Krebserregender Stoff : Benzol in aromatisiertem Wasser

Die zart gefärbten Wässer, angereichert mit exotischen Aromen, locken als 'belebende' Erfrischungsgetränke. Foto: warentest
Die zart gefärbten Wässer, angereichert mit exotischen Aromen, locken als "belebende" Erfrischungsgetränke. Foto: warentest

Es sieht aus wie reines Mineralwasser: Die Stiftung Warentest hat "Near-Water-Produkte" untersucht - mit erschreckenden Ergebnissen.

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30. April 2013, 06:23 Uhr

Kiel | Ob mit Apfel-, Erdbeer- oder Zitronengeschmack - die neuen von der Lebensmittelindustrie auf den Markt gebrachten Wässer werden immer beliebter. Aber wie viel Frucht ist wirklich drin? 25 sogenannte "Near-Water-Produkte" mit Geschmack hat die Stiftung Warentest jetzt untersucht. Ergebnis: Kein Produkt im Test ist gut, fünf - darunter auch eins von Volvic und eins von Bonaqua sind sogar mangelhaft. Auch wenn die Anbieter mit Apfel, Erdbeere oder Orange werben - tatsächlich ist statt vollem Fruchtaroma meist nur ein Fantasiearoma im Wasser. "Eine klare Verbrauchertäuschung", meint Test-Chefin Anita Stocker. Zudem fanden die Tester krebserregendes Benzol in drei Wässern mit Kirschgeschmack. In einem Fall betrug die Belastung sogar das Dreifache des Grenzwertes, der für Trinkwasser gilt.

Mit einer Ausnahme schmecken die Produkte nicht einmal typisch wie die abgebildeten Früchte, sondern aromatisiert und nur fruchtähnlich. Die Bezeichnung "natürlicher Fruchtgeschmack" auf einigen Wässern ist irreführend. Auf fünf Wässern war das Aroma im Zutatenverzeichnis nicht korrekt angegeben. Sie sind deshalb nicht verkehrsfähig und dürften so nicht verkauft werden.

23 Stück Zucker in der 1,5-Liter-Flasche

Nur zwei Produkte im Test sind zuckerfrei. Alle anderen sind gesüßt, am meisten die Getränke mit Erdbeergeschmack. In den 1,5-Liter-Flaschen stecken 70 Gramm, das entspricht 23 Stücken Würfelzucker. Dadurch können bis zu 200 Kalorien pro Liter enthalten sein. Keines der Getränke enthält ein vollständiges Fruchtaroma, nennenswerten Fruchtsaft oder Fruchtmark. Verbraucher müssten beim Kleingedruckten schon sehr genau hinsehen, um das zu durchschauen. "Meist ist nicht drin, was draufsteht. Dafür ist aber drin, was nicht draufsteht", kritisierte Stocker.

Ernährungswissenschaftlerin Gudrun Köster von der Kieler Verbraucherzentrale klärt auf: Steht auf der Flasche mit Apfelgeschmack "natürliches Aroma", müsse der Geschmack nicht vom Apfel stammen, sondern könne aus anderen pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen hergestellt werden. Anders sieht es aus, wenn als Zutat "Apfelaroma vermerkt" ist: "In diesem Fall muss das Aroma zu 100 Prozent aus dem Apfel stammen, bei "natürlichem Apfelaroma" zu mindestens 95 Prozent".

Wasser mit Geschmack besser selbst zubereiten

Köster empfiehlt, Wasser mit Fruchtnoten lieber selbst herzustellen. Verbraucher könnten zum Beispiel eine Tasse Früchtetee mit einem Liter kaltem Leitungswasser mischen oder einen Schuss Fruchtsaft ins Wasser geben. Leitungswasser sei in Schleswig-Holstein von hervorragender Qualität. Außerdem gebe es in Sachen Benzol klare gesetzliche Grenzwerte, die engmaschig überprüft werden. "Ein Minzeblatt, einen Scheibe Zitrone oder etwas Ingwer geben einen fruchtigen Geschmack" , rät Köster allen, die jetzt beunruhigt sind und nach Alternativen suchen.

Und das sind nicht wenige. "Verbraucher sind verunsichert und fragen für weitere Getränke an. Es kam sogar zu Anfragen, ob auch Mineralwässer dieser Marken betroffen sind", berichtet die Kielerin. Aber hier kann Köster Entwarnung geben: "Bei den untersuchten Getränken handelt es sich um Near-Water-Getränke, also um mit Zusatzstoffen aufgepepptes Wasser. Mineralwässern wird kein Konservierungsstoff zugesetzt."

Benzol bildet sich aus Vitamin C und Benzoesäure

Anhand der Zutatenliste können Verbraucher am Zusatz "Benzoat" oder E-Nummern erkennen, ob Benzoesäure enthalten ist. Die genauen Bezeichnungen lauten Benzoesäure (E 210), Natrium-benzoat (E 211), Kaliumbenzoat (E 212) oder Calciumbenzoat (E 213). Wenn Erfrischungsgetränke Benzoesäure als Konservierungsstoff und zusätzlich Vitamin C (als Zusatz oder aus Früchten) enthalten, kann sich daraus Benzol bilden. Und zwar in nicht unerheblichen Mengen, wie die Untersuchungen gezeigt haben. "Obwohl das Problem Herstellern und Behörden seit einigen Jahren bekannt ist, hat sich anscheinend nicht viel getan. Ein Aufruf zum freiwilligen Verzicht auf Benzoesäure als Konservierungsstoff reicht nicht aus. Verbindliche Regelungen zum Schutz der Verbraucher sind notwendig", so Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale.

Wer nicht auf Near-Water-Getränke verzichten möchte, solle im Zutatenverzeichnis darauf achten, dass sie auf der Basis von Mineralwässern hergestellt sind, natürliche Saftanteile statt Aromen enthalten und frei von Konservierungsstoffen sind. Zudem wird empfohlen, den Kalorien- und Zuckergehalt im Auge zu behalten.

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