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Kulturen im Vergleich : Umgang mit Senioren: Was wir von Norwegen und China lernen können

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Aus der Onlineredaktion

Der Umgang mit dem älteren Teil der Bevölkerung hängt zu großen Teilen von den kulturellen Leitbildern der Gesellschaft ab. Wie sich verschiedene kulturelle Leitbilder auf das Altern auswirken, ist kaum erforscht.

Kiel | Kultur geht unter die Haut, und zwar in einem sehr konkreten Sinn: Es sind nicht nur unterschiedliche kulturell bedingte Gewohnheiten im Koch-, Ess- und Bewegungsverhalten, die sich etwa an der Knochendichte nachweisen lassen.

Auch Umweltfaktoren beeinflussen den menschlichen Körper so nachhaltig, dass diese Veränderungen an die nächste Generation weitergegeben werden. Daher sind kulturelle Leitbilder prägend für unseren Körper und Geist. Auf das Altern bezogen, wirken sie im Verlaufe eines Menschenlebens auch in neurophysiologischen Veränderungen des Gehirns – mit zunehmenden Lebensjahren verringert sich beispielsweise unsere Fähigkeit, kurzzeitig mehrere Informationen im Gedächtnis zu speichern.

Die abnehmende Muskelkraft lässt sich durch Wissen und Erfahrung – also kulturell erlernte Fähigkeiten – ausgleichen. Die Leistungsfähigkeit muss daher im Alter nicht notwendig geringer werden, sondern kann sich sogar steigern.

Kleinstaaten-Bewohner werden 20 bis 30 Jahre älter als Vorgänger-Generationen

Entsprechend verwundert es nicht, wenn das chronologische Alter (also die in Jahren messbar gelebte Zeit), das laut der WHO mit 65 Jahren einsetzt, alles andere als deckungsgleich ist mit dem „funktionalen Alter“, das sich direkt auf die jeweiligen psychischen, körperlichen und sozialen Dimensionen bezieht.

So zeigt sich die verlängerte Lebenszeit, die weltweit seit Dekaden zunimmt, in unterschiedlichen Ländern in verschiedener Weise. Unter den Ländern mit der höchsten durchschnittlichen Lebenserwartung finden sich die Schweiz und Japan, doch auch andere Kleinstaaten wie Andorra, Island, Monaco und Singapur gehören neben großen Wirtschaftsnationen wie der Volksrepublik China zu den Ländern, deren Einwohner im Schnitt um 20 bis 30 Lebensjahre älter werden als die vorangegangenen Generationen.

Darüber, wie sich unterschiedliche kulturelle Leitbilder auf das Altern auswirken, gibt es bis dato keine umfassende vergleichende Forschung. Empirische Ergebnisse liegen allein zu den Ländern Brasilien, Norwegen, Frankreich, Großbritannien und Japan vor.

Für die Volksrepublik China gibt es einige wenige Einzeluntersuchungen. Dabei zeigt sich, dass in Japan, Norwegen und den USA gegenwärtig eine hohe Anerkennung des Alters vorherrscht. In diesen Ländern begann man bereits vor Jahren, die Herausforderungen des demografischen Wandels zu diskutieren.

China: Senioren werden voll integriert

In Norwegen werden zum Beispiel bis zu 50 Prozent aller Kosten für den Bau von Pflegeheimen vom Staat übernommen. In den USA wird eine Kultur des „gesunden, erfolgreichen Alterns“ gefördert, wobei die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Alternden in den Vordergrund gerückt wird.

In Frankreich und auch in Norwegen werden die Bildungsangebote für Alternde betont. In Japan und auch in China werden Visionen von der zweiten beruflichen Karriere angedacht.

Bezieht man die Aspekte der Hochaltrigkeit und der damit einhergehenden besonderen Bedürftigkeit mit ein, so werden Alternde in Norwegen vergleichsweise am besten behandelt. Betont man die Frage der aktiven Partizipation in familiären und gesellschaftlichen Zusammenhängen, so sind vielleicht immer noch chinesische Verhältnisse vorbildhaft, denn dort gehört die Kindespietät nach wie vor zur höchsten aller Tugenden.

Auch wenn sich im Zuge der rapiden Kommerzialisierung gegenwärtig Risse in der chinesischen Morallandschaft abzeichnen, ist das Thema Altern im Zusammenhang mit aktiver Partizipation und Selbstsorge allgegenwärtig. Der Staat fördert und unterstützt Präventiv-Programme in unterschiedlichen Facetten.

Podiumsdiskussion in Flensburg zum demographischen Wandel in Deutschland

Freilich, die Millionen von Alternden, die sich in öffentlichen Parks und Plätzen in kleineren und größeren Gruppen zusammenfinden, um zu tanzen, Kalligrafie zu üben, ihre Vögel auszuführen, zu spielen oder einfach nur zusammen zu sitzen und zu schwatzen, sind nicht diejenigen, die bettlägerig sind, und in Ermangelung an Kindern, auf einen Heimplatz warten. Denn der ist aufgrund der wachsenden Nachfrage in der Regel nur nach langen Wartezeiten zu bekommen.

Auch hierzulande steigt die Nachfrage nach Heimplätzen, während die ärztliche Versorgung auf dem Land immer schlechter wird. Die Auswirkungen des demographischen Wandels stehen auch im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion am 29. Oktober in Flensburg.
 

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erstellt am 27.Okt.2015 | 09:45 Uhr

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