Auf dem Weg zum Pflege-Bachelor

Vorreiterinnen: Anna Storke (l.) und Milena Kayßer.
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Vorreiterinnen: Anna Storke (l.) und Milena Kayßer.

Klinikum Itzehoe beteiligt sich an neuem Studiengang der Universität Lübeck

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26. Januar 2015, 16:30 Uhr

Sie sind die Ersten. Milena Kayßer (20) aus Wrist und Anna Storke (21) aus Eddelak studieren in der Pflege, eine Premiere für das Klinikum Itzehoe. Bis zu fünf Studenten sollen jährlich das neue Angebot der Universität Lübeck nutzen – verbunden mit einigen Hoffnungen.

Beim Pflegekongress in Berlin lernte Michael Müller, Pflegedirektor im Klinikum, den Bachelor-Studiengang kennen und wusste schnell: „Das ist genau das, was ich suche.“ Die Zusammenarbeit des Klinikums mit seiner Gesundheits- und Krankenpflegeschule und der Universität sei in dieser Konstellation neu in Deutschland, sagt Schulleiterin Angelika Dahl-Dichmann. „Für mich ist die Kooperation ein Markenträger“, erklärt Müller. „Wir zeigen, dass wir uns dem Thema Akademisierung stellen.“

Und das sei nötig. Die Pflege habe mehr als ein Dutzend Experten-Standards oder auch Leitlinien, zusammengestellt auf wissenschaftlicher Basis für Bereiche von Ernährung bis zum Umgang mit Stürzen. „Das muss überprüfbar sein, das muss evaluiert werden.“ Dies sei eine Aufgabe für Studenten als Bindeglieder zwischen Theorie und Praxis.

Seit Oktober gibt es den Studiengang, und die erste Zeit war „schon wissenschaftlicher, als ich es mir vorgestellt hatte“, sagt Milena Kayßer. Sie hatte sich für ihre Ausbildung bereits anderweitig orientiert, nahm aber dann das Angebot aus Itzehoe an: „Ich wollte lieber in die Kinderkrankenpflege.“ Auch ihrer Kommilitonin Anna Storke ist es im Moment fast zu viel Theorie, aber: „Was muss, das muss.“ Sie lernt im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, kannte die Schule aus einem Praktikum und wurde von der Schulleiterin für das Studium geworben: „Es hat einfach gepasst, es hat mich interessiert.“

Das Studium – Eingangsvoraussetzung ist das Abitur – dauert acht Semester. Nach drei Jahren steht das Examen in der Pflege an, nach dem vierten Jahr folgt der Abschluss Bachelor Pflege. „Die Hauptausbildung in der Praxis läuft hier“, sagt Angelika Dahl-Dichmann. In Vorlesungen sitzen die Studentinnen teils zusammen mit anderen Berufsgruppen aus der Medizin, lernen also auch deren Inhalte: „Die interprofessionelle Zusammenarbeit kriegen sie quasi mit der Muttermilch vermittelt“, sagt Müller.

Ziel sei, die hohe Pflegequalität zu sichern auf der Basis messbarer Ergebnisse, sagen der Pflegedirektor und die Schulleiterin. Diese Professionalisierung, der Transfer der Theorie in die Praxis, „das brauchen wir in der Pflege“, so Dahl-Dichmann. Ein Thema ist dabei für Müller auch das Delegieren ärztlicher Tätigkeiten auf andere Berufsgruppen, zum Beispiel beim Versorgen von Wunden.

Große Erwartungen und nicht ohne Konfliktpotenzial, das wissen die beiden jungen Frauen. Es könne schwierig sein, als „junger Hüpfer“ den altgedienten Pflegekräften etwas über ihre Routine zu erzählen, sagt Anna Storke. In Lübeck hat sie erlebt, dass viele sehr kritisch gegenüber dem neuen Studium eingestellt seien. Im Klinikum Itzehoe, wo die Studentinnen gerade den ersten Praxisteil absolvierten, sieht es anders aus: „Hier sind alle sehr positiv.“

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