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„Genome Editing“ : Keine Spur des menschlichen Tuns

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Frank Kempken erklärt das Verfahren des „Genome Editing“. Er führt die Abteilung für Botanische Genetik und Molekularbiologie an der CAU-Kiel.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2015 | 11:01 Uhr

Kiel | Im Gegensatz zu älteren Gentechnik-Verfahren wird beim „Genome Editing“ kein Gen hinzugefügt, sondern die Methode basiert darauf, einzelne DNA-Nukleotide – die Bausteine der DNA – zu verändern. Solche Veränderungen nennt man Mutationen. Sie entstehen auf natürliche Weise in allen Lebewesen. Künstlich erzeugen ließen sich Mutationen bisher nur zufällig an beliebigen Positionen, die nicht vorherbestimmt werden konnten. Mit dem „Genome Editing“ ist es nun möglich, ganz präzise bestimmte DNA-Nukleotide zu verändern.

Bei der Rapssorte von Cibus wurde dazu ein kleines, künstlich hergestelltes Stück DNA in Rapszellen gebracht, das aus nur wenigen DNA-Nukleotiden besteht. Dieses kleine DNA-Stück entspricht dabei weitgehend der natürlichen Basenabfolge im Genom des Rapses und kann daher eine Basenpaarung mit der genomischen DNA eingehen.

Die Stelle, die verändert werden soll, kann jedoch keine Basenpaarung eingehen. Dies wird von der Zelle als Fehler erkannt und dementsprechend mit Hilfe natürlich vorkommender Enzyme repariert. Hierbei kommt es dann zu einer Veränderung der genomischen DNA entsprechend der Vorlage des künstlich hergestellten DNA-Fragmentes.

Es gibt mittlerweile verschiedene Varianten des „Genome Editing“, von denen das sogenannte CRISPR/Cas-System, das aus einem natürlichen Immunsystem von Bakterien entwickelt wurde, als das vielversprechendste angesehen wird, da es sehr effizient und mit sehr hoher Genauigkeit arbeitet und die benötigten Komponenten kostengünstig synthetisch hergestellt werden können. Typisch für alle Methoden des „Genome Editing“ ist, dass die entstandenen Veränderungen im Genom sich nicht mehr von natürlich vorkommenden Mutationen unterscheiden lassen. Es bleiben also keine Spuren des menschlichen Tuns zurück.

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