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Toyota RAV4: Familienkutsche im SUV-Format

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Berlin (dpa-infocom) - Baumarkt statt Buckelpiste, Kita statt Kiesgrube: Wer einen Geländewagen fährt, traut sich nicht automatisch auf Abwege. Im Gegenteil: Viele sehen im SUV eine schicke Alternative zu Kombi oder Limousine. Dem Trend trägt auch Toyota Rechnung.

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erstellt am 12.Aug.2013 | 05:33 Uhr

Berlin (dpa-infocom) - Baumarkt statt Buckelpiste, Kita statt Kiesgrube: Wer einen Geländewagen fährt, traut sich nicht automatisch auf Abwege. Im Gegenteil: Viele sehen im SUV eine schicke Alternative zu Kombi oder Limousine. Dem Trend trägt auch Toyota Rechnung.

Wenn die vierte Generation des Toyota RAV4 zu Preisen ab 26 650 Euro in den Handel kommt, wird aus dem Vorreiter der sportlichen Lifestyle-Geländewagen ein praktisches Familienauto. Nicht mehr der robuste Charakter steht im Vordergrund: In den Fokus der Entwickler rückt der Praxisnutzen.

Neues Format für den Familieneinsatz

Die Neuausrichtung ist von außen gleich an zwei Dingen zu erkennen: Der an der Heckklappe angeschlagene Reservereifen, der bis zuletzt für alle weithin sichtbar die Idee von Freiheit und Abenteuer transportiert hat, verschwindet im Wagenboden. Und das Format des Allradlers gerät aus den Fugen: Zehn Zentimeter mehr Radstand, gut 20 Zentimeter mehr Länge und 3 Zentimeter mehr Breite lassen das Original von 1994 im Vergleich mit der Generation IV fast klein und zierlich erscheinen.

Dafür hat man innen jetzt reichlich Platz. Wo der erste RAV4 noch ein Dreitürer mit besseren Notsitzen im Fond war, bietet sein Urenkel deutlich mehr Raum und Komfort. Zwar kann man die Rückbank nur umklappen und nicht verschieben. Aber selbst hinter einem komplett zurückgeschobenen Vordersitz haben Hinterbänkler mehr Beinfreiheit als in mancher Mittelklasse-Limousine.

Der Kofferraum ist mit 547 bis 1746 Litern Fassungsvermögen so groß, dass mancher Kombi-Besitzer neidisch werden könnte - zumal unter dem Ladeboden noch ein Staufach mit weiteren 100 Litern Ladevolumen eingelassen ist. Damit man den Laderaum auch in engen Parklücken besser nutzen kann, öffnet sich die Klappe nicht mehr zur Seite, sondern nach oben - auf Wunsch erstmals auch elektrisch.

Patzer bei Ambiente und Ausstattung

Der neue Zuschnitt passt in die Zeit, das Design mit den stärker betonten Kanten und der kräftiger modellierten Silhouette ist ordentlich gelungen. Aber beim Ambiente haben die Japaner gewaltig gepatzt. Was helfen wunderbar weiche Kunstlederbezüge im Cockpit, wenn man sonst sehr unansehnliche Karbonimitate auslegt?

Und wer freut sich an einem preiswerten wie brillanten Navigationssystem (550 Euro), wenn der Bordcomputer daneben an einen Funkwecker aus dem 1-Euro-Shop erinnert? Da sind nicht nur die deutschen Konkurrenten um Längen besser. Auch bei den Assistenzsystemen haben sich die Japaner abhängen lassen: Elektrische Helfer für Spurwechsel- und Spurführung oder das automatische Fernlicht sind nur bei Toyota noch echte Premieren, bei der Konkurrenz aber gang und gäbe.

Allrad bleibt erste Wahl

Obwohl der neue RAV4 eher für den Alltag als fürs Abenteuer gemacht ist, hält Toyota am Allradantrieb fest. Zwei von drei Motorvarianten gibt es deshalb ausschließlich als 4x4-Modell. Nur den neuen 2,0-Liter-Diesel mit 91 kW/124 PS und serienmäßiger Start-Stopp-Automatik verkaufen die Japaner als Fronttriebler und drücken den Normverbrauch so auf 4,8 Liter (CO2-Ausstoß 127 g/km).

Das größte Verkaufsvolumen erwartet Toyota aber für den 2,2-Liter-Diesel, der mit 110 kW/150 PS fast genauso stark ist wie der 1 PS stärkere 2,0-Liter-Benziner. Der nur im Detail überarbeitete Motor klingt mittlerweile etwas rau, hat aber Dampf: Mit bis zu 340 Newtonmeter Drehmoment schiebt der Selbstzünder den gut 1,5 Tonnen schweren Allradler schon bei niederen Drehzahlen kräftig an, erreicht nach 9,6 Sekunden Tempo 100 und ermöglicht maximal 190 km/h.

Dass sich der Fahrspaß trotzdem sehr in Grenzen hält, liegt am überaus nervösen Stabilitätsprogramm: Obwohl Toyota den RAV4 mit einer variablen Kraftverteilung und einem Sportmodus mit strammerer Lenkung in der Theorie zum Kurvenkünstler aufgerüstet hat, bremst ihn die Elektronik ungewöhnlich früh wieder aus. Bevor man sich auf einer kurvigen Piste so richtig eingeschwungen hat, zieht das ESP die Reißleine. Aber vielleicht passt auch das am besten zum Anspruch von der braven Kinderkutsche.

Fazit: Reifer und erwachsener, aber auch austauschbar

Deutlich größer und ein bisschen sparsamer, viel geräumiger und ein wenig knackiger - so ist der RAV4 mit seinen Besitzern reif und erwachsen geworden. Statt Abenteuer-Auto ist er jetzt eine Familienkutsche mit viel Raum und ruhigem Pulsschlag. Das ist nicht schlecht, aber für die herausragende Stellung von früher auch nicht gut genug: Vor 20 Jahren war der Toyota noch allein auf weiter Flur. Heute hat er fast zwei Dutzend Wettbewerber. Datenblatt: Toyota RAV4

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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