Anzeige : Arbeitgeberverband im Interview: Was das Corona-Virus für Unternehmen bedeutet

Fabian Geyer ist Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Flensburg – Schleswig – Eckernförde.
Fabian Geyer ist Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Flensburg – Schleswig – Eckernförde.

Dr. Fabian Geyer vom Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde im Interview über die Krise, wirtschaftliche Auswirkungen und Maßnahmen der Politik.

Julia Gohde klein.JPG von
18. März 2020, 00:00 Uhr

Flensburg, Schleswig, Eckernförde | Dr. Fabian Geyer ist Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde. Der Arbeitgeberverband unterstützt Unternehmen der Region in Rechtsfragen und hat es sich zum Ziel gemacht, die regionale Wirtschaft zu stärken. Aktuell beschäftigt die Mitglieder des Verbands nur ein Thema: die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus auf den Betrieb.

Herr Dr. Geyer, bei Ihnen und den Kollegen vom Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde steht das Telefon zurzeit nicht mehr still. Mit welchen Fragen wenden sich die Unternehmen der Region an Sie?

Dr. Fabian Geyer: Es herrschen zum Teil große Sorge und Orientierungslosigkeit. Viele Unternehmen stehen jetzt akut vor dem Problem, dass ihr Geschäft geschlossen hat, oder die Kunden ausbleiben. Nahezu alle Branchen sind betroffen. Der ganz große Teil beschäftigt sich seit letzter Woche mit dem Thema Kurzarbeit. Außerdem haben die Unternehmer ganz allgemeine Fragen: Was tue ich, wenn ein Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheint, die Betreuung der Kinder nicht gesichert ist, oder ein Kollege aus einem Risikogebiet zurückkommt? Wiederum andere Arbeitgeber möchten wissen, ob sie Überstunden oder Urlaub anordnen können.

Wie „infiziert“ das Corona-Virus die Unternehmen in Schleswig-Holstein?

Dr. Fabian Geyer: Eine große Rolle spielt die große gesundheitliche Infektionsgefahr, die von dem Corona-Virus ausgeht. Die Infektionskette muss unterbrochen werden, damit die Krankheitsfälle in Unternehmen nicht in rasende Höhen eilen. Das war das Thema der letzten Wochen. Die Ängste der Unternehmen sind in den letzten Tagen immens gewachsen, darum herrscht aktuell eine akute „Fieber-Atmosphäre“ in den Unternehmen.

Ich habe so etwas noch nie erlebt. Viele Fragen müssen jetzt unter Existenzdruck beantwortet werden. Rechtsanwalt Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde
 

Ich glaube, die Politik, die Bevölkerung und die Unternehmen haben die aktuelle Situation nicht kommen sehen. Darum hat die Infektion zu dem sprichwörtlichen Fieber geführt, wie wir es jetzt gerade erleben.

Welche Branchen leiden besonders unter den Auswirkungen von Covid-19?

Dr. Fabian Geyer: Man muss sagen, es ist keiner davon unberührt, sondern alle sind betroffen. Es gibt quasi keine Branche, die von den Folgen des Corona-Virus ausgenommen ist. Besonders hart trifft es natürlich die, die in ihrem Tagesgeschäft auf Gäste und Besucher angewiesen sind, die nun zwangsweise ausbleiben – sprich Hotels, Museen, Restaurants und so weiter.

Sprechen wir hier schon von Existenzängsten?

Dr. Fabian Geyer: Ja. Es gibt konkrete Existenzängste bei denen, die keinerlei Einnahmen mehr haben. Die Betroffenen haben vielleicht durch die Kurzarbeit keine Lohnkosten mehr, aber der Inhaber selbst muss ja auch von etwas leben. Die Frage ist, ob seine Rücklagen groß genug dafür sind, um bis zum Ende der Corona-Krise auszuhalten – und wie sein Geschäft dann anläuft. Es macht einen großen Unterschied, ob das Geschäft relativ schnell eine normale Routine aufnimmt, oder nicht. Die, die keine großen Rücklagen haben oder nicht auf eine Arbeitslosenversicherung zurückgreifen können, trifft es am schnellsten. Also im Wesentlichen die Selbständigen und diejenigen, die persönlich in der Haftung stehen.

Auch Betriebe, die auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen sind, sind betroffen, denn der Materialfluss ist gestört bzw. verzögert. In jeder Branche, bei jedem Unternehmen werden Aufträge storniert, weil die Unsicherheit so groß ist, ob man die Leistung überhaupt bezahlen kann.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich kundig zu machen. Die frühzeitige Planung und Information ist das A und O. Rechtsanwalt Dr. Fabian Geyer
 

Was kann der Unternehmer konkret tun?

Dr. Fabian Geyer: Das hängt davon ab, ob das Unternehmen noch Zeit hat, sich auf die neue Situation einzustellen, oder jetzt akut Probleme hat, weil der Betrieb stillsteht. Dann muss man sofort handeln. Viele Verantwortliche sind verzweifelt und wissen nicht, wie es weitergeht. Ein Unternehmer muss sich natürlich fragen, wie er die nächsten Wochen überstehen kann, ohne dass es zu Entlassungen kommt. Meine Grundempfehlung ist es, dass die Unternehmer ggf. mit dem Betriebsrat und ihren Mitarbeitern frühzeitig sprechen. Viele der Angestellten sind verständnisvoll und versuchen an einem Strang zu ziehen, um Lösungen zu erarbeiten.

Im Allgemeinen sollten sich die Köpfe der Unternehmen über die aktuellen politischen Beschlusslagen informieren und auf dem Laufenden bleiben. Wir vom Arbeitgeberverband haben zum Beispiel seit vielen Wochen Informationen an unsere Mitglieder herumgeschickt, in denen es um Themen wie die Quarantäne ging und wann man Mitarbeiter lieber nach Hause schickt.

Können die Unternehmer mit finanziellen, unbürokratischen Unterstützungen vom Staat rechnen?

Dr. Fabian Geyer: Das ist leider noch nicht geklärt. Akut helfen die vor wenigen Tagen veränderten Regelungen zur Kurzarbeit, die nach einem Eilverfahren von Bundestag und Bundesrat nun im Gesetz verankert sind. Demnach können Unternehmen bereits dann Kurzarbeitergeld beantragten und die Arbeit im Betrieb reduzieren oder sogar auf Null setzen, wenn zehn Prozent ihrer Beschäftigten im Betrieb von einem Arbeitsausfall betroffen sind. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt dann 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns eines Arbeitnehmerns sowie 67 Prozent bei Arbeitnehmern, die ein Kind haben. Außerdem werden die Sozialversicherungsbeiträge, die Arbeitgeber zahlen müssen, im Falle der Kurzarbeit übernommen.

Bei Fragen rund um Kredite kann ich den Unternehmern nur raten, sich im ersten Schritt mit ihrer Hausbank in Kontakt setzen und sich in aller Ruhe auszutauschen. Aber aufgenommene Kredite müssen natürlich auch irgendwann zurückbezahlt werden. Viel wichtiger wäre in meinen Augen das, was Bayern gerade beschlossen hat: Das Bundesland hat gestern entschieden, 10 Milliarden Euro zur Rettung der Wirtschaft bereitzustellen, um finanzielle Soforthilfen leisten zu können, damit Betriebe nicht insolvent gehen. Dass wir in Schleswig-Holstein keine 10 Milliarden haben, ist klar, es ist ja auch ein anderer Bedarf im Norden. Aber es wäre ein tolles Signal, wenn dieser Hilfsfonds nicht erst im Sommer kommt.

Wir brauchen jetzt das Geld vom Land, damit Unternehmen diese schwierige Zeit überbrücken können. Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde
 

Der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat versprochen, dass kein gesundes Unternehmen wegen Corona in die Insolvenz und kein Arbeitsplatz verloren geht. Das steht im Raum. Wir warten darauf, dass das in die Umsetzung kommt, und zwar noch in diesem Monat. Das ist eine ganz klare Forderung an die Politik, hier nicht zu zögerlich zu sein.

Fabian Geyer fordert schnelles Handeln der Politik.
Michael Staudt

Fabian Geyer fordert schnelles Handeln der Politik.

 

Zurück in die einzelnen Betriebe: Wie können Unternehmer Kündigungen verhindern?

Dr. Fabian Geyer: Die Kurzarbeit ist im Moment das Mittel, um Kündigungen zu verhindern. Das ist entscheidend. Die Betriebe, die keine Einnahmen mehr haben, werden so kurzfristig von den Lohnkostenbelastungen befreit. Dennoch bleiben Fixkosten wie Miete, Pacht und so weiter bestehen. Hier versucht der Staat durch Steuerstundungen, die auch noch im Raum stehen, und andere Hilfsmaßnahmen, zu helfen.

Was aktuell vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz vorbereitet wird, ist außerdem eine gesetzliche Regelung, die die Anmeldung von Insolvenzen betrifft. Bisher musste man eine drohende Insolvenz innerhalb von drei Wochen einleiten. Diese Anzeigefrist wird nun bis September verlängert. So wird den Unternehmen mehr Luft verschafft, um zu schauen, ob man den Betrieb außerhalb der Insolvenz doch noch fortführen kann. Das ist eine wichtige Maßnahme zur Entlastung der Betriebe.
 

Weiterlesen: Arbeitgeberverband warnt: „Bleibt zuhause, damit eure Eltern den Job behalten!“ (Anzeige)

Kontakt Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde: www.arbeitgeber-flensburg.de

Noch mehr vom Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde: www.shz.de/arbeitgeberverband

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