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Auf die Wiese und Schafe hüten - Teambuilding in Unternehmen

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Stuttgart (dpa) - Kreativität statt Krisensitzung: Um den Teamgeist ihrer Mitarbeiter zu fördern, setzen Unternehmen bisweilen auf kuriose Lösungen. Wer sich beim Schafe hüten wiederfindet, braucht sich ebenso wenig zu wundern wie beim mittleralterlichen Rollenspiel.

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erstellt am 26.Mai.2013 | 05:33 Uhr

Stuttgart (dpa) - Kreativität statt Krisensitzung: Um den Teamgeist ihrer Mitarbeiter zu fördern, setzen Unternehmen bisweilen auf kuriose Lösungen. Wer sich beim Schafe hüten wiederfindet, braucht sich ebenso wenig zu wundern wie beim mittleralterlichen Rollenspiel.

Der Schlüssel zu mehr Teamgeist ist eine Schafwiese im Rheinland. Eine Hand voll Manager soll hier 1500 Schafe durch ein schmales Gatter treiben. Oder die Herde in zwei Hälften teilen. Was von beiden, ist eigentlich egal. Wichtig ist nur, dass die Führungskräfte im Team zusammenarbeiten. Sie scheitern kläglich.

So zumindest erzählt es Oliver Malat, Kreativdirektor der Kölner Agentur Domset. Die Agentur hat sich auf teambildende Maßnahmen für Unternehmen spezialisiert - und schickt Mitarbeiter dabei nicht nur zum Schafe hüten, sondern auch zum Speed-Dating unter Kollegen, auf mittelalterliche Rollenspiele oder mitten in ein Rudel Hunde.

«Viele Manager sind so in ihrer Arbeitsroutine drin, dass es ihnen mal gut tut, etwas ganz anderes zu erleben», erklärt der Psychologe und Ökonom Peter Schettgen, Leiter des Zentrums für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) an der Universität Augsburg. «Was die Outdoor-Aktivitäten attraktiv macht, ist das persönliche Erleben, das häufig mit einem Fun-Faktor verbunden ist.»

Schettgen selbst hat zum Thema Führungspsychologie promoviert - und schwört auf die japanische Kampfkunst Aikido, um Konflikte zwischen Kollegen abzubauen. Sein Erfolgskonzept: «Raus aus dem Arbeitskontext, ins Freie, sich unter anderen Bedingungen erleben.» Darauf setzen letztlich Unternehmen quer durch alle Branchen, wie Malat von Domset erzählt.

Beispiele gibt es genug: Um seine Führungskräfte enger zusammenzubringen, lädt der Technikriese Bosch Manager schon mal in ein schickes Hotel ein - um sie den Laden dann allein schmeißen zu lassen. Auch zum gemeinsamen Brückenbau mussten Mitarbeiter des Konzerns schon anrücken.

Die Ziele beschreibt ein Sprecher wie folgt: Vertrauen aufbauen, gegenseitiges Kennenlernen und auch mal Verantwortung teilen. Letztlich seien die Mitarbeiter nach solchen Aktionen motivierter und auch produktiver. «Da haben wir gute Erfahrungen gemacht», sagt er. So zahle sich die Investition für das Unternehmen auch wirtschaftlich aus.

Der Handelskonzern Würth hat Fach- und Führungskräfte auch schon zur Feuerwehr geschickt - um das «Arbeiten in Hochleistungsteams» zu lernen. Und auch der Autobauer Daimler setzt auf teambildende Maßnahmen im Freien: Mitarbeiter müssen sich dabei unter anderem die Augen verbinden und in der Gruppe ein überdimensionales Seil zum Quadrat legen. Auf Agenturen oder andere externe Anbieter greift der Dax-Konzern aber nur selten zurück: Daimler hat hauseigene Trainer, die sich Aktionen für mehr Zusammenhalt einfallen lassen.

Kein Wunder - schließlich sind so ausgefallene Angebote wie Schafe hüten und Speed-Dating nicht gerade billig. Die Schafherde schlage beispielsweise mit 4000 bis 5000 Euro zu Buche, sagt Malat. Ein Tagessatz für einen akademischen Trainer liegt ZWW-Leiter Schettgen zufolge zwischen 1500 und 2000 Euro.

Und damit die Investition sich lohnt, muss sie erneut getätigt werden: «Alle drei Jahre muss man so etwas schon wiederholen», meint Markus Dörle, der beim Kettensägen-Hersteller Stihl für das Personal verantwortlich ist. «Über die Zeit lässt der Lerneffekt zwangsläufig nach und man muss wieder einen Impuls setzen.» Auf ausgefallene Aktionen setze man bei Stihl allerdings weniger. Mitarbeiter würden etwa in den Hochseilgarten geschickt oder müssten sich gegenseitig mit Augenbinde über ein Drahtseil führen.

«Man muss auch nicht immer ein Highlight nach dem anderen abfeuern. Es kommt darauf an, die richtigen Akzente zu setzen», betont Kreativdirektor Malat. Wichtig sei die Reflexion, wie man das Gelernte im Berufsalltag umsetzen könne, betont Experte Schettgen. Besonders gut gelinge das beim abendlichen Beisammensein in lockerer Atmosphäre - eine Übernachtung sei nach solchen Aktionen daher quasi Pflicht.

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