Das bisschen Haushalt : Wie der Frühjahrsputz einfach und umweltschonend gelingt

Gewusst wie: Beim Frühjahrsputz kommt es nicht nur auf Disziplin, die richtige Ausstattung und Putztechnik an. Mit preiswerten Haushaltsmitteln bekommt man die Wohnung ebenfalls im Nu sauber.
Gewusst wie: Beim Frühjahrsputz kommt es nicht nur auf Disziplin, die richtige Ausstattung und Putztechnik an. Mit preiswerten Haushaltsmitteln bekommt man die Wohnung ebenfalls im Nu sauber.

Bei den einen löst der Frühjahrsputz jedes Mal aufs Neue Glücksgefühle aus, die anderen kapitulieren schon beim Staubsaugen. So oder so: Um die Großreinigung im Frühling kommt niemand drumherum. Worauf es bei dem gründlichen Saubermachen ankommt und wie man das Ganze noch ein bisschen nachhaltiger gestalten kann.

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03. Mai 2021, 06:00 Uhr

Osnabrück | Richtig krass ist der Besuch bei den Akiyamas. Bis zur Decke stapelt sich der Klimbim in dem typisch amerikanischen Einfamilienhaus, das das Rentnerehepaar Ron und Wendy Akiyama seit Jahrzehnten bewohnt. Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind, ist der Zeitpunkt gekommen, sich von dem ganzen Überfluss zu trennen. Die Weihnachtsdeko der letzten zwanzig Jahre, Berge aus Baseball-Sammelkarten, nie getragene Klamotten mit Preisschild. Alles, was keine Freude mehr bringt, wandert in die Tonne.

Die mehrtägige Entrümpelungsaktion bei den Akiyamas dokumentiert die Netflix-Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“. Ganz so drastisch wie die wohlstandsverwahrlosten Akiyamas müssen wahrscheinlich nur die wenigsten den Frühjahrsputz beginnen. Trotzdem lehrt dieses Extrembeispiel den Zuschauern eine wichtige Lektion: Bevor es mit dem Schrubben und Wischen losgeht, muss richtig ausgemistet und aufgeräumt werden.

Vorbereitung und Ausrüstung

Hendrik Schütt, Geschäftsführer der Agentur Himmlischen Haushaltshilfen, kennt einen weiteren Tipp für das große Saubermachen im Frühjahr: alle Möbel in die Mitte des Raumes rücken. Denn dann kommt man auch ohne Akrobatik mit dem Staubsauger und Wischmopp in die Ecken, die man im Alltag sonst nur stiefmütterlich behandelt.

Beim Putzen gelten zwei Faustregeln: von Zimmer zu Zimmer, von oben nach unten. Erst werden also Decken, Schränke und Lampen entstaubt, bevor der Boden an der Reihe ist. „Zweimal im Jahr sollte man den Teppich reinigen“, sagt Schütt. Spezielle Reinigungsgeräte könne man sich für kleines Geld im Baumarkt ausleihen. Damit es sich Spinnen in den verlassenen Winkel der Wohnung nicht allzu bequem machen, könne man Lavendelsäckchen verteilen.

Der Klassiker und zugleich Königsdisziplin beim Frühjahrsputz ist jedoch das Fensterputzen. Hierbei kommt es auf das richtige Werkzeug an, sagt Schütt: „Ich benutze einen Fensterwischer mit Schwamm und Gummilippe. Zuerst seife ich die Scheibe mit lauwarmem Wasser und Reinigungsmittel gründlich ein, dann ziehe ich das Fenster ab“, erklärt Schütt. Zum Schluss wird die Scheibe noch einmal mit einem Tuch nachpoliert.

Apropos Tücher: „Mikrofasertücher sollte man zum Putzen nicht verwenden“, sagt Inga Schütt, die bei den Himmlischen Haushaltshilfen für das Qualitätsmanagement zuständig ist. Mikrofasertücher würden durch ihre Widerhaken empfindliche Oberflächen wie Ceranfelder oder Edelstahl beschädigen, auch Scheuermilch hinterlasse Kratzer. „Besser ist es, ein weiches Baumwoll- oder Ledertuch zu benutzen“, meint Schütt. Einem ausrangierten T-Shirt kann dadurch noch einmal neues Leben eingehaucht werden.

Keimherde in der Küche

Beim Frühjahrsputz ist dann auch mal wieder an der Zeit, die Küchenschränke auszuräumen und im Inneren sauber zu machen. Praktisch beim Kühlschrank: Die Glasscheiben, auf denen die Lebensmittel gelagert werden, kann der Geschirrspüler reinigen. Nicht vergessen sollte man die Gummidichtungen, denn dort sammelt sich gerne der Dreck. Sie kann man zudem mit Vaseline einfetten, das pflegt das Gummi.

Beim Kühlschrank ist Hygiene besonders gefragt, nicht nur weil dort Lebensmittel gelagert werden: Da das Gerät oft nicht regelmäßig geputzt wird, tummeln sich dort Studien zufolge mehr Keime als in der heimischen Toilette. „Nach dem Auswaschen mit Seifenwasser kann man den Kühlschrank mit Essigessenz durchwischen“, empfiehlt Inga Schütt, denn das saure Milieu tötet Keime ab. Üble Gerüche saugen Kaffeepulver oder Natron auf, das man für einige Tage in einem Schälchen im Kühlschrank aufbewahren kann.

Was gegen Schmutz hilft

Eine kleine Hygienelehre

Im Haushalt kommen im Grunde zwei Verschmutzungsarten vor: Kalk und Fett. Gegen Kalk helfen Säuren, Fette wird man mit Tensiden los.
Laut Verbraucherzentrale sind Desinfektionsmittel, Chemiekeulen und Keimkiller in aller Regel überflüssig. Chemische und hochdosierte Reiniger sind oft zu aggressiv. Sie können schlimmstenfalls die Haut und Atemwege verätzen oder Allergien auslösen. Der Umwelt tun sie ohnehin keinen Gefallen. Einzige Ausnahme: Ein Familienmitglied ist schwer krank und muss dadurch besonders auf Hygiene achten oder ist für andere hochansteckend. Dann sollte man vorab mit dem behandelnden Arzt Rücksprache halten, bevor man alle Oberflächen desinfiziert.
Entscheidend für Hygiene ist vor allem das Putzverhalten. Die Lappen sollten regelmäßig gewechselt und bei 60°C gewaschen werden. Außerdem empfiehlt die Verbraucherzentrale, bestimmte Lappen nur für gewisse Räume zu benutzen, damit die Keime aus dem Bad nicht in die Küche gelangen und umgekehrt. Wichtig ist es, den Kühlschrank sowie Türklinken und Lichtschalter in festen Abständen sauber zu machen. Abfalleimer sollten ebenfalls regelmäßig geleert und gereinigt werden, um Keimbildung entgegenzuwirken. Häufiges Lüften vertreibt Feuchtigkeit aus der Wohnung und beugt Schimmel vor. Von chemischen Raumerfrischern und Duftsprays rät die Verbraucherzentrale ab.

Auch ein zweites Hausmittelchen kann Gerüche in der Küche eliminieren, nämlich Salz: „Man kann ein Päckchen Salz in den Abfluss schütten und nach dem Einwirken mit heißem Wasser nachspülen“, rät Inga Schütt. Abflüsse kann man generell einfach mit alten Zahnbürsten säubern, Vorsicht ist jedoch bei chemischen Rohrreinigern geboten. „Sie können gerade in alten Häusern die Rohre beschädigen, weil sie zu ätzend sind“, ergänzt Schütt.

Es geht auch grüner

Da stellt sich eine Frage: Geht der Haushaltsputz auch nachhaltiger? Ja, sagt Sarah Karow-Lodter. Sie ist Inhaberin des Unverpacktladens tara in der Osnabrücker Innenstadt. Wer dort einkauft, kann vom Spülmittel bis zum WC-Reiniger sämtliche Öko-Putzmittel in mitgebrachten Behältnissen abfüllen. Oder sich an den Hausmitteln bedienen, denn mehr als Natron, Soda, Essig, Kernseife und Zitronensäure braucht es für ein sauberes Zuhause eigentlich nicht.

Ein Beispiel? „Man kann zum Beispiel aus Natron, Kernseifenflocken und Wasser einen Allzweckreiniger herstellen“, sagt Karow-Lodter. Zum Verfeinern kann man ein paar Tropfen ätherisches Öl hinzufügen, das je nachdem sogar antibakteriell wirkt. In Sachen Hygiene stehen die Hausmittel den fertigen Reinigern aus der Drogerie nämlich in nichts nach.

Das Schöne am Putzen mit Hausmitteln: Es macht Spaß, mit den Zutaten zu experimentieren. Im Internet oder Buchhandel findet man zahlreiche Rezepte, durch die sich der Hausputz günstig und ökologisch erledigen lässt. Ein ebenfalls bewährter Tipp ist, zum Hörer zu greifen und die Großeltern anzurufen. Karow-Lodther hat sich etwa so machen Putztipp von ihrer Großmutter abgeschaut: „Meine Oma hat immer mit Kernseife geputzt und gewaschen. Das kann man natürlich auch heutzutage noch genauso machen.“

13 Rezeptideen

Öko-Putzmittel selbst hergestellt

Kernseife, Natron, Soda, Essig(essenz) und Zitronensäure sind die Grundzutaten für nachhaltige Putzmittel. Sie bekommt man in jeder Drogerie oder jedem unverpackt-Laden für Centbeträge. Auf die Dauer tut man also nicht nur der Umwelt und Gesundheit, sondern auch dem Geldbeutel etwas Gutes.
Nicht nur Allzweckreiniger, sondern auch alle anderen Reiniger lassen sich selbstherstellen. Eine Auswahl:
  • Waschmittel: 30 Gramm Kernseife reiben und in 2 Litern heißem Wasser auflösen. 4 EL Soda unterrühren, bis sich alles aufgelöst hat. Ggf. mit einigen Tropfen ätherischem Öl verfeinern. Zum Aufbewahren in leeren Flaschen oder Kanistern abfüllen.
  • Glasreiniger: Wasser und Essigessenz im 1:1-Verhältnis in eine leere Sprühflasche geben-
  • Scheuerpaste für grobe Verschmutzungen: Natron und Wasser im Verhältnis 2:1 mischen
  • Entkalker: Ein Schuss Essigessenz oder einen TL Zitronensäure in den Wasserkocher oder die Kaffeemaschine geben
  • Waschmaschinenreiniger: Ein Päckchen Natron ins Waschpulverfach geben. Eine halbe Flasche weißer Essig in die Waschtrommel schütten. Normales 60°C-Programm ohne Wäsche durchlaufen lassen.
  • Spülmaschinenreiniger: Ein Päckchen Natron auf dem Boden der Spülmaschine verteilen. In einem Glas Wasser und Essig im Verhältnis 1:1 mischen und in das Pulverfach schütten. Die restliche Mischung in die Spülmaschine stellen. Bei 70°C ohne Geschirr durchlaufen lassen.
  • WC-Reiniger: Einige Esslöffel Zitronensäure in der Toilette verteilen und für mehrere Stunden einwirken lassen. Mit der Klobürste einarbeiten, mehrfach nachspülen.
  • Spülmaschinenpulver: Natron, Soda und Zitronensäure je 1:1 vermengen.
  • Abflussreiniger: Je nach Verstopfung 2 bis 4 EL Soda in den Abfluss geben. Eine Tasse Essigessenz darauf geben. Eine Stunde einwirken lassen. Mit 1 bis 2 Litern siedend heißem Wasser nachspülen.
  • Weichspüler: 1 bis 3 EL Essigessenz ins Weichspülerfach geben.
  • Topfreiniger: Natron auf die Verschmutzungen geben und mit Essigessenz behandeln. Einwirken lassen, bis sich die Verkrustung löst, und abspülen.
  • Fleckenentferner: Verschmutzte Wäsche in heißem Sodawasser einweichen. Achtung: Soda wirkt bleichend!
  • Schweißgeruchentferner: Wäsche mit Schweißgeruch über Nacht in stark verdünntem Essig (Verhältnis 3:1) einweichen und wie gewohnt waschen.

Neue Routinen entwickeln

Einige Tricks aus Omas Zeiten wenden auch Hendrik und Inga Schütt an. „Wir legen altes Zeitungspapier oben auf die Küchenschränke“, erzählen die beiden. „Das hält Staub ab, der gerade in der Küche festklebt.“ Auch für das Entstauben der Heizkörper kennen sie einen kreativen Kniff: einfach ein feuchtes Geschirrtuch unter die Heizung legen und mit einem Fön von oben Luft hineinpusten.

Das Experimentieren mit neuen Techniken oder Putzmitteln eignet sich auch bestens dafür, die eigenen Gewohnheiten einmal zu überdenken. Ist es wirklich so sinnvoll, alle zwei Wochen gründlich zu putzen, oder ergibt es nicht mehr Sinn, jeden Tag eine Viertelstunde fürs Saubermachen einzuplanen? Denn eines ist klar: Nach dem Frühjahrsputz kommt der Herbstputz – und den kann man entspannter angehen.

Lesen Sie mehr zum Thema Ratgeber und Lifestyle.

(Wer sich immer noch nicht aufraffen kann: Musik hilft! Hier, hier und hier finden Putzmuffel Motivations-Playlists auf Spotify; hier, hier und hier gibt es auf YouTube eine musikalische Putzhilfe.)

Checkliste Frühjahrsputz

Der ultimative Guide

Küche
  • Kühlschrank reinigen
  • Backofen und Mikrowelle sauber machen
  • Kaffeemaschine und Wasserkocher entkalken
  • Toaster entkrümmeln
  • Vorratskammer aufräumen, ausmisten und aufstocken
  • Oberschränke abstauben und innen sauber machen
  • Selten genutztes Geschirr spülen
  • Altglas und Pfand entsorgen
  • Müll wegbringen
  • Abfalleimer einigen
Wohn- und Schlafzimmer
  • Sofakissen und -bezüge waschen
  • Bettwäsche waschen
  • Bilderrahmen, Deko, Schränke, Regale abstauben
  • Teppiche reinigen
  • Kleiderschrank ausmisten und in Ordnung bringen
Bad
  • Spiegel putzen
  • Duschkopf entkalken
  • Abflüsse säubern
  • Dusche und Badewanne säubern
  • Wandfliesen abwischen
Ganzes Haus
  • Fenster putzen
  • Fensterbänke, Rollläden, Fensterrahmen abwischen
  • Vorhänge und Gardinen waschen
  • Schränke, Regale, Kommoden aufräumen und innen saubermachen
  • Leisten schrubben
  • Ausmisten
  • Sperrmüll und Elektroschrott entsorgen
  • Heizung, Lampen, Decken entstauben
  • Böden wischen und pflegen
  • Abtreter reinigen
  • Schimmel entfernen
  • Zimmerpflanzen umtopfen
  • Überfällige Reparaturen nachholen
Nicht vergessen!
  • Waschmaschine entkalken und säubern
  • Fahrrad reinigen
  • Auto und Motorrad putzen
  • Balkon und Terrasse auf Vordermann bringen
  • Grill reinigen
  • Keller und Dachboden entrümpeln
  • Garage aufräumen
  • Lüften
  • Gute Laune behalten
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