Anzeige : Frust am Arbeitsplatz: Wenn der Kollege andauernd oder wiederholt krank ist

Ist der Kollege mal wieder krank, haben meist die anderen im Team das Nachsehen.

Ist der Kollege mal wieder krank, haben meist die anderen im Team das Nachsehen.

Überstunden, Mehrarbeit, Stress - die Krankheitsvertretung ist für viele eine Belastung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten in dieser Situation am gleichen Strang ziehen.

Julia Gohde klein.JPG von
23. Juni 2019, 23:57 Uhr

Flensburg | Wenn ein Kollege krank ist, bedeutet das für die übrigen Kollegen zusätzliche Arbeit. Für die meisten ist die Vertretung dennoch selbstverständlich, schließlich kann jeder einmal krank werden. Doch was, wenn die Krankschreibung eines Kollegen keine Seltenheit mehr ist, sondern öfter oder über einen längeren Zeitraum vorkommt? Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde, kennt die wichtigsten Fragen und Antworten.

Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde.
www.arbeitgeber-flensburg.de

Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde.

Muss ich einspringen und meinen kranken Kollegen vertreten?

Generell gilt, dass wenn jemand aus dem Team krankgeschrieben ist, die Kolleginnen und Kollegen die anfallende Arbeit so gut es geht übernehmen sollten. Schließlich können manche wichtigen Aufgaben nicht liegen bleiben, weil es ansonsten zu weiteren Verzögerungen kommen kann oder Fristen nicht eingehalten werden. Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern dabei allerdings nicht zu viel abverlangen und die zusätzliche Leistung erst recht nicht für selbstverständlich nehmen.

Mehr Arbeitszeit als zehn Stunden täglich oder mehr als 48 Stunden in der Woche sind nicht erlaubt. Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde
 

Ideal ist es, die zusätzliche Arbeit auf mehrere Köpfe zu verteilen, bis der erkrankte Kollege zurück am Arbeitsplatz ist. „Überdies sollte sich der Vorgesetzte seinem Team gegenüber dankbar zeigen, indem er zum Beispiel das Gespräch sucht und darin vermittelt, dass er den außerplanmäßigen Einsatz bemerkt und wertschätzt“, empfiehlt Dr. Geyer.

Was ist, wenn die Vertretung eines kranken Kollegen Mehrarbeit, Stress und Überstunden auslöst?

Hiervor muss dringend gewarnt werden. Denn ständige Überstunden, eine andauernde Mehrbelastung und das Gefühl, seinen Aufgaben nicht mehr gerecht werden zu können, führen bei vielen Menschen zu Stress - und der tut bekanntlich nicht gut. Das Schlimmste, was passieren kann, ist dass die Krankheitsvertreung einen eigentlich gesunden Kollegen krank macht.

Der Arbeitgeber sollte durch geeignete Maßnahmen dafür sorgen, dass seine Angestellten nicht überlastet werden. Dafür muss man seinen Betrieb und die Belastungsfaktoren an den Arbeitsplätzen allerdings kennen. Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde
 

Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Arbeitnehmer ihm diese mögliche Überlastung auch mitteilt, und zwar schriftlich in einer Überlastungsanzeige. Hier gibt es also auch Pflichten für den Arbeitnehmer. Spürt er, dass seine eigene Gesundheit durch die Überlastung gefährdet ist, muss er dies seinem Vorgesetzten melden. Nur so kann der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen in die Wege leiten, um eine Verbesserung herbeizuführen.

Wie muss sich der Arbeitgeber verhalten, wenn absehbar ist, dass ein kranker Kollege länger ausfällt?

Das Wichtigste überhaupt ist, dass der Vorgesetzte seinen Mitarbeiter fragt, wie es ihm geht. „Zunächst sollten die Führungskräfte bzw. der Vorgesetzte das Gespräch zum erkrankten Mitarbeiter suchen. Das nennt man Krankenrückkehrgespräch. Dies gilt insbesondere, wenn ein Mitarbeiter immer wieder ausfällt. Ist dieser wiederholt arbeitsunfähig, sollte sein Chef ihm Unterstützung anbieten und sich danach erkundigen, was der Betrieb tun kann, damit sich die Situation bessert. Hierzu bietet sich das gesetztlich vorgeschriebene Betriebliche Eingliederungsmanagement an. Vielleicht gibt es Probleme unter den Kollegen bzw. privater Natur, die lösbar sind. Manchmal können auch ganz banale Gründe die Ursache sein, wie etwa eine starke Pollenallergie. Um Fehlzeiten zu vermeiden, könnte der Arbeitgeber seinem Angestellten in diesem Fall anbieten, für kurze Zeit von zuhause aus zu arbeiten“, empfiehlt Dr. Geyer.

Was kann der Arbeitgeber tun, wenn wegen des dauernden oder wiederholten Fehlens eines Kollegen schlechte Stimmung im Team aufkommt?

Müssen die Kollegen eines kranken Kollegen dessen Aufgaben wiederholt übernehmen, sorgt das schnell für Ärger und Frust. Schließlich bleibt die Mehrarbeit an ihnen hängen. Bemerkt der Arbeitgeber, dass sein Team wütend ist, weil es die erneuten oder andauernden Fehlzeiten eines Einzelnen auffangen muss, sollte dies bei der nächsten Teamrunde angesprochen werden. Der Vorgesetzte sollte sich hierbei zum einen schützend vor den erkrankten Kollegen stellen, aber zum anderen genauso vermitteln, dass er für die Sorgen der übrigen Mitarbeiter ein Ohr hat und nach Lösungen sucht. Dr. Geyer plädiert für Teamgeist: „Ziel ist es, gemeinsam einen Weg zu beschließen, der für alle Beteiligten in Ordnung ist.“

Weiterlesen: Zehn Regeln - das müssen Arbeitnehmer im Krankheitsfall beachten (Anzeige)

Kontakt: Wer weitere Fragen zu diesem Thema hat, kann sich Dr. Fabian Geyer vom Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde wenden.

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