgeber im Kreis Steinburg sind sozial eingestellt. Jeder Jugendliche erhält hier seine Chance. Die meisten Maßnahmen bei Arbeitgebern beginnen mit einem Betriebspraktikum – zum besseren Kennenlernen. Wenn Jugendliche dann die Chance bekommen und sie intensiv genutzt haben, eröffnen sich meist gute Chancen für dauerhafte Integration. Wir begleiten sie während der Ausbildung. Wer nicht mitmacht, könnte auch sanktioniert werden, aber wir setzen verstärkt auf Motivation.
 

Kerstin Harms und Stefan Stolzenberger haben sich die Beratung von Jugendlichen zur Aufgabe gemacht.
Rosenburg
Kerstin Harms und Stefan Stolzenberger haben sich die Beratung von Jugendlichen zur Aufgabe gemacht.


Dann ist es im Grunde auch jedem möglich, einen höheren Bildungsabschluss zu erwerben?

Harms:
Das deutsche Bildungssystem ist zum Glück komplett durchlässig. Es gibt keine Sackgassen und auch „Spätzündern“ stehen alle Bildungswege nach oben offen. Ich kann über einen ersten allgemeinen Schulabschluss (ehemals HSA) bis zur Fachhochschulreife oder gar bis zum Abitur kommen und dann studieren. Es ist in Deutschland auch möglich, über Ausbildung und mehrjährige Berufstätigkeit einen Hochschulzugang zu erwerben. Die Möglichkeiten der berufsbegleitenden Weiterqualifizierung sind auch sehr vielfältig. Wir beraten und begleiten jeden, der hier Fragen hat. Was viele auch nicht wissen: Es gibt sogar Stipendien für Kinder, die als Erste in der Familie studieren – deren Eltern und Geschwister also keinen akademischen Abschluss haben.
 

Welche Rolle spielen die Eltern dabei?

Harms: Eltern sind die wichtigsten Begleiter in der Berufswahl. Deshalb versuchen wir Berufsberater, auch die Eltern mit ins Boot zu holen. Nur gut informierte Eltern sind gute Berater und Begleiter. Wir bieten Elterninformationsabende an und auch die Eltern sind herzlich eingeladen, die Messen zu besuchen und sich zu informieren. Da erfahren sie dann zum Beispiel, dass in Deutschland seit Jahren im Bachelor-Master-System studiert wird und dass diese Abschlüsse sowohl an Uni als auch FH vergeben werden und absolut gleichwertig sind. Sie erfahren, dass man inhaltlich anders studiert und die Kunst darin besteht, herauszufinden, welcher Studiertyp man ist: eher der Praktiker oder gerne der wissenschaftlich-theoretisch arbeitende Mensch. Eltern erfahren dann auch, dass es besser sein kann, das Kind mit einem guten bis befriedigenden Schulabschluss nach Klasse 10 oder auch 9 eine Ausbildung absolvieren zu lassen, weil es auch einfach „schulmüde“ ist. Teilweise erwirbt man mit der Ausbildung gleichzeitig auch einen höheren Schulabschluss. Das ist oft nicht bekannt.

Stolzenberger: Eltern sind ein wichtiger Begleiter und Ratgeber im Prozess der Berufswahl junger Menschen. Uns ist es wichtig, Eltern diese Bedeutung zu vermitteln und auch zwischen Eltern und Jugendlichen zu vermitteln. Es geht nur miteinander nicht gegeneinander. Daher ist uns im Jobcenter die Beteiligung der Eltern sehr wichtig.
 

Info: Am 21. September 2018 findet die Berufsmesse AzubIZ in Itzehoe statt. Mehr zur Ausbildungsmesse unter azubiz.info

Was: Berufsinformationsmesse über Ausbildung und Studium
Wann: 21. September 2018
Wo: Regionales Berufsbildungszentrum Steinburg in Itzehoe, Juliengardeweg 9-13, 25524 Itzehoe
Geeignet für: Schüler, die kurz vor ihrem Schulabschluss stehen
Eintritt: Kostenlos

Jetzt die Chance nutzen und einen Termin mit Unternehmen auf der Messe vereinbaren:

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen