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Ruckfrei dahingleiten - Motorräder mit Automatikgetriebe

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Bonn/Essen (dpa/tmn) - Ob im Stop-and-go-Verkehr oder auf verschlungenen Alpenstraßen: Wo Motorradfahrer viel Schaltarbeit leisten müssen, ermüdet bald die Kupplungshand. Das Problem ist bei Maschinen mit Automatikgetriebe hinfällig. Die Technik bringt weitere Vorteile.

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erstellt am 13.Aug.2013 | 09:33 Uhr

Bonn/Essen (dpa/tmn) - Ob im Stop-and-go-Verkehr oder auf verschlungenen Alpenstraßen: Wo Motorradfahrer viel Schaltarbeit leisten müssen, ermüdet bald die Kupplungshand. Das Problem ist bei Maschinen mit Automatikgetriebe hinfällig. Die Technik bringt weitere Vorteile.

Was bei Motorrollern Standard ist, bleibt bei Motorrädern die Ausnahme: ein Automatikgetriebe. Dabei kann die Technik Bikern durchaus Vorteile bringen. «Mit Automatikgetriebe wird das Motorradfahren für einige angenehmer und entspannter», sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Achim Kuschefski, Leiter des Instituts für Zweiradsicherheit, sieht das ähnlich: «Eine Automatik dient zu allererst der Verbesserung des Komforts. Vor allem auf langen Strecken wird die Kupplungshand geschont.»

Seiner Meinung nach kommt aber nicht für jeden Biker eine Maschine mit Automatik infrage. Und dass die Technik die konventionelle Schaltung verdrängen wird, glaubt Kuschefski auch nicht. «Motorräder sind häufig Sportgeräte, bei dem die Fahrer bewusst schalten wollen.» Eine Automatik sei bei Motorrädern mehr wie ein Fahrerassistenzsystem zu sehen: «Der Fahrer kann sich besser auf die Verkehrsbeobachtung konzentrieren» - davon profitierten gerade Fahranfänger.

«Ein gut abgestimmtes Automatikgetriebe hat wie bei einem Pkw keine Nachteile», sagt Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer des Industrie-Verbands Motorrad (IVM). Die voll- und halbautomatischen Systeme, die inzwischen mehrere Motorradbauer für einzelne Modelle anbieten, unterscheiden sich teils stark - ein Überblick:

Doppelkupplungsgetriebe:Was im VW-Konzern das DSG ist, ist in der Motorradabteilung von Honda das DCT (Dual Clutch Transmission) - ein kompaktbauendes Doppelkupplungsgetriebe. Für 1000 Euro Aufpreis bieten die Japaner dieses vollautomatische Sechs-Gang-Getriebe für die Modelle NC700S, NC700X, Crosstourer und VFR 1200 F an. Beim motorradähnlichen Großroller Integra gehört es zur Serienausstattung.

Von der Automatik kann der Fahrer auf Knopfdruck in den Modus «Manuell» wechseln und dann die Gänge per Wippschalter am Lenker selbst einlegen. Die Gangwechsel erfolgen schnell und weich ohne Zugkraftunterbrechung. Bei der Reiseenduro Crosstourer entscheidet sich laut Honda mittlerweile die Hälfte der Kunden für das automatisierte Getriebe, bei den 700ern seien es rund 20 Prozent.

Halbautomatik:Einen anderen technischen Weg geht Yamaha bei der FJR 1300 AS (ab 19 795 Euro). Der Sporttourer verfügt über ein konventionelles Schaltgetriebe mit elektronisch gesteuerter Kupplung. Jeder Gangwechsel geht vom Fahrer aus, wahlweise per Schalter am linken Lenkerende oder klassisch mit dem linken Fuß.

Nur beim Anhalten wechselt das Getriebe von allein die Fahrstufe, wenn die Funktion «Stop Mode» aktiviert ist: Dann wird bei stark verlangsamter Fahrt automatisch der erste Gang eingelegt. Die Schalt- und Kupplungsarbeit übernehmen zwei Stellmotoren. Einer baut den hydraulischen Druck für das Ein- und Ausrücken der normalen Kupplung auf, der andere aktiviert das Getriebe.

Variomatik:Fast jeder Roller fährt mit einer Variomatik. Das stufenlose Getriebe hält die Motordrehzahl konstant und ändert dafür die Übersetzung. Es ist sehr kompakt und günstig in der Herstellung. Aprilia setzt bei der Mana 850 GT (ab 10 650 Euro) auf ein vergleichbares System.

Zum Anfahren dient hier ein elektronisch gesteuertes, stufenloses Riemengetriebe mit Fliehkraftkupplung. Während der Fahrt kontrolliert ein Stellmotor den Abstand der Riemenscheibenhälften und damit die Übersetzung. Voreingestellte Übersetzungsstufen simulieren sieben Gänge. Der Fahrer kann zwischen drei Automatik-Modi wählen: «Sport», «Touring» und «Rain» für Regenfahrten. Im manuellen Modus wird per Hand oder Fuß geschaltet, erklärt Kuschefski.

Schaltassistent: Eher für Sportmaschinen ist der Schaltassistent konzipiert. Er erlaubt zwar kein vollautomatisches Schalten, dafür aber einen schnellen Gangwechsel ohne zu kuppeln und somit ohne Zugkraftunterbrechung. Ein Sensor am Schalthebel registriert bei Druck einen anstehenden Wechsel und unterbricht für eine Zehntelsekunde die Zündung. Die Schaltklauen werden kurz entlastet und der nächste Gang rastet zügig ein. Der Fahrer muss nicht einmal den Gashahn schließen, sondern kann die Gänge durchreißen. Das ermöglicht eine rasante Beschleunigung und Schalten in Schräglage.

BMW zum Beispiel bietet einen Schaltassistenten für seine Modelle S1000 RR, K1300 R und K1300 F für 365 Euro Aufpreis an, der Supersportler HP4 (ab 20 500 Euro) hat ihn serienmäßig. Und Ducati setzt diese Technik bei seinen Sportmaschinen 1199 Panigale (ab 19 650 Euro) und 848 Evo Corse SE (ab 15 650 Euro) ein. Für viele andere Motorräder gibt es im Zubehörhandel Nachrüstsätze für etwa 350 Euro - damit erlischt allerdings die Straßenzulassung der Bikes.

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