350 Jahre Christian-Albrechts-Universität : Was wäre die Welt ohne die Kieler CAU?

Ideenschmiede made in Kiel: Viele Gelehrte der CAU veränderten mit ihren Entwicklungen die Welt.
Ideenschmiede made in Kiel: Viele Gelehrte der CAU veränderten mit ihren Entwicklungen die Welt.

Lasertechnik, Erste Hilfe und Schutz vor Radioaktivität - dies sind nur drei bahnbrechende Erfindungen, die die Welt veränderten und aus Kiel kommen.

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28. Januar 2015, 06:00 Uhr

Herzlichen Glückwunsch Christian-Albrechts-Universität: Vor 350 Jahren öffnete die Bildungsstätte im Gebäude eines ehemaligen Franziskanerklosters seine Tore. Seitdem ist viel passiert - und zwar einiges, was man auf Anhieb gar nicht vermuten würde. Denn viele wichtige Erfindungen und wegweisende Ideen hatten in Kiel ihren Ursprung. Bekannte Professoren und Forscher lehrten und lernten in der Landeshauptstadt. Was würde der Welt heute fehlen, wenn es die CAU nicht geben würde? Wir haben mal nachgeforscht.

Die Kieler Universität hat einige Nobelpreisträger hervorgebracht, die für ihre weltverändernden Ideen ausgezeichnet wurden. Zu ihnen gehört der gebürtige Kieler Max Planck.

Ein großer Kopf aus Kiel: Der Physiker Max Planck (1858- 1947) legte den Grundstein für die moderne Quantenphysik und gewann 1918 den Nobelpreis für Physik. 1885 - 1889 lehrte er bis zu seiner Berufung nach Berlin als Professor an der Kieler Universität.
dpa
 

Ohne ihn würde es keine Mikroelektronik, Lasertechnik und keine Energiesparlampen geben: Der Physiker gilt als Begründer der Quantenphysik und erhielt die Auszeichnung 1918. Was viele nicht wissen: Planck war sehr musikalisch, sang und spielte Orgel. Sogar ein Musikstudium war im Gespräch. Zum Glück für die naturwissenschaftliche Forschung entschied er sich jedoch für ein Physikstudium - zunächst in München und Berlin, ehe er 1885 für seine erste Professorenstelle in seine Heimatstadt zurückkehrte.

Weitere Nobelpreisträger sind die Chemiker Otto Diels und Kurt Alder. Die beiden erhielten 1950 gemeinsam den Nobelpreis für die nach ihnen benannte Diels-Alder-Reaktion, mit deren Hilfe viele Stoffe hergestellt werden können.

1950 bekamen Kurt Alders (links) und Otto Diels (rechts) den Nobelpreis für Chemie.
imago/ZUMA/Keystone
1950 bekamen Kurt Alders (links) und Otto Diels (rechts) den Nobelpreis für Chemie.

Anders als viele andere Professoren, verbrachte Diels seine gesamte akademische Laufbahn in Kiel. Von 1925 bis 1926 war er ihr Rektor. Zur Erinnerung an den bekannten Chemiker gibt es den Dielsweg im Stadtteil Düsternbrook und eine Gedenktafel am Standort des ehemaligen chemischen Instituts in der Brunswiker Straße 2. Kurt Alder bekam eine Auszeichnung ganz anderer Art: Ein Krater auf dem Mond ist nach ihm benannt.

Bei dem Namen Geiger denkt man sofort an den Zähler, den Hans Geiger entwickelt hat.

Kann Leben retten: Der Geigerzähler zeigt radioaktive Strahlung an.
Patrick Seeger
Kann Leben retten: Der Geigerzähler zeigt radioaktive Strahlung an.

Von 1925 bis 1929 unterrichtete er als Professor für Experimentalphysik an der CAU. Dort entwickelte er 1928 seinen Zähler, der Leben rettet. Denn mit dem Gerät misst man radioaktive Strahlung. Der Grundstein für Geigers erfolgreiche Forschung wurde bereits zuvor in Manchester gelegt. Er arbeitete dort mit dem späteren Chemie-Nobelpreisträger Ernest Rutherford zusammen, mit dem er über die Alphastrahlung forschte.

Für die Eigenstaatlichkeit Schleswig-Holsteins und für eine liberale Bewegung in Deutschland: Der Historiker Friedrich Christoph Dahlmann war von 1812 bis 1829 außerordentlicher Professor für Geschichte an der Kieler Universität. Er lehrte jedoch nicht nur an Universitäten, er war auch politisch aktiv.

Gegen die Willkür der Herrschenden: Friedrich Christoph Dahlmann trat für eine liberale Welt ein.
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Gegen die Willkür der Herrschenden: Friedrich Christoph Dahlmann trat für eine liberale Welt ein.
 

Zusammen mit sechs weiteren Göttinger Uni-Professoren bildete Dahlmann die „Göttinger Sieben“. Die Gelehrten protestierten gegen die Willkür des hannoverschen Königs. Ernst August II von Hannover setzte nach seiner Thronbesteigung 1837 die von Dahlmann mit entworfene Verfassung außer Kraft. Dahlmann wurde aufgrund seines Protestes des Landes verwiesen.

Seinen liberalen politischen Ansichten jedoch blieb er treu. 1848 war er Vertrauensmann in der Frankfurter Nationalversammlung, die mit der Errichtung eines deutschen Nationalstaats betraut war. Neben seinen Ideen und Visionen hat Dahlmann der Nachwelt auch jede Menge Literatur hinterlassen. In der Bibliographie „Quellenkunde der deutschen Geschichte“ hat er die Quellen und Literatur zur deutschen Geschichte 1830 zusammengestellt.

Ohne ihn gäbe es keine Erste Hilfe in Deutschland: Johann Friedrich August von Esmarch. Der Mediziner ist Mitbegründer der Ersten Hilfe in Deutschland. 

Ab 1854 war Johann Friedrich August von Esmarch Direktor des Chirurgischen Klinikums in Kiel.
Landesbibliothek SH
Ab 1854 war Johann Friedrich August von Esmarch Direktor des Chirurgischen Klinikums in Kiel.
 

Von Esmarch nahm als Arzt an den Kriegen 1848 - 1850 und 1864 (Deutsch-Dänische Kriege) und 1866 sowie 1870/71 teil. Ab 1854 war er Direktor des Chirurgischen Klinikums in Kiel, wo er sich besonders mit der Kriegschirurgie befasste. Diese war fortan sein Steckenpferd. Sein Wissen hielt er 1877 im „Handbuch der Kriegschirurgischen Technik“ fest. Eine Sofortmaßnahme wurde sogar nach ihm benannt: die Esmarch'sche Blutleere. Hierbei werden bei Verletzungen Oberarm oder Oberschenkel abgebunden, um den Blutfluss zu stillen.

Forschung aus Kiel dringt sogar in Weiten vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Und dabei geht es um nicht weniger als den Ursprung des Lebens.

Mitarbeiter der Technischen Fakultät in Kiel haben die Füße für das Mini-Labor „Philae“ gebaut, das im November 2014 auf dem Kometen „Tschuri“ landete. Insgesamt drei Sätze der Beine wurden gefertigt. „Eines ging bei Tests kaputt, eines ist nun unterwegs und eines war Reserve“, sagt Handwerksmeister Matthias Burmeister.

Wer sich jetzt wundert, warum so wenig Frauen vertreten sind: Es gab nicht viele berühmte Professorinnen. In Preußen durften Frauen erst ab 1909 eine Universität besuchen und erst ab 1919 habilitieren.

Eine Dame, die aber auf jeden Fall erwähnt werden muss, ist Johanna Mestorf. Die Archäologin legte mit ihrer prähistorischen Sammlung nämlich die Grundlage für das Schleswig-Holsteinische Archäologische Landesmuseum Schloss Gottorf.

Seit dem Jahr 1999 fasst die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und das Archäologische Landesmuseum zusammen.
Carsten Rehder
Seit dem Jahr 1999 fasst die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und das Archäologische Landesmuseum zusammen.

Johanna Mestorf war die Begründerin der deutschen Moorleichenforschung. Zudem war sie die erste Museumsdirektorin Deutschlands. Sie leitete ab 1891 das Museum für vaterländische Altertümer in Kiel. Ab 1899 war sie die erste Professorin in Schleswig-Holstein, und dass, obwohl sie nie studiert hatte. Ihr Vater hatte ihre Liebe zur Archäologie geweckt. Mestorf brachte sich ihr Wissen selbst bei. Sie übersetzte Fachartikel und nahm an Kongressen teil. Nie verheiratet, ließ Mestorf sich mit „Fräulein Professor“ anreden.

Weitere Forscher und Vordenker von der CAU gibt es auf den Seiten der Universität zu entdecken.

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