Rechte & Tipps : Hör mal, wer da hämmert: So lässt sich Ärger mit dem Handwerker vermeiden

<p>Nicht immer handelt es sich um so eine große Sache, wie Hausbau: Auch bei kleineren Reparaturen kann es mit Handwerkern zu Problemen kommen.</p>

Nicht immer handelt es sich um so eine große Sache, wie Hausbau: Auch bei kleineren Reparaturen kann es mit Handwerkern zu Problemen kommen.

Scheinbar zu hohe Handwerkerrechnungen oder mangelhafte Ausführungen - Probleme, die nach der Beauftragung von Handwerkern entstehen können. Tipps, was Auftraggeber vorab tun können und welche Rechte sie haben.

shz.de von
22. Juni 2018, 04:33 Uhr

Reicht das eigene handwerkliche Geschick im Falle einer anstehenden Reparatur nicht mehr aus, ist meist ein Fachmann von Nöten. Doch was ist, wenn dieser so gar nicht fachmännisch vorgeht, Termine nicht eingehalten werden oder die Kosten über den Voranschlag hinausschießen? Die Experten der Arag Versicherung geben Ratschläge, was Betroffene tun können, worauf sie achten sollten und welche Rechte sie haben.

Schnelle Hilfe: Erste Praxistipps zur Auswahl des Handwerkers

  • Bei Freunden und Bekannten nach Handwerker-Empfehlungen fragen
  • Handwerker von der zuständigen Handwerker-Innung empfehlen lassen
  • Mehrere Angebote vorab einholen
  • Leistungsanforderungen so genau wie möglich beschreiben, damit der Handwerke den Umfang des Aufwands und der Kosten besser einschätzen kann und diese dann schriftlich vereinbaren
  • Sich die vom Handwerker errichteten Referenzobjekte als Auswahlkriterium nennen lassen

1. Tipp: Kostenvoranschlag erstellen lassen

Dies sollte selbstverständlich und vor allem auch kostenlos sein - außer es ist anders mit dem Handwerker vereinbart. Aus dem Kostenvoranschlag geht hervor, welche Arbeiten durchgeführt werden sollen und was sie kosten. Bekommt der Handwerker den Auftrag, muss er den Auftraggeber informieren, sobald der Kostenanschlag wesentlich überschritten wird. Dies ist bei mehr als 15 bis 20 Prozent der Fall.

2. Tipp: Werkvertrag

Mit Erteilung des Auftrags und Annahme dessen kommt ein Werkvertrag zustande. Die Rechnung muss erst nach mangelfreier Abnahme des Werkes bezahlt werden. Das bedeutet auch, dass dem Handwerker bei Mängeln die Gelegenheit gegeben werden muss, diese zu beseitigen und den Vertrag ordnungsgemäß zu erfüllen. So sieht es das Gesetz vor. Hierbei sollte der Auftraggeber dem Handwerker schriftlich eine Frist setzen. Sollte diese verstreichen, oder der Handwerker sich weigern, kann ein neuer Handwerker beauftragt werden, dessen Rechnung dann an den ursprünglichen Handwerker weitergeleitet werden kann. In Streitfällen hilft beispielsweise die Handwerkskammer und schlichtet. Doch Vorsicht: Wenn der Auftraggeber sofort einen anderen Handwerker mit der Mängelbeseitigung beauftragt, kann der ursprünglich beauftragte Handwerker die Kostenübernahme zu Recht ablehnen.

3. Tipp: Minderung und Rücktritt

Als Alternative kann der Auftraggeber nach Verstreichen der Frist auch den Rechnungsbetrag kürzen. Dies ist rechtlich gesehen eine Minderung. Bei einem erheblichen Mangel besteht die Möglichkeit, vom Werkvertrag zurückzutreten. Doch aufgepasst: Wird eine Minderung ausgeübt, ist danach der Rücktritt vom Werkvertrag nicht mehr möglich. Diese beiden Rechte schließen sich gegenseitig aus. Erklärt der Besteller den Rücktritt, muss er die Tätigkeit bzw. die Arbeiten des Handwerkers vergüten, wenn diese nicht rückabgewickelt werden können.

4. Tipp: Aufpassen - auch hier gelten Verjährungsfristen!

Der Auftraggeber kann seine Gewährleistungsrechte (Nacherfüllungsrechte, Minderung und Rücktritt) innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren nach Abnahme des Werkes geltend machen. Ansonsten verjähren sie. Handelt es sich um ein Gebäude verjähren die Gewährleistungsrechte innerhalb von fünf Jahren.

(Mit Material von Arag Versicherungen und Verbraucherzentrale)

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