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Bauen & Wohnen

22. Oktober 2017 | 08:57 Uhr

Wenn die Zimmer zu klein werden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aus zwei mach eins – Schritt für Schritt zum Wanddurchbruch / Von tragenden Wänden sollte jeder Laie die Finger lassen

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2014 | 04:58 Uhr

Manchmal ist die Aufteilung der Wohnung einfach nicht praktisch. Statt zwei kleiner Zimmer bräuchte man ein großes. Oder es wäre gut, wenn ein Raum auch vom Flur aus betreten werden könnte. Der Abriss einer ganzen Wand oder der Durchbruch für eine Tür ist die scheinbar einfache Lösung. Aber Heimwerker sollten sich hier nicht überschätzen – zu groß sind die Gefahren, dass das Loch in der Wand zum Einsturz führt.

Die praktische Umsetzung hängt maßgeblich davon ab, ob es sich um eine tragende Wand handelt oder nicht. Ein Laie kann das höchstens beurteilen, wenn er selbst die Wand eingezogen hat oder wenn eine Probe belegt, dass sie aus Gipskarton besteht. Letzteres wäre keine tragende Wand. Aus der Wandstärke alleine kann man aber ihre statische Funktion nicht beurteilen. In 90 Prozent aller Fälle braucht man daher die Hilfe eines Statikers, so Juliane Moldrzyk vom Bund Deutscher Innenarchitekten. Stellt der Statiker fest, dass die Wand nicht tragend ist und ersatzlos entfernt werden kann, kann sogar der Heimwerker selbst zum Werkzeug greifen. „Von tragenden Wänden hingegen sollte jeder Laie die Finger lassen und eine Fachfirma beauftragen“, betont Michael Pommer, Trainer an der Heimwerkerschule DIY-Academy. „Wenn etwas schief geht, haftet die Firma.“ Vor Beginn der Arbeiten sollte der Abtransport des Bauschutts organisiert, also ein Container bei einer Entsorgungsfirma bestellt werden. „Die anfallende Schuttmenge wird berechnet, indem man Höhe, Breite und Tiefe des Durchbruches multipliziert und dieses Volumen verdoppelt.“

Einfach ist der Abtransport durch das Erdgeschoss, für Räume in oberen Stockwerken bieten sich Baurutschen an. Diese kettenartigen Röhren werden durch das Fenster gehängt und enden im Schuttcontainer, erklärt der Zimmermeister Olaf Schult aus Hamburg. „Staub ist gnadenlos und kriecht in jede Ritze“, sagt die Innenarchitektin Moldrzyk. Entweder man räumt beide Zimmer komplett aus, oder die Möbel kommen an das andere Ende des größeren Zimmers. „Dann kann man innerhalb des Raumes Staubschutzwände aufstellen“, so die Innenarchitektin. Auch die Übergänge zum Rest der Wohnung dichtet der Heimwerker ab. „Im Baumarkt sind Bauschleusen erhältlich“, sagt Pommer. Diese Planen mit Schlitz zum Durchgehen werden in den Tür- und Fensterrahmen geklebt. Laufen Wasser- oder Elektroleitungen durch den Wandabschnitt, müssen sie umgelegt werden – aber das ist immer Sache des Fachmannes.

Zum eigentlichen Durchbruch: „Die Grundausstattung besteht aus einem Vorschlaghammer, einem pneumatischen Bohrhammer oder auch Hammer und Meißel und einer Säge“, zählt Pommer auf. Soll eine Wand komplett entfernt werden, bietet es sich an, in der Wandmitte mit dem Vorschlaghammer zu beginnen. Die Anschlüsse an den Seitenwänden werden mit Hammer und Meißel oder einem mit Druckluft arbeitenden pneumatischen Bohrhammer angegangen.Wird die Wand hingegen nur für eine Tür geöffnet, wird sie zunächst an der oberen Kante des Durchbruchs aufgeschlitzt. „Der Schlitz muss beidseitig gut zehn Zentimeter breiter sein als der gewünschte Ausschnitt“, so Pommer. Hier wird zur Stabilisierung ein Sturz eingezogen, er erhält ein Mörtelbett und wird rechts und links mit Metallblättern unterkeilt. Erst wenn der Mörtel ausgehärtet ist, geht es an den eigentlichen Durchbruch. „Die Wand wird zunächst senkrecht zersägt und dann der Ausschnitt mit dem Hammer entfernt.“

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