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Wetter und Verkehr in SH : Warnung vor Blitzeis: Tipps für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer

vom
Aus der Onlineredaktion

Tauwetter und Regen können am Freitag und Samstag für Blitzeis sorgen. shz.de erklärt, worauf man achten muss.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2016 | 12:15 Uhr

Kiel | Das Bibbern hat ein Ende: Tief „Iris“ beschert dem Norden am Wochenende milde Temperaturen und Regen - damit steigt aber auch die Gefahr von Blitzeis in ganz Deutschland. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat auf seiner Facebook-Seite eine Grafik zur aktuellen Glatteiswarnung veröffentlicht:

Hier die überarbeitete Grafik aus dem aktuellen Unwetterclip zur bevorstehenden Glatteislage. Bitte beachten: Die tatsä...

Posted by Deutscher Wetterdienst on  Freitag, 22. Januar 2016

In Hamburg bereitet man sich auf das Ereignis vor: Der Winterdienst Stadtreinigung will in der Nacht zum Samstag mit 100 Fahrzeugen ausrücken. Ab Mitternacht sollten wichtige Hauptverkehrsstraßen gestreut werden, teilte ein Sprecher am Freitagabend mit. Schnee, Schneeregen oder Regen könnte auf dem rund 15 Zentimeter tief gefrorenen Boden überall in Hamburg für gefährliche Glätte sorgen. „Es können sich dicke Eispanzer auf dem Boden bilden, die auch bei Einsatz von Streusalz nur sehr langsam schmelzen.“ Fußgänger, Auto- und Radfahrer müssten am Samstag in den Morgenstunden mit extremer Glätte rechnen.

Aber was ist Blitzeis eigentlich? Wie kommt es zustande? Und wie sollten sich Rad- und Autofahrer sowie Fußgänger im Straßenverkehr verhalten? shz.de liefert die wichtigsten Antworten. 

Was ist Blitzeis?

Wie der Name schon verrät, handelt es sich um plötzliche Eisglätte. Sie kann in unterschiedlicher Form auftreten, etwa als Folge überfrierender Nässe. Besonders tückisch ist jedoch Blitzeis in Form von gefrierendem Regen, wie er ab Freitagabend auch in Schleswig-Holstein auftreten kann.

Wie entsteht Blitzeis?

Nach starkem Frost über einen längeren Zeitraum sind Straßen oftmals ausgekühlt. Die Bodentemperatur ist währenddessen weit unter 0 Grad Celsius gesunken. Nach den tagelangen, teils zweistelligen Minusgraden ist dies auch in Schleswig-Holstein der Fall. Wenn dann wärmere Luft (über 0 Grad) einströmt und Regen mit sich bringt, gefriert dieser sofort. Die Folge: Der Regen wird zu einer Eisschicht, wenn er auf den noch gefrorenen Boden trifft. Besonders im Straßenverkehr wird es dann extrem gefährlich. Weitaus häufiger bildet sich das Blitzeis aber durch überfrierende Luftfeuchtigkeit oder Nebel.

Wie sollten sich Autofahrer verhalten?

Der ADAC empfiehlt, in solchen Situationen das Auto besser stehen zu lassen. Wer bereits unterwegs ist, sollte die Geschwindigkeit stark reduzieren und bei nächster Gelegenheit das Auto am Seitenrand abstellen und warten, bis ein Streufahrzeug vorbeikommt. Autofahrer sollten in erster Linie Ruhe bewahren, nicht überstürzt bremsen oder das Lenkrad herumreißen, sondern nur sehr sanft lenken. Zusätzlich sollte der Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug möglichst groß gehalten werden.

Denn Blitzeis ist nach Angaben der Experten noch tückischer und sogar noch glatter als sonstiges Glatteis. Hinzu kommt, dass technische Hilfsmittel wie ABS und ESP bei Blitzeis schnell an ihre Grenzen kommen und von Autofahrern nicht überschätzt werden sollten. Auch Schneeketten bleiben wirkungslos.

In Fahrsicherheitstrainings, etwa vom ADAC, vom TÜV oder von Versicherungen angeboten, können Autofahrer solche Extremsituationen simulieren. „Eine Garantie ist das Fahrtraining natürlich trotzdem nicht“, betont ein ADAC-Sprecher. „Man kann solche Situationen nur begrenzt üben, und gerade das Blitzeis kommt oft so überraschend, dass es schwierig ist, angemessen zu reagieren."

Wie sollten sich Radfahrer verhalten?

Genau wie für Autofahrer gilt auch für sie bei Blitzeis: am besten zu Hause bleiben. Wer auch im Winter häufig mit dem Fahrrad unterwegs ist, könnte Reifen mit Schneeprofil oder Spikes montieren. Letztere sind im Gegensatz zu Autos für Radfahrer erlaubt, da die kleinen Nägel den Straßenbelag nicht beschädigen. Doch bei Blitzeis bieten auch sie nur bedingt Sicherheit.

Daher sollten Radfahrer im Zweifel absteigen und ihren Drahtesel lieber schieben. Wer erst auf der Eisplatte merkt, wie glatt es ist, sollte das Rad möglichst ohne Betätigen der Bremse und Lenkmanöver ausrollen lassen. Falls doch gebremst oder gelenkt werden muss, etwa bei Kurven, sollten Radfahrer ruckartige Bewegungen möglichst vermeiden.

Noch vorsichtiger sollten Radfahrer sein, die Kleinkinder in einem Kindersitz auf dem Rad mitnehmen. Besser wäre jedoch, auf diese Art des Transports während des Winters zu verzichten.

Wie sollten sich Fußgänger verhalten?

Fußgänger sollten bei Blitzeis nur das Haus verlassen, wenn es unbedingt nötig ist. Wenn dies der Fall ist, sollten sie die Füße beim Gehen möglichst nach außen drehen, rät Prof. Nadja Schott vom Lehrstuhl für Kognition und Motorik an der Universität Stuttgart. „Dadurch bekommt der Körper eine stabilere Unterstützungsfläche.“ Sicherer sei es auch, kleinere Schritte zu machen. Gerade bei Blitzeis sollten Fußgänger zudem möglichst nah an einer Hauswand oder einem Geländer entlanggehen, um sich bei Bedarf besser abfangen zu können.

Wer trotzdem ins Straucheln gerät, sollte beim Fallen versuchen, die Unterarme vor das Gesicht zu halten und die Hände auszustrecken - so wird bei einem Sturz der Kopf geschützt. Wer umgekehrt jedoch nach hinten kippt, sollte das Kinn auf das Brustbein ziehen und einen Rundrücken bilden, um so den Aufprall etwas zu mildern. Zudem sollten Fußgänger beim Sturz möglichst alles loslassen, was sie in den Händen halten, rät Schott.

 

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