Der eigene Chef sein : Darauf kommt es beim Gründen an

Erfolg durch eine ungewöhnliche Idee: Mit der Bugfoundation setzten Max Krämer (l.) und Baris Özel gemeinsam mit Maximilian Kultscher auf Insektenburger.
Erfolg durch eine ungewöhnliche Idee: Mit der Bugfoundation setzten Max Krämer (l.) und Baris Özel gemeinsam mit Maximilian Kultscher auf Insektenburger.

Wer sich direkt nach dem Studium selbstständig macht, hält ab Tag 1 die Zügel in der Hand. Wer hilft? Und was muss man wissen?

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28. März 2021, 00:00 Uhr

Osnabrück | Max Kultscher verdient sein Geld mit Entomophagie. Nie gehört? Entomophagie bedeutet, dass Heuschrecken, Mehlwürmer und Raupen auf dem Speiseplan stehen. Die Bugfoundation, das Start-up, für das Max arbeitet, ist auf Burger aus sogenannten Buffalo-Insekten spezialisiert. Der Trick daran: Dass man in einen Patty aus Insektenmehl statt aus Rinder- oder Schweinefleisch beißt, fällt rein optisch nicht auf.

Die Idee für das Start-up hatten Baris Özel und Max Krämer. Sie wissen, was es heißt, in ein ganzes Insekt zu beißen: 2011 bereisen die Freunde die Welt und essen auf den Straßen Bangkoks zum ersten Mal Insekten. Einige Jahre später kommt die Idee, daraus ein Business zu machen. Zuvor hat sich Max Krämer in seiner Bachelorarbeit mit Entomophagie beschäftigt, weil er das Potenzial von Insekten auf dem Teller erkannte: Im Gegensatz zu Rindern, Schweinen und Geflügel verbrauchen die Krabbeltiere weniger Flächen und Ressourcen und sind zugleich echte Eiweißbomben. Eine nachhaltige Lösung für ein Alltagsproblem.

Der Insektenburger der Bugfoundation soll bei in 'zweiter Generation' starten.
Gayer Fotografie Melle/Bugfoundation
Der Insektenburger der Bugfoundation soll bei in "zweiter Generation" starten.

 

Vom Dachboden bis ins Kühlregal

Auf Baris‘ Dachboden richteten die Gründer der Bugfoundation ein provisorisches Büro ein. „Wir haben auch Freunde zu Kochpartys eingeladen“, erinnert sich Max Kultscher, der seit der Gründung mit am Start ist. „Sie haben unsere Experimente probiert und bewertet.“ Das Feedback motivierte das Trio weiterzumachen – Entomophagie war damals noch Neuland.

Heute sieht das anders aus. 2015 zog die Bugfoundation ihren ersten Kunden an Land, ein Jahr später winkte eine zweijährige Förderung durch die EU. In zahlreichen Supermärkten und auch in der Burgerkette „Hans im Glück“ konnte man die Insektenpattys kaufen. Bald kommt mit dem BEAT Burger eine Weiterentwicklung des Pattys auf den Markt. Und vielleicht haben die einen oder anderen auch Anfang 2020 in einem Insektenburger gebissen, denn im Januar hat die Osnabrücker Mensa den Studierenden die Pattys kredenzt.

Zur Gründung gehören viele Überstunden

Dass die Bugfoundation heute steht, wo sie steht, kam nicht von allein. Als die drei das Start-up gründeten, waren sie noch im Studium. „Wir konnten zu Beginn noch nicht davon leben“, erzählt Max Kultscher. „Wir steckten 100 Prozent in die Bugfoundation, hatten aber noch Teilzeitjobs, um über die Runden zu kommen.“ Stress, Nachtschichten und jede Menge Arbeit, auch dann, wenn andere Urlaub machen – das gehörte zur Gründung dazu.

Das ist wahrscheinlich auch der Punkt, warum in Deutschland recht wenige Unternehmen gegründet werden. Die Gründerquote lag 2019 bei 1,17 Prozent, gemessen an der gesamten Berufsbevölkerung. Denn nicht jede:r kann mit der Unsicherheit umgehen, die jede Gründung mit sich bringt: Gründer:innen haben lange Zeit kein festes Einkommen und anders als Angestellte keine dauerhafte Perspektive. Die ersten fünf Jahren, so sagt es die Statistik, überlebt die Hälfte der Start-ups nicht.

Denn jede Gründung, jedes Start-up ist anders. Neben einer gesunden Mischung aus Mut und Realismus spielt auch der Faktor Glück beim Gründen eine Rolle. Zwar gibt es das Lehrbuchbeispiel – Idee, Beratung, Business Plan, Finanzierung –, doch das Schema F geht nicht immer auf.

Keine Entmutigung – Anpacken ist gefragt!

Hier wären wir wieder bei der Bugfoundation: Als sie mit der Entwicklung begann, waren Burger aus Insekten in der EU noch verboten. Dank Grundlagenforschung konnte die Bugfoundation aber diese Hürden zum Fall bringen. „Man darf nie vergessen: Start-ups haben einen innovativen Charakter und stellen bestehende Strukturen auf den Prüfstand“, meint Max Kultscher dazu. Wenn zum Beispiel eine erste Beratung deshalb nicht auf Anhieb erfolgreich verläuft, solle man sich deswegen nicht entmutigen lassen, ergänzt er. Den idealen Gründungsprozess haben die drei Gründer der Bugfoundation nicht durchlaufen – trotzdem haben sie es geschafft.

Daneben fügt er hinzu, dass man als Gründer:in eine gewisse Hands-on-Mentalität brauche. „Wir wollten etwas schaffen. Wir haben an unsere Idee, an unser Produkt geglaubt“, sagt Max. Trotzdem müsse man sein Produkt immer wieder kritisch hinterfragen und auch Feedback einholen. Wobei diese Kritik auch nicht immer positiv ausfallen muss – denn auch daran wächst man.

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