AzubIZ: berufliche Chancen : Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen

Für Agentur für Arbeit und Jobcenter begeisterte Unterstützer der Ausbildungsmesse: Kerstin Harms und Stefan Stolzenberger.
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Für Agentur für Arbeit und Jobcenter begeisterte Unterstützer der Ausbildungsmesse: Kerstin Harms und Stefan Stolzenberger.

Kerstin Harms von der Arbeitsagentur und Stefan Stolzenberger vom Jobcenter über berufliche Chancen und den Sinn der Ausbildungsmesse

shz.de von
05. September 2017, 17:42 Uhr

Die Vielfalt möglicher Berufswege zeigt die Ausbildungsmesse AzubIZ auf. Sie findet am Freitag, 29. September, von 8.30 bis 13 Uhr auf dem Gelände des Regionalen Berufsbildungszentrums (RBZ) Steinburg in Itzehoe, Juliengardeweg 9, statt. Veranstalter sind das RBZ, der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag, die Agentur für Arbeit und das Jobcenter. Letztere sind von Beginn an beim Tag der beruflichen Bildung mit im Boot. Kerstin Harms, Beraterin für akademische Berufe in der Agentur für Arbeit, und Stefan Stolzenberger, Fallmanager U25 im Jobcenter Steinburg, sprechen im Interview über berufliche Chancen für Jugendliche und die Bedeutung der AzubIZ.


Welchen Stellenwert hat die Berufsberatung generell?

Harms: Es gibt einen schönen Satz: Wer einen Beruf hat, den er liebt, muss nie wieder arbeiten. Beruf ist gleich Berufung? So sollte es sein. Die Berufswahl ist ein wichtiger Prozess im Leben eines jungen Menschen und bei diesem möchte die Berufsberatung die Jugendlichen gerne unterstützen. Bei über 380 anerkannten Ausbildungsberufen und über 17. 000 Studiengängen ist es wichtig, einen Partner an der Seite zu haben, der sich auf dem Ausbildungs- und Studienmarkt auskennt und beim Sortieren der eigenen Ideen hilft sowie einen Überblick über die Berufswelt gibt. Häufig konzentrieren sich Jugendliche nur auf wenige bekannte Berufe, wir zeigen dann auch Alternativen auf. Wer sich breiter aufstellt, hat bessere Chancen, einen passenden Ausbildungs- oder Studienplatz zu finden. Zur Unterstützung bieten wir auch Stärken- und Interessentests an. In den Einzelgesprächen sind wir den Jugendlichen dann beim Entdecken der eigenen Wünsche und Talente behilflich, berücksichtigen aber auch Aspekte, die im Beruf eher hinderlich sind. Neben den Terminen in der Arbeitsagentur, bieten wir zusätzlich noch in allen weiterführenden Schulen Berufsorientierung und Schulsprechstunden an.
 

Lassen sich Jugendliche mit schwierigen Startchancen auch am Arbeitsmarkt vermitteln?

Stolzenberger:
Ja. Sehr viele Arbeitgeber im Kreis Steinburg sind sozial eingestellt. Jeder Jugendliche erhält hier seine Chance. Die meisten Maßnahmen bei Arbeitgebern beginnen mit einem Betriebspraktikum – zum besseren Kennenlernen. Wenn Jugendliche dann die Chance bekommen und sie intensiv genutzt haben, eröffnen sich meist gute Chancen für dauerhafte Integration. Wir begleiten sie während der Ausbildung. Wer nicht mitmacht, könnte auch sanktioniert werden, aber wir setzen verstärkt auf Motivation.


Dann ist es im Grunde auch jedem möglich, einen höheren Bildungsabschluss zu erwerben?

Harms: Das deutsche Bildungssystem ist zum Glück komplett durchlässig. Es gibt keine Sackgassen und auch „Spätzündern“ stehen alle Bildungswege nach oben offen. Ich kann über einen ersten allgemeinen Schulabschluss (ehemals HSA) bis zur Fachhochschulreife oder gar bis zum Abitur kommen und dann studieren. Es ist in Deutschland auch möglich, über Ausbildung und mehrjährige Berufstätigkeit einen Hochschulzugang zu erwerben. Die Möglichkeiten der berufsbegleitenden Weiterqualifizierung sind auch sehr vielfältig. Wir beraten und begleiten jeden, der hier Fragen hat. Was viele auch nicht wissen: Es gibt sogar Stipendien für Kinder, die als Erste in der Familie studieren – deren Eltern und Geschwister also keinen akademischen Abschluss haben.
 

Welche Rolle spielen die Eltern dabei?

Harms: Eltern sind die wichtigsten Begleiter in der Berufswahl. Deshalb versuchen wir Berufsberater, auch die Eltern mit ins Boot zu holen. Nur gut informierte Eltern sind gute Berater und Begleiter. Wir bieten Elterninformationsabende an und auch die Eltern sind herzlich eingeladen, die Messen zu besuchen und sich zu informieren. Da erfahren sie dann zum Beispiel, dass in Deutschland seit Jahren im Bachelor-Master-System studiert wird und dass diese Abschlüsse sowohl an Uni als auch FH vergeben werden und absolut gleichwertig sind. Sie erfahren, dass man inhaltlich anders studiert und die Kunst darin besteht, herauszufinden, welcher Studiertyp man ist: eher der Praktiker oder gerne der wissenschaftlich-theoretisch arbeitende Mensch. Eltern erfahren dann auch, dass es besser sein kann, das Kind mit einem guten bis befriedigenden Schulabschluss nach Klasse 10 oder auch 9 eine Ausbildung absolvieren zu lassen, weil es auch einfach „schulmüde“ ist. Teilweise erwirbt man mit der Ausbildung gleichzeitig auch einen höheren Schulabschluss. Das ist oft nicht bekannt.

Stolzenberger: Eltern sind ein wichtiger Begleiter und Ratgeber im Prozess der Berufswahl junger Menschen. Uns ist es wichtig, Eltern diese Bedeutung zu vermitteln und auch zwischen Eltern und Jugendlichen zu vermitteln. Es geht nur miteinander nicht gegeneinander. Daher ist uns im Jobcenter die Beteiligung der Eltern sehr wichtig.
 

Können Sie die Ausbildungsmesse nutzen, dies auch den Jugendlichen und Eltern näher zu bringen?

Harms: Die Messe eignet sich hervorragend dafür, unser Beratungsspektrum näher zu bringen. Wir haben auch Infobroschüren für Eltern und Schüler, beispielsweise unser Wegweiser bzw. das Heft Abi und Beruf. Hier werden unter anderem die Bildungswege grafisch aufgezeigt. Die Kapitel decken auch andere Themen wie Überbrückungsmöglichkeiten und das richtige Schreiben einer Bewerbung ab. Ich begrüße es, wenn ich an meinem Stand Kind und Eltern beraten darf. Die Messe präsentiert eine große Branchenvielfalt von Ausbildung bis Studium und dualem Studium. Sogar Hochschulen sind vertreten. Das zeigt, der Markt bietet gute berufliche Möglichkeiten.

Stolzenberger: Es ist wichtig, den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen. Die Azubiz ist hier eine sehr geeignete Messeform, diesem Grundsatz gerecht zu werden. Die Auzubiz bietet den Besuchern, mit Auszubildenden der Unternehmen direkt ins Gespräch zu kommen. Hier wird ein Austausch auf Augenhöhe gelebt. Viele interaktive Angebote bieten zudem die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Das ist hilfreich und gestaltet Berufswahl erlebbar. Interessant ist der hohe Zuwachs an Betrieben, die sich präsentieren. Man merkt eindeutig, dass Fachkräftemangel herrscht, und das steigert die Chancen bei der Berufswahl.

 

Info: Mehr zur Ausbildungsmesse unter azubiz.info.

Persönliches Gespräch: Mit Klick auf diesen Link kann man bereits im Vorfeld einen Termin mit einem ausstellenden Arbeitgeber vereinbaren (bis 15. September 2017)

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