Klischee pur : Kindermöbel in Rosa und Blau liegen auf der IMM im Trend

Ein Prinzessinnentraum in Blau? Ja, wenn es sich dabei um die bei Mädchen so beliebte Eiskönigin Elsa aus dem Disneyfilm «Frozen» handelt. Motto-Zimmer wie dieses zeigt zum Beispiel Möbelhersteller Stor Home auf der Messe IMM in Köln. /dpa-tmn
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Ein Prinzessinnentraum in Blau? Ja, wenn es sich dabei um die bei Mädchen so beliebte Eiskönigin Elsa aus dem Disneyfilm «Frozen» handelt. Motto-Zimmer wie dieses zeigt zum Beispiel Möbelhersteller Stor Home auf der Messe IMM in Köln. /dpa-tmn

Wenn es um ihre eigenen Kinder geht, sind viele Menschen recht konservativ, vermutet die Möbelexpertin Ursula Geismann. Nur so lässt sich erklären, warum bei der Einrichtung von Kinderzimmern aktuell sehr viel Rosa oder Blau, Prinzessin oder Astronaut angesagt ist.

shz.de von
17. Januar 2018, 16:28 Uhr

Man mag es nicht glauben, wenn man die Firmen auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln (Publikumstage: 19. bis 21. Januar) besucht, die Kindermöbel herstellen. Es sind größtenteils Träume in Rosa und Blau.

Mädchen schlafen in Motto-Möbeln mit Disney-Prinzessinnen, Jungs in zu Betten umgebauten Weltraumschiffen und Feuerwehr-Autos.

Klischee pur! Und das sei keine zugespitzte Übertreibung, erläutert Ursula Geismann, Trendanalystin des Verbands der Deutschen Möbelindustrie. Stereotype Rollenbilder sind hier anscheinend im Trend. «Darüber habe ich schon mit Genderwissenschaftlern gesprochen, und wir sind etwas ratlos», erklärt die Wohnexpertin im Gespräch mit dem dpa-Themendienst.

Die Vermutung sei: Wenn es um ihre Kinder geht, seien die Menschen etwas konservativer als in anderen Dingen des Lebens. Und das selbst in Zeiten, in denen Frauen stark um eine faire Lösung für ein Berufsleben trotz Mutterschaft und für Lohngleichheit kämpfen - auch für ihre Töchter.

Und Geismann ergänzt: «Ganz grundsätzlich lässt sich feststellen: Viele Konsumgüter werden aktuell in ähnlich konservativer Ausführung angeboten.» Etwa Süßigkeiten mit Fokus auf Mädchen- und Jungsfarben.

Dazu kommt, dass die Eltern ihren Kindern etwas gönnen wollen und sich zum Beispiel Mottozimmer leisten. Das liege auch am heutigen Durchschnittsalter der Mütter: «In der Vergangenheit waren Frauen, die Kinder bekamen, im Schnitt jünger», so Geismann. «Sie bewegten sich in einer anderen Konsumwelt.»

Eher spät gebärende Frauen haben tendenziell bessere Einkommen und können sich mehr leisten. «Die Investitionssummen für eine Erstausstattung sind daher heute vergleichsweise hoch.» Dazu kommt: Späte Kinder sind in der Regel absolute Wunschkinder, die auch eher verwöhnt werden.

Die Statistiken der Branche zeigen auch, dass Kindermöbel vergleichsweise alt sind beziehungsweise werden. Sprich: Sie werden seltener entsorgt und komplett erneuert. Das liegt laut Geismann daran, dass sie Geschwistern vererbt oder an Familienmitglieder oder Freunde verschenkt werden, wenn das Kind herausgewachsen ist. «Kinder wollen irgendwann nicht mehr in ihren Baby-Möbeln wohnen.»

Dennoch: Die Branche bietet schon seit Jahrzehnten modulare Möbel an, die mitwachsen. Hier hat sich viel getan in den vergangenen Jahren - «die Möbel sind praktisch und ästhetisch besser geworden», so Geismann.

Babybetten lassen sich dank herausnehmbarer Elemente nicht nur bis ins Kleinkind-Alter verwenden, sondern können später noch zu einem kleinen Sofa werden. Und die Wickelkommode wird zum ergonomisch verstellbaren Schreibtisch für die Hausaufgaben - Geheimfach inklusive. In kleinen Wohnungen lassen sich manche der Schreibtische für die Kleinen abends mit nur einem Handgriff so ausziehen, dass sie Platz fürs Homeoffice der Eltern bieten.

Service:

Für die Öffentlichkeit ist die IMM Cologne vom 19. bis 21. Januar jeweils von 9.00 bis 18.00 Uhr beziehungsweise am Sonntag von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Vom 15. bis 18. Januar haben nur Fachbesucher Zutritt.

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