Steigende Zahl der Rückrufaktionen : Qualität von Autos: Der Trend geht zum Rückruf

BMW bleibt nicht verschont: Der deutsche Autobauer ruft wegen fehlerhafter Airbags jetzt in den USA rund 140.000 Fahrzeuge des 3ers der vorletzten Generation zurück.
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BMW bleibt nicht verschont: Der deutsche Autobauer ruft wegen fehlerhafter Airbags jetzt in den USA rund 140.000 Fahrzeuge des 3ers der vorletzten Generation zurück.

Gleichteil-Strategie und immer komplexere Technik sind Ursachen für teure Nachbesserung bei vielen Pkw. Nie gab es so viele Rückrufaktionen wie 2014

shz.de von
11. Januar 2015, 13:06 Uhr

Flensburg | Noch nie gab es in der Geschichte der Automobilindustrie so viele Rückrufe wie 2014. Der US-Autobauer General Motors allein sorgte mit 79 Aktionen für Aufsehen.

Die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Zahl der Rückrufe liegt nicht unbedingt an schlechter werdender Produktionsqualität. Es gibt auch andere Gründe: Die immer komplexere Technik in modernen Autos birgt ein höheres Fehlerrisiko; Plattform-Strategien sparen Kosten durch die Verwendung von „Gleichteilen“ in einer Vielzahl von Modellen, doch bei einem Fehler ist auch gleich eine riesige Anzahl von Autos betroffen.

Und nicht zuletzt sind die Hersteller insgesamt viel sensibler geworden. Laut Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn müssten die Autobauer derart hart um ihre Kunden kämpfen, dass sie diese Beziehung nicht durch Qualitätsprobleme gefährden wollen. Deshalb werde bereits bei relativ geringfügigen Anlässen zum Instrument des Rückrufs gegriffen – bevor das Horrorszenario eintritt und es zu tödlichen Unfällen kommt.

Die defekten Zündschlösser bei General Motors (GM) und aktuell die Rückrufe vieler Hersteller wegen Airbags des Zulieferers Takata machen mehr als die Hälfte der Rückrufe insgesamt aus. Bei GM allein waren knapp 27 Millionen Pkw und leichte Trucks betroffen; einen vergleichbaren Fall gab es noch nie. Die Kosten für den Konzern: 2,2 Milliarden Euro allein in den ersten drei Quartalen. General Motors räumt mindestens 42 Todesopfer bei Unfällen ein, die durch fehlerhafte Zündschlösser, die bei voller Fahrt in die „Aus“-Position springen können, verursacht wurden. Bei dem Entschädigungsfonds für Verunglückte und ihre Angehörigen sind bisher Forderungen für 251 Todesopfer eingegangen, von denen die meisten jedoch abgelehnt wurden.

Der als „Airbag-Skandal“ bezeichnete Takata-Rückruf betrifft bereits jetzt mehr als acht Millionen Fahrzeuge, Tendenz stark steigend. Die Luftkissen können auch ohne Aufprall explodieren, heiße Metallteile fliegen dann durch den Innenraum des Fahrzeugs. Nach Darstellung von Anwälten sind deshalb schon mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen.

Auch BMW geht auf Nummer sicher und weitet jetzt in den USA den Rückruf von Fahrzeugen wegen möglicherweise fehlerhafter Airbags aus. Betroffen sind laut BMW etwa 140.000 Autos der 3er-Modellreihe aus den Jahren 2004 bis 2006. Am stärksten hat Honda mit mehr als 13 Millionen Autos mit den Airbagproblemen von Takata zu kämpfen. BMW ist der einzige deutsche Autohersteller, der diese Airbags eingebaut hat.

Die deutschen Mitbewerber der Münchner blieben 2014 aber auch nicht ungeschoren. Bei Audi gab es Bremsenprobleme in mehreren Baureihen. Daimler musste Smart-Modelle, den Transporter Citan und sogar die nagelneue Mercedes C-Klasse (Lenkung) in die Werkstätten bitten. Bei Porsche drohte dem 911 GT3 Brandgefahr, in den Baureihen 911 sowie Cayman/Boxster waren fehlerhafte Haubenverriegelungen verbaut worden und der 345 km/h schnelle Superrenner 918 Spyder musste wegen fehlerhafter Fahrwerksteile nachgebessert werden.

Dem Geschäft haben die Rückrufe nicht geschadet. In den USA sind die Verkäufe bis November im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 5,5 Prozent auf mehr als 15 Millionen Fahrzeuge angestiegen – immerhin der beste Wert seit 2006.

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