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Beruf & Karriere

12. Dezember 2017 | 00:04 Uhr

Versicherungen : Achtung, Papierkram!

vom

"Ach, Papa" mag mancher Berufsanfänger seufzen. Und sich zurücksehnen in die Zeit, als die Eltern das Thema Versicherungen für einen erledigten. Denn geht es um Policen, sind viele Hochschulabsolventen ahnungslos. Dabei brauchen sie zwingend nur drei Versicherungen.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2012 | 02:10 Uhr

Mit dem ersten Job ist es ein bisschen so wie mit dem ersten Auto. Beides bringt ein großes Stück Freiheit mit sich. Während das Auto einen räumlich unabhängig macht, sorgt das erste Gehalt für finanzielle Selbstständigkeit. Doch beides bringt neben vielen Vorteilen auch eine lästige Pflicht mit sich: die Auseinandersetzung mit Versicherungen. Denn mit dem Eintritt ins Berufsleben müssen junge Menschen sich selbst versichern. Bis dahin sind die meisten gegen Krankheit oder Unfälle über ihre Eltern mitversichert.
"Drei Versicherungen sind dabei existentiell", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Das sind die Krankenversicherung, eine private Haftpflichtversicherung sowie eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Ohne eine dieser Versicherungen sollte niemand sein. Denn wem sie fehlen, dem droht im Fall der Fälle der finanzielle Ruin. Alle weiteren Policen - etwa eine Rechtsschutzversicherung - können nützlich sein. Um sie sollten Berufsanfänger sich jedoch erst kümmern, wenn sie die anderen drei Versicherungen abgeschlossen haben.

Krankenversicherung: Eine Krankenversicherung muss in Deutschland jeder haben. Anders als etwa eine private Haftpflichtversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sie nicht optional, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Die Krankenversicherung sichert das Risiko ab, das eine Krankheit mit sich bringt. Sie springt etwa ein, um die Kosten für die Behandlung bei einem Arzt zu übernehmen. "Der Haupttipp für Berufsanfänger ist hier, in die gesetzliche Krankenversicherung zu gehen", sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Denn die private Krankenversicherung sei gerade am Anfang des Berufslebens in der Regel deutlich teurer als der gesetzliche Versicherungsschutz.

Für welche gesetzliche Krankenkasse sich Berufsanfänger entscheiden, ist mit Blick auf die Beitragskosten egal. "Der Beitrag in den gesetzlichen Krankenkassen ist für alle gleich", erklärt Sabine Strüder, Expertin für Gesundheit und Pflege der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Er liegt bei 15,5 Prozent. Bemessungsgrundlage ist dabei das beitragspflichtige Bruttoeinkommen.

Bei der Wahl der Krankenkasse sollten Berufsanfänger darauf achten, dass die Krankenkasse keine zusätzlichen Beiträge erhebt. "Manche Kassen haben in der Vergangenheit Zusatzbeiträge erhoben. Momentan verzichten jedoch fast alle darauf", sagt Strüder. Gut sei es auch, die von der Krankenkasse angebotenen Zusatzleistungen genauer zu untersuchen. So zahlen manche Krankenkassen etwa einen Zuschuss zu einem Yoga- oder Rückenkurs. Praktisch sei außerdem, wenn die Krankenkasse eine Geschäftsstelle vor Ort anbietet. Denn manchen sei es lieber, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, statt alles am Telefon zu regeln.

Private Haftpflichtversicherung: Eine private Haftpflichtversicherung sollten Berufsanfänger möglichst bald abschließen. Denn sie schützt vor allen Kosten für Schäden, die man einem anderen Menschen zufügt. Wer etwa mit dem Fahrrad im Straßenverkehr einem anderen die Vorfahrt nimmt und der andere trägt durch den Unfall eine Behinderung davon, muss womöglich bis an sein Lebensende für den anderen zahlen.

Bis zum Berufseintritt sind die meisten jungen Menschen über die Haftpflichtversicherung ihrer Eltern mitversichert. Mit dem Antritt der ersten Stelle müssen Jobneulinge sich jedoch um einen eigenen Versicherungsschutz bemühen.

Der Versicherungsschutz ist nicht besonders teuer: "Eine gute Versicherung ist bereits für 60 bis 70 Euro im Jahr zu haben", erklärt Boss. Bei der Auswahl einer privaten Haftpflichtversicherung sollten Berufsanfänger darauf achten, dass die Versicherungssumme ausreichend hoch ist. "Die Versicherungssumme sollte bei mindestens drei Millionen liegen. Besser noch sind fünf Millionen Euro", so Boss.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Die dritte Versicherung, die jeder Berufsanfänger haben sollte, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie sorgt für den Unterhalt, falls ein Berufstätiger so schwer erkrankt, dass er nicht mehr arbeiten kann. Das kann etwa eine körperliche Erkrankung sein in Folge eines Unfalls oder eine psychische Erkrankung wie eine Depression.
Zwar bekommen Berufsunfähige auch vom Staat eine Erwerbsminderungsrente gezahlt. "Diese liegt jedoch bei rund 33 Prozent vom Bruttoeinkommen", sagt Boss. Da diese Summe für den Lebensunterhalt meist nicht ausreicht, sei eine private Absicherung unabdingbar. Bevor Berufsanfänger eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, sollten sie sich jedoch umfassend beraten lassen. Denn anders als die private Haftpflichtversicherung ist die Berufsunfähigkeitsversicherung teuer. Die Kosten lägen schnell bei 30 Euro pro Monat, so Boss.

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