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„Viele Bauverträge sind mangelhaft“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verbraucherschützer in Schleswig-Holstein fordern ein Produktinformationsblatt für Bauwerke

Die Zinsen sind niedrig und in Schleswig-Holstein herrscht der Bau-Boom. „Bei zwei Prozent Zinsen und einer Laufzeit von zehn Jahren ist für viele nicht mehr die Frage, ob ich baue“. Es gehe nur noch ums Wann. Das sagt Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in Kiel. Das Problem: Nach den Erfahrungen der Verbraucherschützer sind Bauverträge oft mangelhaft.

Seit 2012 wertet die Verbraucherzentrale Bauverträge aus und erstellt Gutachten zu diesen – bislang in 20 Fällen. Bei der Bau- und Leistungsbeschreibung gibt es demnach bei 80 Prozent Mängel bei technischen Nachweisen – also beispielsweise Fragen zum Brandschutz. In 70 Prozent der Fälle fehlten Objektangaben wie zum Beispiel Grundrisse oder konkrete Maße. Ebenso oft blieb unklar, wer überhaupt konkret die Bauleitung im jeweiligen Fall inne hat.

Die Folgen solcher lückenhaften Verträge können für den Verbraucher schnell teuer werden: „Wenn ich den Bauträger in Regress nehmen will, muss ich feststellen, dass ich überhaupt keine vertragliche Regelung dafür habe.“ Wo detaillierte Angaben zum Bau aber fehlen, mangelt es auch an Transparenz. „Der Verbraucher ist somit gar nicht in der Lage zu vergleichen“, so Herte. „Wir wollen dem Trend entgegenwirken, dass jeder die vermeintliche Chance niedriger Zinsen nutzt.“

Die Verbraucherzentale in Schleswig-Holstein fordert daher ein Produktinformationsblatt für Bauwerke. Gespräche mit der Politik würden auch bereits geführt.

Einen ersten Ansatz gab es bereits 2007. Damals veröffentlichte das Bundesbauministerium eine „Checkliste zur Auswertung von Bau- und Leistungsbeschreibungen“. Doch diese Liste wurde seitdem nicht gepflegt und den neuen Entwicklungen angepasst. „Es kann nicht sein, dass Bauunternehmer mit nichtssagenden Verträgen auf den Markt drängen können“, kritisierte Herte. Die Verbraucher würden so gefährdet. Denn auch bei den Bauverträgen selbst beklagen die Experten oft Mängel – Verbraucher würden einseitig belastet.

Bei 18 geprüften Bauverträgen sei das Fertigstellungsdatum in mehr als der Hälfte vollkommen unverbindlich gewesen. Bei der Hälfte der Verträge habe es keine Preissicherheit gegeben. Auch dort, wo fixe Preise für Materialien vereinbart worden seien, könne es laut Experte Herte Probleme geben. Weicht die Baufirma infolgedessen auf günstigere Materialien aus, könnten Fördergelder zum Beispiel für energetisches Bauen wegfallen, mit denen der Bauherr bei der Finanzierung aber gerechnet hat. Einen kritischen Blick mahnt Herte auch beim Blick auf den Kostenplan der jeweiligen Bauobjekte an. In vielen Fällen seien die jeweiligen Bezahlschritte für die Teilbauten nicht nachvollziehbar.


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erstellt am 04.Okt.2014 | 04:32 Uhr

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