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Podiumsdiskussion in Flensburg : Demografischer Wandel – Krise oder Panikmache?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Donnerstag diskutieren fünf Experten die Folgen der „kollektiven“ Alterung, von dem auch Schleswig-Holstein betroffen ist.

Flensburg | „Früher hatten wir im Jahrgang zwischen 20 und 25 Schüler. Jetzt liegen wir eher bei zehn bis zwölf Kindern, die jedes Jahr eingeschult werden“, sagt Jan Thormählen, Bürgermeister der nordfriesischen Gemeinde Haselund. Die Kinderzahlen gehen zurück, das sei ein ganz offensichtliches Zeichen des demografischen Wandels.

Die Gemeinden rund um den 1000-Seelen-Ort stemmen sich gegen die Prognosen der Statistiker. Sie investieren in Freizeitangebote wie einem neuen Beach-Volleyball-Platz, renovieren das Freibad und unterstützen gemeinsam ihren Sportverein.

Haselund – das ist ein Ortsname unter vielen in Schleswig-Holstein. Die Landesregierung hat den demografischen Wandel zur Chefsache erklärt, auch wenn die kurzfristigen Prognosen positiv sind. Die Bevölkerung des nördlichsten Bundeslandes wächst nämlich. Im Schnitt jedes Jahr um 7000 neue Einwohner, die aus dem In- und Ausland kommen.

Dennoch warnen Experten vor einer „kollektiven“ Alterung. 2011 veröffentlichte Vorausberechnungen des Statistikamts Nord gehen davon aus, dass von 2010 bis 2025 in Schleswig-Holstein 43.000 Einwohner weniger leben (1,5 Prozent).

Expertin: „Ohne Zuwanderung wären viele ländliche Arztpraxen längst geschlossen.“

Das stellt vor allem die Versorgung im ländlichen Raum vor Herausforderungen. Dort verschärft sich zum Beispiel der Ärztemangel, warnt Hanna Kaduszkiewicz, Leiterin des Instituts für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität (CAU): „Wären nicht so viele Ärztinnen und Ärzte zugewandert, hätten viele, vor allem ländlich gelegene Kliniken und Praxen längst geschlossen.“

Kaduszkiewicz ist eine von vier Experten, die sich am kommenden Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion der Frage stellen: „Wie bekommen wir den demografischen Wandel in den Griff?“ (ab 19 Uhr in der Waldorfschule, Valentinerallee 1, in Flensburg). Im Fall des Landärztemangels seien mit besserer Ausbildung und Weiterbildung sowie einer attraktiveren Gestaltung von Praxen erste Schritte gemacht. Aber das reicht nicht, glaubt Kaduszkiewicz.

Wie reagiert die Landespolitik auf Entwicklungen wie diese? Der stellvertretende Ministerpräsident Robert Habeck (Grüne) wird bei der Veranstaltung auf diese Frage Antworten aus erster Hand geben können. Wie zum Beispiel soll auch in Zukunft genügend Wohnraum für ältere Menschen im Norden sichergestellt werden? Und wie passen die Flüchtlinge in die demografischen Prognosen?

2060 ist jeder zweite Deutsche mindestens 51 Jahre alt

Bis 2060 wird jede zweite in Deutschland lebende Person 51 Jahre oder älter sein. 3,3 Millionen oder fünf Prozent der Bevölkerung sogar 90 Jahre oder älter. Das hat der Sozialwissenschaftler und Demografie-Professor Eckart Bomsdorf in einer Studie der Universität Köln berechnet. Das werde erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit unseres Rentensystems haben, warnt Bomsdorf, der ebenfalls auf dem Podium mitdiskutiert.

Was das für die Wirtschaft bedeutet, zeichnet sich schon jetzt mit dem Fachkräftemangel ab. Die Auswirkungen reichen allerdings noch viel weiter – von leistungsfähiger Breitband-Infrastruktur bis hin zum Öffentlichen Personennahverkehr.

Für die Industrie- und Handelskammern in Schleswig-Holstein sind leistungsfähige Infrastrukturen eine wichtige Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand. Ulrich Spitzer von der Industrie- und Handelskammer Flensburg wird mögliche Handlungsansätze aus Sicht der Unternehmen im Land aufzeigen.

Und einer wird ganz genau hinhören: Jan Thormählen. Der Haselunder Bürgermeister weiß, worauf es den Gemeinden im ländlichen Raum ankommt. Wenn er über den demografischen Wandel spricht, klingt das nicht resignierend. Zusammen mit den Nachbarorten will der Bürgermeister die Folgen meistern: „Wir wollen unsere Dörfer attraktiv und lebenswert halten.“

Die Podiumsdiskussion findet am 29.10. um 19 Uhr in der Waldorfschule Flensburg, Valentinerallee 1, statt. Tickets gibt es in den Kundencentern Ihrer Tageszeitung, online auf shz.de/CAU und an allen Reservix-Vorverkaufsstellen.

 

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erstellt am 26.Okt.2015 | 18:00 Uhr

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