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Verhalten in sozialen Netzwerken : Mein Profil auf Facebook: „Quantität durch Qualität ersetzen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wie verhält man sich richtig auf Facebook? Kann man die Plattform auch beruflich einsetzen? AzubIZ sprach mit der Unternehmensberaterin Martina Dressel.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2014 | 12:39 Uhr

AzubIZ: "Nutzt Du einen neuen Kommunikationskanal, beobachte zuerst und erkunde die grundlegenden Verhaltensregeln", heißt es auf einer Webseite zum Umgang in der digitalen Welt. Was kann man auf Sozialen Netzwerken wie Facebook beobachten?

Dressel: Die jeweiligen Motive, Facebook zu nutzen, sind äußerst vielfältig. Hält der eine mit seinen Freunden Kontakt, tauschen sich andere zu ihrem Hobby aus. Unternehmen verfolgen Marketing- und PR-Zwecke, wollen den Gedankenaustausch mit und innerhalb ihrer Auftraggeber und Geschäftspartner anregen. Die Aufzählung ließe sich weiter fortsetzen. Hinzu kommt: Facebook ist Treffpunkt mehrerer Generationen. Ihre jeweiligen Kommunikationsstile, Ansprüche und Erwartungen unterscheiden sich signifikant voneinander.

AzubIZ: Muss man sich als Nutzer dem dortigen Kommunikationsstil anpassen?

Dressel: Stellen Sie sich vor, Sie geben eine Party. Was erwarten Sie von Ihren Gästen? Wie wäre es, wenn ein oder mehrere Gäste sich auffällig anders aufführten als die meisten anderen? Nehmen wir zum Beispiel an, alle sind in bester Laune, lachen und scherzen. Nun kommen Gäste, die miese Stimmung verbreiten. Wie würden Sie sich als Gastgeber fühlen?
Mein Tipp: Man sollte anderen Personen gegenüber stets Wertschätzung und Respekt spüren lassen. Das gilt sowohl in virtuellen Netzwerken als auch im persönlichen Gespräch. In letzterem geben Ihnen nonverbale Signale wertvolle Orientierung, dazu zählen Mimik, Gestik und Körpersprache. Diese fehlen im Internet. Das bedeutet: Die Gefahr, beim Kommunizieren in ein Fettnäpfchen zu treten und dies, wenn überhaupt, zu spät zu bemerken, ist in der virtuellen Welt besonders hoch. Daher kann jeder, der die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht souverän beherrscht, wesentlich gelassener im Internet agieren.

AzubIZ: Der Tonfall auf Sozialen Netzwerken ist häufig recht locker. Wenn aber der Chef den Kontakt sucht, kann die flapsige Kommunikation fehl am Platz sein. Wie verhält man sich am besten, wenn der Vorgesetzte eine Freundschaftsanfrage absendet?

Dressel: In solchen Fällen sollte man sich fragen, welchen Zusatznutzen der Kontakt in Facebook über das hinaus generiert, was wir über Gespräche im Arbeitsumfeld erreichen? Woher nimmt der Chef die Ressourcen, mit mir zusätzlich auch noch über Facebook zu kommunizieren? Ist er ein kleines Kommunikations-Genie? Dann kann ich jubeln. Schließlich klagt die Mehrheit aller Führungskräfte über fehlende Zeit und Ruhe, persönliche Mitarbeitergespräche adäquat zu führen. Oder ist Facebook nur ein Substitut für fehlende Gespräche im Arbeitsumfeld? Dann Vorsicht!

Mein Tipp: Wer kann zur Freundschaftsanfrage seines Chefs einfach "Nein" sagen? Ich würde sie jedoch zum Anlass nehmen, die oben gestellten Fragen in Ruhe zu durchdenken. Abhängig davon, wie die Antworten ausfallen, besteht eine Option darin, die Anfrage zum Anlass zu nehmen, um sich zunächst zu einem persönlichen Gespräch zu verabreden.

AzubIZ: Soziale Netzwerke kann man auch zur Karriereplanung nutzen, zur Herstellung eines Kontaktes zum möglichen Arbeitgeber etwa. Wird das Potenzial von Facebook & Co. in diesem Zusammenhang unterschätzt?

Dressel: Wozu sollte man zur Karriereplanung soziale Netzwerke brauchen? Das kann man selbst viel besser. Man sollte zunächst sein Herz fragen - was bereitet mir Spaß und Freude? Dann den Kopf, damit der zustimmt. Von dem Geschwätz des Verstandes oder von einengenden Glaubenssätzen wie "Dafür bist Du ein zu kleines Licht", "Das schaffst Du nie" oder "Soll Arbeit auch noch Spaß machen?" sollte man sich nicht abhalten lassen. Und: Man sollte aufhören, andere zu kopieren. Wenn man etwas mit Leidenschaft tut, vergisst man sowohl die Zeit als auch den Schweiß, die und der es kostet, bis man auf dem Fachgebiet top oder zumindest auffallend gut ist. Andere spüren dieses Feuer und werden aufmerksam, sei es durch eigenes Erleben oder über Empfehlungen anderer. Genau dafür eignen sich virtuelle soziale Netzwerke hervorragend. Sich jedoch auf diesen Plattformen mehr oder weniger marktschreierisch "zu verkaufen", führt immer seltener zum Ziel. Weniger ist oft mehr. Man sollte Quantität durch Qualität ersetzen.
Mein Tipp: Unternehmen suchen aktuell händeringend Fachpersonal. Diese überprüfen, soweit es rechtliche Rahmenbedingungen zulassen, auch virtuelle soziale Netzwerke. Deshalb sollte man dafür sorgen, dass man dort auch als "Perle" erkannt wird. Nimmt ein Interessent Kontakt auf, sollte man vorbereitet sein und professionell reagieren anstatt zu enttäuschen.

Martina Dressel ist Gründerin und Inhaberin der Webgold Akademie, einer Agentur zur Weiterbildung und Beratung in der Online-Kommunikation mit Sitz in Freital bei Dresden. Die Unternehmensberaterin hat mehrere Fachbücher zum Thema veröffentlicht.
Internet: www.webgold.de
 

 

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