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Renault Zoe: Elektroauto sucht Anschluss

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Berlin (dpa-infocom) ? Jetzt wird es ernst: Nach den umgebauten Großserienmodellen Kangoo und Fluence sowie dem Stadtflitzer Twizy bringt Renault im Sommer sein erstes reines Elektroauto auf den Markt: den Zoe. Was können Autofahrer von dem Stromer erwarten?

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Berlin (dpa-infocom) ? Jetzt wird es ernst: Nach den umgebauten Großserienmodellen Kangoo und Fluence sowie dem Stadtflitzer Twizy bringt Renault im Sommer sein erstes reines Elektroauto auf den Markt: den Zoe. Was können Autofahrer von dem Stromer erwarten?

Mitte 2013 ist es so weit: Das Elektroauto Zoe von Renault kommt in den Handel. So groß wie ein Clio, nicht viel teurer als ein Mégane mit Dieselmotor und als erster in dieser Liga mit einer vernünftigen Reichweite gesegnet, soll der Zoe vor allem Pendler und Vorstädter für die Elektromobilität gewinnen und den alternativen Antrieb aus der Imagekrise holen.

Ohne Angst um den Aktionsradius

Wo man bei Stromern wie dem Nissan Leaf oder dem Mitsubishi i-Miev ständig mit einem Auge auf die Reichweitenanzeige schielt, hat man im Zoe schon nach wenigen Minuten vergessen, dass hier die Energie aus dem Akku und nicht aus dem Tank kommt. Selbst wenn die bis zu 210 versprochenen Kilometer im Alltag nie und nimmer zu schaffen sind, sinkt die blaue Säule im Cockpit so langsam, dass man sorglos in der Stadt unterwegs ist.

Möglich wird das nicht nur durch die riesigen Lithium-Ionen-Akkus mit 22 kWh nutzbarer Kapazität. Auch die sparsame Technik hilft: Der Zoe kann beim Bremsen mehr Energie zurückgewinnen als andere Stromer, seine Klimaanlage arbeitet erstmals mit einem effizienten Wärmetauscher, und die Reifen wurden speziell für Elektrofahrzeuge entwickelt. Außerdem halten Tachomonitor und Bordcomputer den Fahrer zu einem sparsamen Fahrstil an. So schafft man mit einer Akkuladung problemlos zwischen 100 und 150 Kilometern.

Lustlos bei der Landpartie

Mit 65 kW/88 PS Motorleistung und 220 Newtonmetern Drehmoment wirkt der Zoe in der Stadt angenehm spritzig. Er ist wendig. Durch die Akkus im Wagenboden sitzt man etwas erhöht und hat eine gute Sicht auf das Verkehrsgeschehen. Mit der durch das immense Gewicht von 1,5 Tonnen etwas bockigen Federung kann man sich arrangieren. Nur bei Landpartien geht dem Zoe schnell die Puste aus. Mit einem Sprintwert von 13,5 Sekunden beschleunigt er jenseits des Ortsschilds ziemlich zäh, maximal sind 135 km/h möglich.

Geht der Strom zur Neige, kommt das neue Ladesystem des Zoe zum Einsatz. Der Wagen kann an alle gängigen Ladestationen angeklemmt werden und stellt sich automatisch auf die maximale Stromstärke ein. Im besten Fall reichen dann 30 Minuten aus, um 80 Prozent der Batteriekapazität aufzufrischen - nach einem kurzen Mittagessen ist man so für den Rest des Tages gerüstet. Völlig unverständlich ist aber, dass man den Zoe nicht in Haushaltssteckdosen einstöpseln kann. Ohne Not schränkt Renault die Kunden dadurch wieder ein und schürt womöglich die Reichweitenangst, die man ihnen eigentlich nehmen wollte. Denn zumindest die Entwickler sehen den Zoe als ebenso alltagstaugliches wie alltägliches Auto.

Wellness für Elektro-Pioniere

Diesen Anspruch hatten auch die Designer: Der Zoe ist zwar etwas futuristischer als der gleich große Clio, aber kein seltsam anmutendes Raumschiff auf Rädern. Das gilt auch für das Interieur des überraschend geräumigen Fünfsitzers, das mit TFT-Bildschirm statt Tacho und einer Mittelkonsole im iPad-Stil jedoch ein wenig moderner als andere Autos aussehen will. Leider ist das Ambiente insgesamt etwas lieblos geraten, und die verwendeten Kunststoffe wirken billig.

Im und um den Zoe hat Renault eine Art Wellness-Welt konstruiert: Die Ausstattungsvarianten tragen Namen wie Intens oder Zen. Statt Motorengeräuschen hört man eine Art Meditationsmusik. Und aus der Klimaanlage strömen Düfte mit Namen wie «Calming» oder «Cocooni».

Konkurrenzlos billig - und doch recht teuer

Weil zum Beispiel am Material im Innenraum gespart wurde, kann Renault den Zoe zu einem Kampfpreis von 21  700 Euro anbieten. Das macht den Wagen zum finanziell attraktivsten Stromer auf dem Markt. Der Zoe kostet zwar rund 5500 Euro mehr als ein vergleichbarer Clio mit Dieselmotor, aber zum Beispiel Nissans Elektromodell Leaf ist etwa 12 000 Euro teurer. Dem Smart ed hat der Zoe eine zweite Sitzreihe voraus. Und die Ladestation (Wallbox) für die heimische Garage ist bei ihm im Preis schon inbegriffen. Dafür fehlt die Batterie: Wie bei allen E-Autos von Renault muss man den Akku separat leasen und dafür im Jahr noch einmal zwischen 950 und 1500 Euro einplanen.

Fazit: Ein Star mit Schönheitsfehler

Ein schmuckes Design, alltagstaugliche Fahrleistungen, viel Platz, ein paar pfiffige Ideen und eine moderate Preispolitik ? im Grunde ist der Zoe damit das wahrscheinlich reifste Elektroauto, das man derzeit kaufen kann. Wenn man nur nicht Angst haben müsste, dass man mit fast leerem Akku den Anschluss verpasst.

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