Anzeige : Stressfaktor Bürokratie: Wenn Unternehmen sich „zu Tode verwalten“

Untergehen in „Papierkram“: ob elektronisch oder auf Papier, die Bürokratie macht Unternehmen zu schaffen.

Untergehen in „Papierkram“: ob elektronisch oder auf Papier, die Bürokratie macht Unternehmen zu schaffen.

Insbesondere der Mittelstand leidet unter den Auflagen des Gesetzgebers. Der Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde spricht von „Unzumutbarkeiten“.

Julia Gohde klein.JPG von
22. September 2019, 23:57 Uhr

Flensburg, Schleswig, Eckernförde | Die kleinen und mittelständischen Betriebe haben am meisten damit zu kämpfen: bürokratische Auflagen. Regelmäßige Prüfungen, die Erstellung von Dokumentationen über hunderte Seiten, Meldungen an diverse Ämter, Gefährdungsbeurteilungen, und und und: Wofür große Unternehmen ganze Abteilungen mit mehreren Mitarbeitern beschäftigen, um gegen den Bürokratie-Wahnsinn anzuarbeiten, kommt der Mittelstand an seine Grenzen. Die kleinen Betriebe drohen an den Auflagen zu ertrinken. Leidtragende sind am Ende vor allem die Mitarbeiter, die nebenbei zusätzliche Arbeitszeit investieren sollen für Aufgaben, zu denen sie gesetztlich verpflichtet sind.

Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde, ist tagtäglich mit dieser Problematik konfrontiert. Der Rechtsanwalt und seine Kollegen beraten mehr als 300 Mitgliedsunternehmen aus der Region in allen arbeits- und sozialrechtlichen Fragen. Dabei erfährt er aus erster Hand, was das viel zitierte „Bürokratie-Monstrum“ den Schleswig-Holsteinischen Unternehmern abverlangt:

Am meisten unter der Bürokratie leiden die Mitarbeiter. Das ist vielen nicht bewusst. Der Gesetzgeber macht die Menschen krank, das ist in allen Branchen zu beobachten. Dr. Fabian Geyer
Dr. Fabian Geyer ist Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Flensburg – Schleswig – Eckernförde.
Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde.

Dr. Fabian Geyer ist Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Flensburg – Schleswig – Eckernförde.

 

Dr. Fabian Geyer macht keinen Hehl daraus, was er von den Auflagen hält, die viele Betriebe an ihre Grenzen bringt. Er berichtet beispielhaft von einem Bäcker, der sich an den Arbeitgeberverband wandte, weil er mit den Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, überfordert war. Nicht weniger als 73 Punkte umfasst die Liste mit Anforderungen, die der Staat an den Handwerksbetrieb stellte. Darunter z.B. die Auflage, alle Vorgänge in der Verwaltung genau zu beschreiben. Umfang der Dokumentation: ca. 200 Seiten, die ständig aktuell gehalten werden müssen. Der Aufwand wird auf 200 Arbeitsstunden geschätzt. Weil der Bäcker sich keinen Angestellten leisten kann, der ihm diese Arbeit abnimmt, muss er selbst ran. Und selbst wenn die Dokumentation erledigt ist, bleiben 72 offene Punkte auf der vier Seiten langen To-Do-Liste. „Da wird einem schlecht“, urteilt Dr. Geyer knapp.

Das ist der totale Wahnsinn. Für den Mittelstand sind solche Auflagen unzumutbar und nicht zu schaffen. Dr. Fabian Geyer
 

Das Bürokratieentlastungsgesetz III, das vom Bundeskabinett beschlossen wurde, hält Dr. Geyer zwar für eine gute Idee, eine echte Entlastung schafft es seiner Ansicht nach jedoch nicht. Es sieht zum Beispiel vor, dass im Falle der Krankmeldung eines Arbeitgebers kein „gelber Schein“ mehr abgegeben werden muss, sondern die Information über die Arbeitsunfähigkeit digital durch die Krankenkasse seinen Weg zum Arbeitgeber findet. Der Bäcker hätte dafür vermutlich nur ein müdes Lächeln übrig.

Viele Mittelständler in Schleswig-Holstein äußern ihm gegenüber, sie wüssten nicht mehr, wo ihnen der Kopf stehe, berichtet Dr. Geyer. Für sie hat der Rechtsanwalt einen unkonventionellen Ratschlag, den er durchaus ernst meint: Mut zur Lücke haben; eine Prioritätenliste schreiben, das Wichtigste erledigen, und den Rest der Auflagen liegen lassen.

Dieser Ansatz zur Stress-Bewältigung ist sicherlich kein Königsweg, aber ein pragmatischer. Langfristig jedoch müssen andere Lösungen her, mahnt Dr. Geyer.

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