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Wohnen im Alter : Seniorenheim oder Eigenheim? Die Tipps der Ex-Bundesfamilienministerin

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Aus der Onlineredaktion

Die meisten Menschen wollen im Alter solange zu Hause wohnen wie möglich. Worauf gilt es dabei zu achten? Wo können sich Senioren und Angehörige informieren? Antworten gibt es von Prof. Dr. Ursula Lehr im sh:z-Interview.

Lebensqualität im Alter spielt in Deutschland eine zunehmend größere Rolle. Das ist kein Wunder, schließlich steigt der Anteil der Senioren und deren Lebenserwartung. Die meisten von ihnen wollen möglichst lange zu Hause wohnen bleiben, stellen sich aber oft zu spät auf die damit verbundenen Herausforderungen ein, sagt Prof. Dr. Ursula Lehr im sh:z-Interview. Worauf sonst noch im Hinblick auf das Wohnen zu Hause oder im Seniorenheim geachtet werden muss, verrät die ehemalige Bundesfamilienministerin (1988-1991) ebenfalls.

Frau Prof. Dr. Lehr, von psychologischer Seite aus betrachtet ist der Schritt von den eigenen vier Wänden in eine betreute Wohnsituation für viele Menschen nicht ganz leicht. Was können Sie Betroffenen raten und wie sollte man an das Thema herangehen?

Die BAGSO, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen, deren stellvertretende Vorsitzende ich bin, möchte durch ihre Arbeit ältere Menschen dazu motivieren, sich möglichst zeitig und vorausschauend mit der Gestaltung bzw. Umgestaltung ihrer Wohnung zu befassen, etwa in Richtung Barrierefreiheit. Es gibt in vielen Kommunen bereits Wohnberatungsstellen, die bei der sogenannten Wohnraumanpassung beratend zur Seite stehen. Nicht immer sind große Umbauten erforderlich, oft sind es kleinere Veränderungen, die eine Wohnung zumindest barrierearmer und damit sicherer machen. Auch im Internet gibt es hilfreiche Online-Angebote.

Was ist denn der erste Schritt, wenn ich fühle, dass die momentane Wohnung nicht mehr oder nicht mehr lange die richtige für mich ist?

Es gibt bei der BAGSO kostenlose Checklisten zu den Themen „Wohnen im Alter“ und „Das richtige Seniorenheim“, die grundlegende Informationen bieten und die dabei helfen, die Qualität beispielsweise in einer betreuten Wohnanlage oder in einem Seniorenheim zu prüfen. Sinnvoll ist es auch, einen vertrauten Menschen sowohl zur Besichtigung als auch zu den Gesprächen mit der Leitung um Begleitung zu bitten – vier Augen sehen mehr als zwei! Achten Sie auf die Atmosphäre im Haus, sprechen Sie mit Menschen, die schon dort wohnen. Und nutzen Sie die Möglichkeit eines Probewohnens, das viele Einrichtungen inzwischen anbieten.

Immer wieder hört man von jahrelangen Wartelisten für begehrte Senioren-Einrichtungen. Aus Ihrer Erfahrung: Wann sollte man bei der Suche und Auswahl aktiv werden?

Leider hören wir in der BAGSO immer wieder, dass viele ältere Menschen sich nicht rechtzeitig mit der Frage befassen, wie und wo sie im Alter leben und wohnen möchten. Nicht selten passiert es so, dass beispielsweise jemand nach einem Sturz mit gravierenden Folgen nicht mehr in die eigene Wohnung zurück kann, sich aber auch in keinem der Heime in seiner Nähe angemeldet und auf eine Warteliste hat setzen lassen. Häuser mit einem guten Ruf haben meistens Wartelisten und es ist immer sinnvoll, sich bereits dann zu kümmern, wenn noch kein Notfall vorliegt und man sich das zukünftige Zuhause selbst aussuchen kann.

Gibt es aus Ihrer Sicht Qualitätskriterien für Seniorenwohneinrichtungen, an denen man sich orientieren kann?

Es gibt keine bundesweit festgelegten Qualitätskriterien, jedoch können Sie sich unter anderem bei www.heimverzeichnis.de kundig machen, wie es um die Lebensqualität in einem Heim, für das Sie sich interessieren, steht.

Lebensqualität – dazu gehört in jedem Alter zu einem großen Teil eine angenehme und für die individuelle Lebenssituation passende Wohnung. Was ist aus Ihrer Sicht die Besonderheit für Senioren?

Auf die Bedeutung der Wohnung und des Wohnumfeldes für ältere Menschen hat die Gerontologie schon zu Beginn der 1970er Jahre hingewiesen: Die Wohnung wird mit zunehmendem Alter zum zentralen Lebensort, denn ältere Menschen verbringen dort in der Regel wesentlich mehr Zeit als jüngere.

Es ist einsichtig, dass es einem gesunden Menschen nichts ausmacht, wenn er im 3. Stock ohne Aufzug wohnt, sein Verhalten wird davon in keiner Weise beeinflusst. Ein in seiner Mobilität eingeschränkter Senior wird aber seine Wohnung seltener verlassen, er unternimmt weniger, verliert mehr und mehr Sozialkontakte, schränkt seinen Lebensraum ein – und büßt dadurch die noch vorhandenen Fähigkeiten auf körperlichem, seelisch-geistigem und sozialem Gebiet immer stärker ein, denn: Funktionen, die nicht gebraucht werden, verkümmern.

Besonders schwierig wird das Verbleiben in der eigenen Wohnung, wenn es im Wohnumfeld kaum Einkaufsmöglichkeiten gibt, keine Arztpraxen, Apotheken, Banken, keine Post und keine Bus- oder Straßenbahnhaltestelle.

Neben dem „klassischen“ Seniorenheim gibt es heute einige weitere Alternativen für Ältere bei der Suche nach der optimalen Wohnform. Welche sind dies?

Ältere Menschen, die sich nicht vorstellen können, in einem Heim zu leben, sollten sich zeitig die Frage „Wie möchte ich im Alter leben und wohnen?“ stellen, sich mit Alternativen beschäftigen und nach für sie geeigneten Modellen suchen. So beschäftigt sich etwa das Forum „Gemeinschaftliches Wohnen“ schon seit Jahrzehnten mit neuen Wohnformen im Alter und gibt auf seiner Internetseite einen guten Überblick über Seniorenwohn -und Hausgemeinschaften, generationenübergreifendes Wohnen und mehr. Informationen finden Interessierte auch bei Senioren- und Wohnberatungsstellen sowie bei den kommunalen Seniorenvertretungen.

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erstellt am 25.Feb.2016 | 05:15 Uhr

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