zur Navigation springen

Vom Niedrigzins nicht blenden lassen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor dem Kauf eines Hauses die eigene Finanzkraft kritisch durchleuchten lassen

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 06:08 Uhr

Die Mini-Zinsen für Baugeld in Deutschland verlocken zunehmend auch Menschen zum Kauf einer Immobilie, die sich eigentlich keine leisten können. „Derzeit kommen viele Verbraucher fast ohne Eigenkapital und denken, alles ist möglich“, sagt Martin Reuter von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Beratungsgespräche für den Immobilienkauf seien derzeit auf Monate hin ausgebucht. Doch nicht allen Interessenten könne er nach gründlicher Prüfung der Finanzen zum Kauf raten: „Wir müssen viele Leute wegschicken, weil sie falsche Vorstellungen haben.“

Der Finanzexperte Hans-Peter Burghof sieht die anhaltend niedrigen Zinsen als Gefahr. „Die Möglichkeit, dass man ohne Kosten Geld bekommt, führt zu Leichtsinn“, warnt der Banken-Professor der Universität Hohenheim. Burghof sieht nach dem jahrelangen Ansturm auf Wohnungen und Häuser inzwischen die Gefahr einer Immobilienblase. Wenn die Zinsen in den kommenden Jahren wieder steigen oder der Wert einer Immobilie sinkt, drohen Probleme. „Dann hat man in zehn Jahren die finanziellen Belastungen eines Hauses, das man sich nicht mehr leisten kann.“

Wohnungen in besonders attraktiven Ballungsräumen sind nach Einschätzung der Bundesbank bereits zu teuer. Für die Immobilien seien zuletzt Preise verlangt und gezahlt worden, die nicht von längerfristigen demografischen und wirtschaftlichen Faktoren gedeckt seien.

Geschosswohnungen in den Ballungszentren sind nach den Schätzungen um bis zu 20 Prozent überbewertet. Das Beratungsunternehmen Empirica empfahl vor wenigen Tagen daher in klaren Worten, bei der Immobilienauswahl „höllisch aufzupassen“. Vor allem in Berlin, München, Hamburg oder Köln sind die Preise in den vergangenen Jahren in die Höhe geschossen. Selbst in ländlicheren Regionen in Deutschland zeigt der Trend nach oben. Natürlich nicht wie in den Ballungszentren: Eine neue 100-Quadratmeter-Wohnung in einer guten Lage in München ist kaum noch für 450 000 Euro zu haben. Trotzdem wagen viele Menschen den Kauf einer Immobilie. Denn für ein Darlehen von 200 000 Euro bei einer Laufzeit von zehn Jahren werden derzeit zum Beispiel bei einem Zinssatz von 2,5 Prozent und einer Tilgung von einem Prozent nur rund 580 Euro pro Monat fällig.

Außerdem: Nach zehn Jahren wären wegen der geringen Tilgungsrate erst 23 000 Euro der gesamten Kreditsumme abbezahlt. Liegen die Zinsen dann aber bei 4 Prozent, kostet die Anschlussfinanzierung der Summe von 177 000 Euro fast 740 Euro im Monat. Ist der Wert der Immobilie im gleichen Zeitraum gesunken, würde beim Verkauf zudem ein Verlust entstehen. In jedem Fall wäre es sinnvoll, eine deutlich höhere Tilgung und wegen der guten Konditionen eine längere Laufzeit, beispielsweise 20 Jahre, zu vereinbaren.

Auch die Nebenkosten für Makler, Notar und Grunderwerbssteuer dürften bei der Kalkulation nicht vergessen werden. Am Ende der Beratungsgespräche fließen manchmal Tränen: Wenn der Traum vom Eigenheim an den Zahlen platzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen