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Ausbildungsmarkt : Mit Ködern auf Lehrlingssuche

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Auf Deutschlands Arbeitsmarkt wird der Kampf um geeignete Auszubildende immer schärfer geführt

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2014 | 09:43 Uhr

Der robuste Arbeitsmarkt hat die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland auf den zweithöchsten Stand seit der Wiedervereinigung getrieben. Im zweiten Quartal hatten nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes rund 42,5 Millionen Menschen ihren Arbeitsort in Deutschland. Das war nach Angaben vom Donnerstag zugleich der höchste Wert für ein zweites Vierteljahr seit Anfang der 1990er Jahre – trotz des jüngsten Konjunkturdämpfers. Mehr Erwerbstätige zählten die Statistiker nach revidierten Daten nur im Schlussquartal 2013 mit 42,6 Millionen.

Dagegen spitzt sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt zu. Um an geeignete Bewerber zu kommen, setzt laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) inzwischen fast jeder zehnte Betrieb bei der Azubi-Suche auch auf materielle oder finanzielle Anreize – etwa Zuschüsse zum Nahverkehr oder zum Führerschein. „Goodies für Azubis“ könnten darüber hinaus Prämienzahlungen, Wohnungszuschüsse, Büchergeld oder Geld fürs Fitness-Studio sein. Manche Betriebe böten sogar ein Smartphone oder einen Dienstwagen. Mit gutem Grund: Einer Umfrage des DIHK zufolge blieben im vergangenen Jahr 80 000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Allein in Schleswig-Holstein waren es nach Angaben des Ausbildungsexperten bei der Industrie- und Handelskammer zu Kiel, Hans Joachim Beckers, 2500. Hätten in 2012 noch 19 Prozent der von der Kammer befragten Betriebe im Norden über freie Lehrstellen geklagt, waren es ihm zufolge im vergangenen Jahr bereits 23 Prozent. Für Ende Juli dieses Jahres zählte die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit in Kiel noch 5000 freie Stellen.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer zufolge werde weiter die mangelnde Ausbildungsreife von Schulabgängern beklagt. Die Unzufriedenheit der Betriebe über nicht ausreichende Mathe- und Deutschkenntnisse steige deutlich.

In diesem Jahr haben laut DIHK 53 000 junge Leute weniger die Schulen verlassen als im Vorjahr. Im Jahr 2025 werde es nochmals 120 000 weniger Schulabgänger geben als 2014: „Zusätzlich ist der Run auf die Hochschulen ungebrochen.“ 2013 hätten rund 507 000 junge Menschen ein Studium begonnen, ein Drittel mehr als noch zehn Jahre zuvor. Als Folge kämpfe bereits heute mehr als jeder zweite Betrieb mit rückläufigen Bewerberzahlen.   „Mein Appell an die Ausbildungsbetriebe: Geben Sie auch vermeintlich schwächeren Bewerbern eine Chance und nutzen Sie das Erfolgsmodell Einstiegsqualifizierung“, sagt hingegen Thomas Letixerant, Geschäftsführer der Regionaldirektion Nord, mit Blick auf die noch immer hohe Zahl unversorgter Bewerber. Denn dass Betriebe und junge Menschen nicht so recht zusammen finden, kann fatale Folgen haben, wie eine aktuelle Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt. Menschen, die in den ersten acht Jahren ihres Berufslebens bis auf wenige Tage immer eine Stelle hatten, waren im Schnitt auch in den 16 darauffolgenden Jahren höchstens einmal erwerbslos – dann für knapp vier Monate. Wer dagegen 20 Monate oder länger unter Jugendarbeitslosigkeit litt, suchte im späteren Erwerbsleben zusammengezählt fast 32 Monate lang vergeblich einen Arbeitsplatz.

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