Serie: Sicher durch den Norden : Zweiter Blick und mehr Gelassenheit

Erst begleitet, später allein: Manche Tipps aus der Fahrschule verblassen mit der Zeit. Wer sie sich regelmäßig in Erinnerung ruft, fährt sicherer.
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Erst begleitet, später allein: Manche Tipps aus der Fahrschule verblassen mit der Zeit. Wer sie sich regelmäßig in Erinnerung ruft, fährt sicherer.

Praktische Tipps vom Fahrlehrer. Sicher durch den Norden – eine Gemeinschaftsaktion Ihrer Zeitung mit den Itzehoer Versicherungen.

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15. Juli 2015, 14:00 Uhr

Kiel | Warum missachten Autofahrer Verkehrsregeln und bringen sich und andere in Gefahr? Viele vergessen, welche Verantwortung sie im Auto haben, glaubt Peter Glowalla, stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Die Folgen können gravierend sein: Im vergangenen Jahr sind nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 3368 Menschen auf deutschen Straßen ums Leben gekommen – mehr als ein guter Grund, in Vergessenheit geratene Regeln und praktische Tipps aus der Fahrschule zu reaktivieren, um sicher ans Ziel kommen.

Die Zwei-Sekunden-Regel

Dichtes Auffahren ist laut ADAC-Unfallforschung die zweithäufigste Ursache für Crashs. „Um ausreichend Abstand zu halten, sollten sich Autofahrer die Zwei-Sekunden-Regel in Erinnerung rufen“, sagt Kay Schulte, Referent im Bereich Unfallprävention beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Dafür zählen Autofahrer langsam bis zwei, sobald ein vorausfahrender Pkw einen Fixpunkt passiert hat, etwa einen Pfeiler oder ein Straßenschild. Sofern man die Sekunden herunterzählen kann, ohne dass das eigene Auto den Fixpunkt erreicht, genügt der Abstand. In Städten reicht eine Sekunde Abstand, aber laut Schulte nur unter einer Bedingung: „Man muss durch vorausfahrende Autos durchschauen können.“

Das rechtzeitige Blinken

Kay Schulte nennt sie die Alibi-Blinker-Autofahrer, die den Blinker setzen, aber zu spät. Wer beim Blinken zögert, gefährdet andere, beispielsweise dann, wenn Pkw-Fahrer auf der Autobahn die Fahrspur wechseln und andere Fahrer zum Bremsen oder Ausweichen zwingen. „Viele Autofahrer vergessen, dass der Blinker eine Ankündigungsfunktion hat“, sagt Schulte. Mit dem Lichtsignal informieren sie Verkehrsteilnehmer über ihre Absichten. „Sie bitten darum, etwas zu tun“. Deshalb: Immer frühzeitig den Blinker setzen. Laut Bußgeldkatalog droht Autofahrern eine Strafe von mindestens zehn Euro, wenn sie bei einem Richtungswechsel überhaupt nicht blinken.

Der zweite Blick

Die Rechts-vor-links-Regel gehört zum Einmaleins des Autofahrens. Den Blick nach rechts an einer Kreuzung ohne Ampelschaltung und ohne Vorfahrtsschild beherzigen Autofahrer auch nach der Fahrschule, sagt Peter Glowalla. Aber: „Viele vergessen den zweiten Blick.“ Laut Glowalla schauen Autofahrer meist flüchtig in die Straße hinein, sichten im besten Fall die linke Spur und fahren dann weiter. Genau in diesem Moment ist die Gefahr aber groß, dass sich ein Auto von rechts nähert. Pkw-Fahrer sollten sich also keinesfalls auf den ersten Blick allein verlassen.

Das Ausfahren von Kurven

Häufig schneiden Autofahrer aus Bequemlichkeit die Kurve, wenn sie links in eine Straße einbiegen. Die Querkräfte sind dann geringer, der Weg ist kürzer. Was jedoch annehmlich ist, kann teuer werden. Wer den Fahrweg in einer Kurve verkürzt, verstößt gegen das Rechtsfahrgebot. Bringt er dabei andere in Gefahr, muss er mit einem Bußgeld von 80 Euro rechnen und mit einem Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg. „Viele gucken nicht richtig in die Straße hinein, in die sie fahren“, sagt Präventionsexperte Schulte. Beim Abbiegen gilt es, den Gegenverkehr zu beobachten und die Kurve so gut wie möglich auszufahren.

Der Halte-Abstand

Auch bei Stillstand sollten Autofahrer einen Sicherheitsabstand wahren – egal ob an Ampeln, im Stau oder an Kreisverkehren. Etwa ein Meter sollte es sein, erklärt Schulte. Dabei helfe eine oft vergessene Faustregel: „Wenn man an ein Auto heranfährt, sollte man die Hinterräder des vorderen Autos gerade noch sehen können.“ Vor allem bei abschüssigen Straßen ist es wichtig, genug Platz zum Vordermann zu lassen. Denn Autos ohne Automatikgetriebe rollen zurück, wenn der Fahrer die Bremse nicht benutzt oder Probleme beim Anfahren hat.

Die Gelassenheit

„Autofahren müsste verboten werden, wenn man es heute erfinden würde“, meint Fahrlehrer Glowalla. Viele Pkw-Fahrer sind – teilweise hoch motorisiert – zu schnell unterwegs und lassen sich zu riskanter Fahrweise hinreißen, manchmal aus Lust, manchmal aus Zeitdruck. Eine schwer vermittelbare und häufig vergessene Fahrschul-Lektion ist die Gelassenheit, sagt Gowalla. „Die Einstellung zur defensiven Fahrweise kann nur aus einem selbst heraus kommen.“ 

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„Sicher durch den Norden“ – unter diesem Motto lädt Ihre Zeitung zu einem Fahrsicherheitstraining auf dem Flugplatz Hungriger Wolf, Towerstraße 22 in Hohenlockstedt bei Itzehoe ein. Bei der Gemeinschaftsaktion Ihrer Zeitung mit den Itzehoer Versicherungen und dem Verkehrsinstitut Nord am Sonntag, 9. August, in der Zeit von 9 bis 16 Uhr können 33 Leser teilnehmen. Statt des regulären Preises von 95 Euro zahlen Sie als A-Beig-Leser nur einen einmaligen Aktionspreis von 25 Euro – inklusive Mittagssnack. Wichtig für die Teilnahme ist ein verkehrssicheres Fahrzeug. Die Übungen sind so ausgelegt, dass keine Überbeanspruchung der Fahrzeuge entsteht. Eine Anmeldung ist online möglich. Sollte es mehr Anmeldungen geben als das Kontingent hergibt, entscheidet das los. www.shz.de/fahrsicherheitstraining
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