Wie Autofahrer Blitzer austricksen

14c_kay_mueller-9928

Ohne Kennzeichen riskieren sie nur Bußgeld – zum Ärger der Polizei

1276259_10202285909175521_1966688900_o.jpg von
30. Juli 2014, 12:14 Uhr

Es ist eine Lücke im Bußgeldkatalog, die Autofahrer auch in Schleswig-Holstein nutzen, die unbedingt ihren Führerschein behalten wollen. Denn nach der Neufassung des Bußgeldkatalogs, der seit Mai gilt, müssen Fahrer, die ohne vorderes Nummernschild unterwegs sind, zwar eine Geldstrafe von 60 Euro zahlen, bekommen aber keinen Punkt mehr. Vor der Reform zahlten Fahrer 40 Euro, bekamen aber einen Eintrag in die Verkehrssünderkartei. „Wer jetzt wegen zu vieler Punkte in Flensburg Angst hat, geblitzt zu werden und so einen weiteren Punkt zu riskieren, könnte auf die Idee kommen, lieber ohne Kennzeichen zu fahren“, sagt Ulrich Klaus Becker, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Schleswig und gleichzeitig ADAC-Vorsitzender in Schleswig-Holstein. Denn wer mit seinem Wagen in eine Radarfalle gerate und kein Kennzeichen habe, sei später nicht zuzuordnen. Wer hingegen „nur“ ohne Kennzeichen fahre, müsse 60 Euro zahlen, riskiere aber keinen Führerscheinentzug. Denn seit Mai werden nur noch schwerwiegende Verkehrsverstöße mit einem Punkt geahndet. „Das nutzen manche aus“, so Becker. Allerdings warnt der ADAC-Vizepräsident für Verkehr, der selbst schon Autos ohne Kennzeichen herumfahren gesehen hat, vor den Folgen: „Wenn jemand bewusst seine Identität verbergen will, um gegen die Straßenverkehrsordnung zu verstoßen, dann kann das auch weiter reichendere Folgen haben.“ So könnte Fahrern, die wiederholt ohne Kennzeichen erwischt werden, irgendwann eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung („Idiotentest“) drohen. „Das wäre aber nur der Extremfall“, sagt Dieter Wieschowski, Sachgebietsleiter im Verkehrsdezernat der Landespolizei. Einen neuen Trend zum Abschrauben von Nummernschildern können wir nicht feststellen.“ Das bestätigt auch eine stichprobenartige Umfrage unserer Zeitung in den Zulassungsstellen in Schleswig-Holstein.

Wer versucht, den Trick anzuwenden, komme nicht ungeschoren davon, warnt Wieschowski, auch wenn er in verschiedenen Kreisen mit fehlenden Kennzeichen erwischt werde. „Es geht vielleicht zweimal gut, dass ein Polizist glaubt, dass jemand seine Schilder nur verloren hat – aber irgendwann erwischen wir jeden.“ Denn die Zulassungsstellen werden von der Polizei informiert, der Fahrzeughalter muss seinen Wagen mit Kennzeichen vorführen. Wird er dann bald wieder ohne Schilder gestoppt, fällt das auf. „Und dann kann man auch mal den Staatsanwalt fragen, ob das nicht Kennzeichenmissbrauch ist – und das ist eine Straftat“, sagt Wieschowski. Den neuen Trick sieht er nicht als Gesetzeslücke, es handele sich wenn überhaupt um Einzelfälle. Deswegen hält er eine Reform des Bußgeldkatalogs in dieser Beziehung auch nicht für nötig.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen