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Weniger Fische im Meer : Wie viel Fisch können wir noch fangen?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Überfischung hat das Sinken der Fischbestände zur Folge. Doch sind Fischarten wirklich vom Aussterben bedroht?

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 09:10 Uhr

Seit 1950 hat sich die Menge des angelandeten Fisches mehr als vervierfacht. Gut 80 Millionen Tonnen werden jedes Jahr aus dem Meer gefischt, und es gibt viele Hinweise dafür, dass diese Menge die Reproduktionsfähigkeit vieler Arten auf Dauer überfordert.

Doch genaue Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen: Fische zu zählen, ist eine aufwändige und nicht ganz leichte Angelegenheit. So gelten laut der Welternährungsorganisation FAO knapp 30 Prozent der Fischbestände als zusammengebrochen oder überfischt. Doch da die FAO längst nicht alle Fischbestände weltweit erfasst, hat ein amerikanisch-deutsches Forscherteam vor einiger Zeit allein auf der Basis von Fangdaten auch bisher nicht berücksichtigte Meeresgebiete und Bestände untersucht. Ihr Ergebnis: Über die Hälfte der Bestände sind überfischt.

Dabei sind allerdings die wenigsten Arten tatsächlich vom Aussterben bedroht. Denn kleine Bestände, für die der Fangaufwand sehr groß wäre, sind wirtschaftlich unrentabel. Die Fischerei würde hier also schon aussetzen, lange bevor der letzte Fisch gefangen wäre. Weil sich Fische zudem sehr schnell und zahlreich fortpflanzen, können sich auch sehr kleine Bestände wieder erholen. Traurige Ausnahmen gibt es allerdings auch hier: So bringen etwa manche Thunfischarten so viel Geld ein, dass sich das Fangen der bereits jetzt sehr selten gewordenen Fische noch immer lohnt.

So umstritten die Zahlen im einzelnen unter Wissenschaftlern sind, so einig ist man sich bei dem Grundproblem: Ein Bauer würde nie so viel Vieh auf einmal schlachten, dass er seinen Ertrag damit auf Dauer gefährdet. Eben das aber ist lange Jahre in der Fischerei geschehen. Besonders schwierig ist die Situation dabei auf der so genannten Hohen See, also außerhalb der 200 Seemeilen breiten, nationalen Wirtschaftszonen. Denn dort kann im Prinzip jeder so viel fischen, wie er will. Und das ist eine Situation, in der sich eine langfristige Planung und eine Schonung der Bestände für den einzelnen nicht lohnt. Denn in der Zwischenzeit kann ein anderer kommen und die „geschonten Fische“ wegfangen.

In den nationalen Wirtschaftszonen dagegen gibt es teilweise positive Entwicklungen. Das jüngste Beispiel in der EU ist die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik: Sie schreibt ab diesem Jahr den so genannten „MSY“ als Zielwert für die Fangquoten vor. Die englische Abkürzung steht für den „maximalen Dauerertrag“ und beschreibt eine Bestandsgröße, bei der die Fischer Jahr für Jahr den größtmöglichen Ertrag erzielen würden und die zumeist weit über den heute existierenden Bestandsgrößen liegt. Dass dieser Wert eine sinnvolle Richtschnur liefert, darüber sind sich die meisten Forscher einig. Doch weil die Bestandsentwicklungen von vielen Umweltfaktoren abhängen, ist seine genaue Ermittlung nicht ganz einfach. Ob er dann auch in den aus Brüssel vorgegebenen Fangmengen tatsächlich berücksichtigt wird, muss sich in der nächsten Zeit zeigen.

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