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Ausgebremst beim Studienstart - Wartesemester sinnvoll überbrücken

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Dortmund (dpa/tmn) - Wer derzeit studieren will, braucht eine gute Abinote oder Geduld. Viele Fächer haben wegen des Ansturms auf die Unis hohe Zulassungsbeschränkungen. Wer keinen Studienplatz bekommt, muss warten. Die Zeit lässt sich sinnvoll nutzen.

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erstellt am 29.Mai.2013 | 05:33 Uhr

Dortmund (dpa/tmn) - Wer derzeit studieren will, braucht eine gute Abinote oder Geduld. Viele Fächer haben wegen des Ansturms auf die Unis hohe Zulassungsbeschränkungen. Wer keinen Studienplatz bekommt, muss warten. Die Zeit lässt sich sinnvoll nutzen.

Es ist jedes Jahr dasselbe: Die mit Spannung erwarteten Bescheide für einen Studienplatz sorgen bei vielen Bewerbern für lange Gesichter: Absage! Allein in den medizinischen Fächern ? Human- und Zahnmedizin sowie Pharmazie ? sind zum Sommersemester 2013 rund 37 400 Ablehnungsbescheide verschickt worden. «Im Schnitt gab es bei uns in diesem Jahr pro Studienplatz 7,3 Bewerber», so Hans-Peter Kaluza von der Stiftung Hochschulstart in Dortmund, die die Studienplatzvergabe im medizinischen Bereich zentral organisiert. Dazu kommen die Absagen in den Fächern, für die sich Schulabgänger direkt bei den Hochschulen bewerben. Im Wintersemester ist die Schere zwischen Angebot und Nachfrage noch weiter geöffnet.

Wer einen zulassungsbeschränkten Studiengang wählt, muss damit rechnen, dass es mit einem Platz im Wunschfach nicht sofort klappt ? insbesondere, wenn die Abiturnote nicht die allerbeste ist. Für viele führt der Weg in den Vorlesungssaal im besten Fall über das Nachrückverfahren, wahrscheinlich aber über die Anrechnung von Wartesemestern. «Entscheidend ist immer, wann jemand Abi gemacht hat», erläutert Kaluza. Ab dann läuft die Uhr, und pro Jahr werden zwei Semester angerechnet.

Dabei ist es bei den zentral vergebenen Studienplätzen völlig egal, was der Bewerber in der Zwischenzeit macht: «Ob einer eine Reise nach Australien unternimmt oder gar nichts macht, für alles bekommt er die gleichen Wartesemester angerechnet», betont Kaluza. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn man sich vorübergehend für ein anderes Fach einschreibt: «Diese Studienzeit wird von der Wartezeit für das ursprüngliche Wunschfach abgezogen.»

Was also tun, werden sich auch in diesem Jahr viele Schulabgänger fragen, deren Hoffnungen auf einen schnellen Studienbeginn sich zerschlagen. «Erst mal wirklich abwarten», meint die Studienberaterin Julia Funke. Viele bekommen eine zweite Chance im Nachrückverfahren. «Oft dreht sich das Karussell noch mal, weil viele sich an mehreren Unis beworben haben, aber nur einen Platz besetzen können.» In der Zwischenzeit könnten sich Studierwillige weiter orientieren, was für Praktika, Ausbildungen oder andere Möglichkeiten es sonst noch gibt.

Zweigleisig zu fahren, empfiehlt Ursula Scheele, Studien- und Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Berlin. Viele nutzen die Wartezeit bis zum Studium, um ein Freiwilliges Soziales Jahr zu leisten. «Das ist immer sinnvoll», meint Scheele. Schulabgänger machen erste Erfahrungen in der Arbeitswelt und erwerben soziale Kompetenzen. Je nach FSJ-Platz besteht auch die Möglichkeit, zusätzliche Seminare ? etwa in Gebärdensprache oder Erster Hilfe ? zu belegen. Allerdings sind auch hier viele Plätze ? etwa im Sportbereich oder Kulturbetrieb - sehr begehrt. Schulabgänger sollten sich rechtzeitig kümmern. Funke empfiehlt, sich mindestens im Sommer vor dem Abi Gedanken zum Plan B zu machen. Viele FSJ-Plätze würden zwischen Februar und April vergeben.

Vor allem aber macht sich ein FSJ gut bei der Studienplatz-Bewerbung: Neben Abi-Note und Wartezeit haben die einzelnen Hochschulen meist noch ihre eigenen Auswahlkriterien. Viele schreiben für ein FSJ Wartezeit gut. Auch berufsnahe Ausbildungen oder Praktika empfiehlt die Arbeitsmarktexpertin für die Überbrückungszeit. Im medizinischen Bereich könne das eine Ausbildung zum Rettungsassistent oder in der Krankenpflege sein. «Das hilft schon mal, sich mit den Fachtermini bekannt zu machen.»

Gasthörerschaften an Hochschulen, Au-Pair-Stellen oder Work-und-Travel-Programme im Ausland ? im Prinzip stehen Schulabgängern viele Möglichkeiten offen, die Wartezeit bis zum Studium zu überbrücken. Wichtig sei, sich durch eine erste Absage nicht verunsichern zu lassen und ins Nichtstun zu verfallen. Und wenn das «Faultier-Syndrom» dann doch zuschlägt?

«Sich Deadlines setzen hilft, Strukturen zu schaffen», rät Funke. Wer sich für ein bestimmtes Berufsbild oder ein Praktikum interessiert, sollte sich klar vornehmen, nach 14 Tagen konkret zu wissen, ob das in Frage kommt. Die intensive Auseinandersetzung sei anstrengend aber notwendig. «Das ist wie mit dem Kompost», sagt Funke. «Immer ne Schippe drauf, dann wird da schon irgendwann eine grüne Pflanze draus.»

Stiftung für Hochschulzulassung

Studienberaterin Julia Funke

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