zur Navigation springen

350 Jahre CAU : Uni Kiel: Alte Privilegien, moderne Forschung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Universität feiert 350-jähriges Bestehen. Prügelnde Studenten und Theologie-Professoren: Ein Blick auf die Anfänge.

Die Begeisterung der Kieler Bürger hielt sich in Grenzen, als sie von den Plänen ihres Herzogs erfuhren. Eine Universität in Kiel? Das, so die Befürchtung, würde vor allem eines bedeuten: Junge, wohlhabende Männer, die „mit Fressen, Sauffen und allerley leichtfertigem Wesen sehr ärgerlich“ wären. Sollte sich doch Schleswig, das damals ebenfalls als Universitäts-Standort im Gespräch war, mit diesen Rüpeln rumschlagen.

Aber die Entscheidung fiel trotzdem auf Kiel, denn hier stand – anders als in Schleswig – gleich ein Gebäude zur Verfügung: das ehemalige Franziskaner-Kloster; außerdem versprach sich ein anderer Teil der Kieler Bürgerschaft wirtschaftliche Vorteile von der Bildungsanstalt. Wer fressen und saufen will, muss schließlich erstmal kaufen. So gründete Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf also vor 350 Jahren seine Christiana Albertina in der heutigen Landeshauptstadt, die damals Teil des Herzogtums Holstein war. Am 5. Oktober 1665 wurde mit einem Festakt in der Nikolaikirche die Hochschule eröffnet.

In den Tagen zuvor hatte der Herzog die materielle Ausstattung der Universität festgelegt. 6000 Taler im Jahr gab es aus der herzoglichen Schatulle (eine Köchin verdiente damals etwa 10 Taler im Jahr), die Universitätsbibliothek wurde mit wertvollen Handschriften und Drucken der einstigen Bordesholmer Klosterbibliothek ausgestattet, und dazu spendierte der Herzog noch 36 Eichenstämme aus seinem Forst für den Umbau des Kieler Klosters zum Universitätsgebäude. In dem alten Gemäuer war, glaubt man den Quellen, reichlich Renovierungsbedarf.

Im ersten Jahr zogen dann 140 Studenten ein, die Hälfte davon Theologen. Protestantische Theologen wohlgemerkt, auf diese Entscheidung wurde damals viel Wert gelegt. In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung durfte kein Katholik eine Professur übernehmen.

Zahlreiche Privilegien wurden der Universität zugestanden, das bemerkenswerteste war wohl die Gerichtshoheit. Professoren und ihre Familien, Studenten und deren Bedienstete unterstanden juristisch der Universität und nicht dem Recht der Stadt oder des Herzogtums. Sogar Todesurteile durfte die Hochschule aussprechen – immerhin: Der Herzog musste diesen noch zustimmen.

Und die Befürchtungen der städtischen Bedenkenträger wurden wahr. So beschreibt Karl Jordan in seiner Chronik zum 300-jährigen Jubiläum der CAU das studentische Leben im 17. Jahrhundert als „recht roh: Das wirkte sich auf das Verhältnis zwischen den Studenten und den Bürgern aus. Zwischen ihnen bestand zeitweilig eine Art Kriegszustand, der in Händeln und Schlägereien seinen Ausdruck fand.“

Laut Jordan brachte erst die allmähliche Beseitigung der rechtlichen Privilegien während des 19. Jahrhunderts Frieden zwischen Stadt und Universität.

Vor dem Hintergrund dieser wechselhaften Beziehung sollte die Sympathiebekundung des heutigen Kieler Oberbürgermeisters Ulf Kämpfer mit besonderem Augenmerk gelesen werden: „Was für ein Glück ist es, dass die Universität inmitten unserer wachsenden Stadt liegt.“ Kein Wort mehr vom leichtfertigen Wesen der Studenten (und dem der Studentinnen, seit 1908 dürfen sich auch Frauen immatrikulieren), kein Wort mehr über die damit verbundenen Laster.

Und wer an einem dieser ersten Apriltage das Uni-Gelände besucht, denkt tatsächlich weniger an Festtage denn an Alltag. Immerhin: Ein paar Fahnen wehen im kalten Wind, sie künden von dem besonderen Jahr: CAU – Seit 350 Jahren ganz weit oben. Das Café um die Ecke verkauft Jubiläums-Muffins.

Auf dem Christian-Albrechts-Platz zwischen Olshausenstraße und Westring läuft eine Gruppe Studenten den kurzen Weg vom Uni-Hochhaus zum Audimax, die Kragen der dicken Jacken bis oben hin geschlossen. Kein Geburtstagswetter, nur dunkle Regenwolken, die tief über dem Campus hängen. Hier oben, im Nordwesten der Stadt, wurde die CAU in der Nachkriegszeit angesiedelt, eine Randlage, die den großen Kriegsschäden in der Stadt geschuldet war.

Von 1876 bis zum zweiten Weltkrieg war das Hauptgebäude der Universität im Schlosspark angesiedelt, zwischen Kunsthalle und Kieler Schloss. Es wurde, wie viele andere Gebäude der Hochschule, im Krieg schwer beschädigt und 1955 abgerissen. Eine kurze Zeit lang wurde bei Kriegsende aufgrund der großen Schäden über eine Verlegung der Universität nach Schleswig nachgedacht – aber die Kieler Bürger mochten sich von ihrer Universität nicht mehr trennen.

Im Schlosspark direkt an der Förde erinnert heute eine niedrige Mauer an den Standort des zerstörten Kollegiengebäudes auf dem alten Uni-Gelände. Über die Mauer führt ein Weg – von dort geht der Blick hinüber zur Nikolaikirche, wo vor 350 Jahren die Geschichte der Christian-Albrechts-Universität begann.


Alle Veranstaltungen zum Jubiläum unter:

www.uni-kiel.de/cau350/erleben



zur Startseite

von
erstellt am 13.Apr.2015 | 13:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen

Nachrichten