Anzeige : Achtsamkeit bei Krankmeldungen: Darum sollten Arbeitgeber eine gesunde Arbeitsatmosphäre schaffen

Ein Nachlassen der Leistung oder gar das häufige Erkranken kann viele Ursachen haben.

Ein Nachlassen der Leistung oder gar das häufige Erkranken kann viele Ursachen haben.

Der Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde erklärt, wie Arbeitgeber mit Mitarbeitern umgehen sollten, die häufig krankgemeldet sind.

Avatar_shz von
27. Oktober 2019, 23:57 Uhr

Meldet sich ein Mitarbeiter krank, steht dessen Genesung an erster Stelle. Kommt es zur häufigen Krankmeldung, sollte der Arbeitgeber das Gespräch suchen. Denn diese kann auch andere Ursachen haben.

Als Arbeitgeber sollte man ein Auge für seine Mitarbeiter haben und Auffälligkeiten erkennen. Sei dies, wenn jemand plötzlich krank ist, der sonst nie fehlt, oder aber wenn jemand auffällig oft wegen Freitags- oder Montagserkrankungen nicht zur Arbeit kommt. Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde

Weiterlesen: Zehn Regeln - das müssen Arbeitnehmer im Krankheitsfall beachten (Anzeige)

Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus?

Meldet sich ein Mitarbeiter häufiger krank, so kann die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits am ersten Tag der Krankheit verlangt werden und nicht wie gesetzlich vorgeschrieben erst am vierten. Verbinden sollte man eine solche Maßnahme zudem mit einem persönlichen Gespräch. „Hierbei ist Fingerspitzengefühl gefordert. Es sollte immer auf Augenhöhe stattfinden und der Arbeitgeber muss die Anliegen seiner Mitarbeiter ernst nehmen“, so Dr. Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Flensburg-Schleswig-Eckernförde.

Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) wirkt sich nämlich Unzufriedenheit im Job negativ auf die Gesundheit aus. In seinem Fehlzeiten-Report für 2018 stellte das Institut fest: Arbeitnehmer, die ihre Arbeit als wenig sinnvoll oder gar sinnlos betrachteten, fehlten im Durchschnitt an 19,6 Tagen im Jahr. Ihre zufriedenen Kollegen waren nur an 9,4 Tagen im Jahr nicht auf der Arbeitsstelle anwesend. Stimmen die eigenen Erwartungen an die Arbeit nicht mit der Wirklichkeit überein, hat dies nicht nur einen Effekt auf die Motivation, sondern auch langfristig auf den gesundheitlichen Zustand des Mitarbeiters.

Manchmal macht auch Stress krank

Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein. Ist ein sonst leistungsstarker und motivierter Mitarbeiter, der selten fehlt, auf einmal vermehrt krank, sollte der Arbeitgeber ebenfalls aufmerksam sein. Es kann sich hierbei um eine zufällige Erkältungshäufigkeit handeln oder negative Folgeerscheinungen von überzogenem Stress. Dazu zählt neben körperlicher Mattheit, Unlust und Gereiztheit auch eine erhöhte Neigung zu Infekten.

Dr. Geyer betont: „Die Devise heißt handeln, nicht ignorieren. Der Arbeitgeber sollte achtsam sein. Das persönliche Analyse-Gespräch sollte in der Regel bereits nach vier Tagen Ausfall oder bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz gesucht werden. So kann über individuelle Veränderungen, beispielsweise der Aufgaben, Arbeitszeiten oder des Arbeitsumfelds, gesprochen werden.“

In jedem Fall sollte sich auch nach der Rückkehr des Erkrankten um dessen Befinden gekümmert werden. So zeigen der Arbeitgeber und Vorgesetzte Interesse und Wertschätzung. Der Arbeitgeber sollte sich nach dem Zustand erkundigen und gegebenenfalls Anpassungen in den ersten Arbeitstagen nach der Krankheit vornehmen, um den Wiedereinstieg zu erleichtern. Dem Mitarbeiter so das Gefühl vermitteln, dass sich um ihn gekümmert wird und er jederzeit offen mit dem Arbeitgeber sprechen kann. „Es bringt keinem etwas, wenn man den Mitarbeiter nach dem Motto behandelt, ‚Arbeite nach, was du alles während deiner Abwesenheit versäumt hast‘“, so Dr. Geyer. Zudem muss ein Arbeitgeber so verantwortungsvoll handeln, dass er Mitarbeiter nach Hause schickt, wenn diese objektiv arbeitsunfähig sind. Positiv ist es zudem, im Falle einer Erkrankung eine geeignete Vertretung zur Verfügung zu haben, die das Nötigste mit erledigen kann. Dann ist das Risiko nicht zu hoch, zu früh zurückzukehren und danach noch länger auszufallen.

Falsch ist es, sich arbeitsunfähig zur Arbeit zu quälen, weil es keine geeignete Vertretung für den Krankheitsfall gibt.
Adobe Stock

Falsch ist es, sich arbeitsunfähig zur Arbeit zu quälen, weil es keine geeignete Vertretung für den Krankheitsfall gibt.

 

Krankmeldung versus Krankschreibung: Das ist der Unterschied

Ist ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig, sind zwei Schritte zu gehen. Zuerst die Krankmeldung, dann das Einreichen der Krankschreibung. Die Meldung bzw. Anzeige ist die Information, dass der Mitarbeiter wegen Krankheit nicht arbeitsfähig ist. Hierbei gibt es keine gesetzliche Regelung, auf welchem Weg das erfolgen muss. Damit dies aber einheitlich und für beide Seiten möglichst einfach gestaltet ist, kann der Arbeitgeber eigene Vorgaben festlegen. „Am schnellsten und sichersten ist eine persönliche Krankmeldung beim zuständigen Vorgesetzen entweder per Telefon oder E-Mail. Eine Whatsapp-Nachricht wird in der Regel nicht akzeptiert. Der Arbeitgeber kann einen gesonderten E-Mail-Account einrichten, beispielsweise krankmeldung@unternehmen.de, über den alle Meldungen eingehen und der von der Personalabteilung verwaltet wird. „Zusätzlich sollte der jeweilige Vorgesetzte in CC gesetzt werden, damit dieser ebenfalls direkt über die Krankmeldung seines Mitarbeiters informiert wird“, empfiehlt Dr. Geyer. Der Arbeitnehmer muss dabei angeben, wie lange die Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich andauern wird, damit der personelle Ausfall besser abgefangen und ausgeglichen werden kann.

Der zweite Schritt, die Krankschreibung, erfolgt durch einen Arzt und wird dann vom Arbeitnehmer beim Arbeitgeber eingereicht. Für Arbeitnehmer und -geber ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Krankschreibung am vierten Tag der Krankheit im Original vorliegen muss. Dies kann im Vorhinein bereits vertraglich abweichend festgelegt werden, entweder im Arbeitsvertrag oder in einer Zusatzvereinbarung. Dabei kann die Frist verkürzt oder verlängert werden. In kleineren Unternehmen kann es ratsam sein, dass der Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst zu einem späteren Zeitpunkt einreichen darf, um den bürokratischen Aufwand für beide Seiten möglichst gering zu halten. „Generell ist die gesetzliche Frist sinnvoll“, erklärt Rechtsanwalt Dr. Geyer. „Durch eine frühere Einforderung muss der Arbeitnehmer sich oft im akuten Zustand zum Arzt begeben, obwohl Bettruhe günstiger wäre. Außerdem können so langwierige Krankschreibungen vermieden werden.“

Weiterlesen: Frust am Arbeitsplatz: Wenn der Kollege andauernd oder wiederholt krank ist (Anzeige)

Kontakt: Wer weitere Fragen zu diesem Thema hat, kann sich Dr. Fabian Geyer vom Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde wenden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert